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Tierischer Gast : Zu früh wach: Igel sorgte für Aufsehen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im März liegen Igel eigentlich noch im Winterschlaf / Expertin: Möglicherweise hat das Tier zu wenig Reserven oder ist krank

Neumünster | Ein ungewöhnlicher Gast krabbelte am frühen Sonntagabend am Hagedornbusch in Tungendorf über den Bürgersteig: Ein offenbar verfrüht aus dem Winterschlaf erwachter Igel rief spielende Kinder und ihre Eltern auf den Plan. Das Tier wirkte müde und schwach und bewegte sich teilweise wie in Zeitlupe. Im Nu war der Igel zum Stadt(teil)gespräch geworden.

Birgit Hansen von der Initiative Pro Igel meinte auf Anfrage zum Courier, dass etwas nicht stimmt: „Igel sind nachtaktiv und eigentlich noch im Winterschlaf. Wenn ein Igel im März tagsüber gesichtet wird, hat er entweder zu wenig Reserven oder ist krank.“

Die 75-jährige Tungendorferin hat schon so manchen Igel aufgepäppelt, und auch jetzt logieren zwei bei ihr. „Igel fressen sich bis in den November oder Dezember Reserven an, um die Monate der Winterruhe zu überdauern.“ Birgit Hansen spricht von einem Mindestgewicht von 500 Gramm bei Jungtieren, gut wären 650 bis 700 Gramm vor Wintereinbruch. „Doch manchmal schaffen die im September oder August geborenen Igel das nicht. Die Verlustrate im ersten Winter ist sehr hoch.“ Erwachsene Igel sollten zwischen 900 und 1500 Gramm wiegen, sagt die Fachfrau.

Der Igel am Hagedornbusch wurde neugierig von den Kindern umlagert, aber sie fassten das Tier nicht an. Aus Sorge um sein Wohl leiteten sie den Igel zu einem Vorgarten und servierten ihm ein Apfelstück und etwas Körnerfutter. Wenig später trollte er sich in ein Gebüsch. Birgit Hansen rät, solche Fälle aufzunehmen: „Der März ist ein Wintermonat, auch wenn es jetzt mal warm war. Das ist eindeutig zu früh, mit dem Tier stimmt etwas nicht.“ Wer kann, nimmt den Igel bei sich auf – und zwar im Haus in einem Zimmer, das 18 bis 20 Grad Raumtemperatur haben soll, unterstreicht Birgit Hansen. Als Futter kann man ihm Katzendosenfutter servieren, in das man Haferflocken als Ballaststoffe mischt. Sehr gerne fressen Igel auch gekochtes Hühnerfleisch. Ausgewildert werden können sie, wenn die Nachttemperaturen mindestens 8 Grad bei steigender Tendenz betragen, sagt Birgit Hansen.

Wer keinen Igel hochpäppeln kann, meldet sich unter Tel. 3 18 56. Im Internet: www.pro-igel.de.

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erstellt am 10.Mär.2015 | 05:00 Uhr

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