Zottelige Exoten weiden in Latendorf

Die seltenen Luing-Kühe stammen von der schottischen Hybriden-Insel Luing und gelten als gutmütige Tiere. In Latendorf fühlen sie sich wohl. Foto: Friebel
Die seltenen Luing-Kühe stammen von der schottischen Hybriden-Insel Luing und gelten als gutmütige Tiere. In Latendorf fühlen sie sich wohl. Foto: Friebel

Uwe Jessen und Michael Kowalewski züchten Luing-Rinder, die aus Schottland kommen / Ein Urlaub in den USA brachte sie zur Landwirtschaft

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08. Juli 2011, 03:59 Uhr

Latendorf | Ihre Vorfahren stammen von der klitzekleinen, kargen schottischen Hybriden-Insel Luing. Auf den fetten Weiden in Littloh fühlen sie sich gerade deswegen pudelwohl. Immer dann, wenn Uwe Jessen und Michael Kowalewski mit dem roten Korb voller Brötchen kommen, werden sie von den 13 Luing-Kühen (ausgesprochen: Link) schon freudig erwartet. Die beiden haben die zotteligen, rotbraunen Exoten nach Latendorf gebracht. Der pensionierte Stabsfeldwebel und der Importkaufmann sind bannig stolz auf ihre kleine Kuschelherde. "Ich könnte hier stundenlang stehen und den Tieren zuschauen", meint Uwe Jessen und schwärmt von den Vorteilen dieser seltenen Rasse.

Die Rasse der Luing-Kühe wurde erst um 1965 anerkannt

Die Rasse der Luing-Kühe wurde erst um 1965 anerkannt und in die Zuchtbücher aufgenommen. 20 Jahre vorher hatten die Brüder Shane, Denis und Ralph Cadzow mit der Zucht begonnen. Außer Schiefer hat ihre Heimatinsel im rauen Atlantischen Ozean nicht viel zu bieten. Die 200 Einwohner leben auf den 14,3 Quadratkilometern von Tourismus, Hummerfischerei und eben Robustrinderhaltung. Ein wenig lukrativer wollten die Brüder das gestalten. So begannen sie Highland Cattle mit Beef Shorthorn zu kreuzen, um einen größeren Fleischanteil zu erhalten. Das zeigt sich besonders bei den Bullen: Sie können 900 bis 1200 Kilogramm auf die Waage bringen, Hochlandbullen dagegen nur 650 bis 850 Kilo. "Luing-Rinder haben mehr Fleisch und sie wachsen schneller, gehen mehr in Richtung Fleischrind", weiß Michael Kowalewski.

Ein gemeinsamer USA-Reiturlaub hat bei den beiden den Wunsch geweckt, selbst in die Landwirtschaft einzusteigen. Möglichst natürlich sollte es sein. "Robustrinder waren da die erste Wahl." Viel gelesen haben sie, sich über die zahlreichen Rassen schlau gemacht. "Irgendwie sind wir da bei den Luings hängen geblieben.

Dass sie zumindest in Deutschland reine Exoten und hier bei uns im Norden gänzlich unbekannt sind, hat uns zusätzlich gereizt", meint Kowalewski. Die ersten Tiere wurden für den Herdenaufbau gekauft, haben nun ihre Robustheit im vergangenen Winter bestens unter Beweis gestellt, drei Kälber wurden auf der Koppel geboren und entwickelten sich prächtig.

Gerade haben die beiden zur Vergrößerung der Herde acht Mutterkühe mit acht Kälbern dazu gekauft, die nach Latendorf auf die Sommerweide an der Osterau kommen werden. Jetzt schauen sie sich nach einem eigenen Zuchtbullen um.

Auch um die Vermarktung des Fleisches machen sie sich bereits Gedanken. "Das schmeckt einfach super", hat Uwe Jessen festgestellt. Doch viel lieber als die Gaumenfreude ist ihm der Umgang mit den gutmütigen Luings, die sich gern mal kraulen lassen und ihm die Brötchen aus der Hand fressen.

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