Neumünster : Zu viel Regen: Der Überlauf im TBZ ist randvoll

Ingo Kühl, Chef im Technischen Betriebszentrum, steht im sogenannten Rechengebäude. Hier wird das ankommende Schmutz- und Regenwasser bereits grob gereinigt.
Foto:
1 von 2
Ingo Kühl, Chef im Technischen Betriebszentrum, steht im sogenannten Rechengebäude. Hier wird das ankommende Schmutz- und Regenwasser bereits grob gereinigt.

Wasserstand der Schwale liegt wieder deutlich über dem Mittleren Hochwasser. Pro Jahr durchlaufen 7 Millionen Kubikmeter Abwasser das Klärwerk an der Niebüller Straße

von
15. Januar 2015, 05:45 Uhr

Neumünster | Der anhaltende Regen bringt das Klärwerk beim Technischen Betriebszentrum (TBZ) an seine Leistungsgrenzen. Zweimal seit Mitte Dezember waren bereits die Überlaufbehälter bis zum Rand gefüllt, zuletzt am Dienstag.

„Normalerweise kommen an einem trockenen Tag rund 20.000 Kubikmeter Abwasser im Klärwerk an. Am Dienstag waren es gut 70.000. Etwas mehr hatten wir nur am 23. Dezember. Da waren es 75.000 Kubikmeter“, sagt TBZ-Leiter Ingo Kühl. Bis zu 4400 Kubikmeter pro Stunde kann das Klärwerk verarbeiten. Was zusätzlich ankommt, schwappt automatisch in den 8000 Kubikmeter fassenden Überlauf und wird zunächst gespeichert. Das Problem ist dann die Regenmenge. „Bei einem feinen Landregen kommt das Wasser ja schön gleichmäßig. Doch bei Starkregen tritt auf einmal viel Wasser auf. Und jeder weiß, dass der Starkregen wohl in den nächsten Jahren zunehmen wird“, sagt Kühl. Und dann wird es eben eng. Denn sind die Reserven voll, bleibt nur noch der unbearbeitete Ablauf in den Bullenbek. So geschehen am 23. Dezember. Dafür erteilte das zuständige Umweltamt in Rendsburg auch die Genehmigung.

Grundsätzlich stellt normaler Regen für die Anlagen im TBZ kein Problem dar. Das Wasser gelangt in der Kanalisation fast überall im Stadtgebiet über das 235,7 Kilometer lange Regenwasser-Kanalnetz in eines der 37 Regenrückhaltebecken. Dort verbleibt es einige Zeit, damit die Schmutzpartikel absinken können. Anschließend fließt es in verschiedene Bäche und Flüsse, unter anderem in Dosenbek, Geilenbek, Bullenbek, Schwale und Stör. Die Becken werden dann etwa alle fünf Jahre von den TBZ-Mitarbeitern gereinigt. „Von diesem Regenwasser merken wir im Klärwerk eigentlich nichts, es sei denn, es sickert von außen etwas rein“, sagt Kühl. In der Innenstadt aber gibt es noch immer knapp 30 Kilometer Mischwasserkanäle. Hier vermengt sich das Regenwasser mit dem Abwasser der Häuser und Geschäfte.

Durch den hohen Niederschlag der vergangenen Tage sind auch die Pegel der Flüsse und Bäche in der Stadt wieder angestiegen. Gemessen werden sie in unregelmäßigen Abständen am Einfelder See sowie in Tungendorf und Padenstedt. Einzig die Anlage in Brachenfeld an der Schwale liefert tagesaktuelle Werte. Dort lag der Pegel gestern wieder bei 1,50 Meter und damit 11 Zentimeter über dem normalen mittleren Hochwasser. Einen ähnlichen Wert gab es bereits beim Weihnachtshochwasser.

Dennoch ist die Lage nicht so dramatisch wie vor drei Wochen, zumal auch ein trockenes Wochenende vorhergesagt wird. „Wir müssen allerdings beachten, dass nach einem trockenen Jahr 2014 der Boden im Dezember mehr Wasser aufnehmen konnte. Nun ist er mittlerweile gesättigt“, sagt Ute Obel, Abteilungsleiterin im Umweltamt. Die Stadt habe die Lage ständig im Blick. Aus Sicht der Berufsfeuerwehr gibt es derzeit keinen Anlass, sich auf bevorstehendes Hochwasser vorzubereiten.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen