Neumünster : „Ziel setzen, aber realistisch bleiben“

Josephine Brauer trainiert zweimal in der Woche.
Josephine Brauer trainiert zweimal in der Woche.

Im Januar ist Hochkonjunktur bei den Fitness-Studios. Es gibt aber viele Abbrecher.

shz.de von
31. Januar 2018, 12:30 Uhr

Neumünster | Endlich Abnehmen und mehr Sport treiben: Die Vorsätze fürs neue Jahr sind groß, wenn sie in der Silvesternacht beim Anstoßen feierlich verkündet werden. Aber wie sieht es eigentlich einen Monat später aus?

„Der Januar ist mit Abstand der stärkste Monat“, erklärt Thorsten Harms, Inhaber des Clever-fit-Studios. Die meisten Neulinge seien jünger und wollen etwas für ihre Figur tun. Eine von ihnen ist Josephine Brauer. Die 16-Jährige geht zweimal in der Woche zum Sport. „Den guten Vorsatz hatte ich schon länger, aber jetzt ziehe ich ihn auch durch.“

In der kalten Jahreszeit seien die Zahlen generell höher, „weil es ein wetterunabhängiger Indoor-Sport ist“, erläutert Harms. Abbrecher gebe es nicht so viele wie angenommen. Gute Vorsätze würden eingehalten. „Es scheint ein Plan dahinter zu stehen“, so Harms.

Das erlebt Heiko Eichhorn, Geschäftsführer vom Body&Soul in Gadeland, ein wenig anders: „Im Januar haben wir 60 bis 70 Prozent mehr Neulinge als in den anderen Monaten, leider bleiben aber langfristig über die Hälfte der Menschen nicht dabei“, schildert er seine Erfahrungen. In der schnelllebigen Zeit sei es schwer, die Leute mit Jahresverträgen zu locken. Deshalb habe er sich ab Februar ein neues, flexibleres Konzept überlegt: Monatlich kündbare Verträge. „Damit wollen wir Menschen ansprechen, die ein Fitness-Studio ausprobieren wollen.“ Außerdem könne man drei Monate in seinem Fitness-Vertrag pausieren, „im Sommer gehen wenig Menschen zum Studio, damit wollen wir einen Anreiz geben, im Herbst wieder einzusteigen“, erklärt Eichhorn. Darüber hinaus gebe es jedes Jahr ein besonderes Angebot. „In diesem Jahr startet ein zweimonatiges Abnehm-Duell, als Anreiz, zu trainieren.“

In Gesellschaft trainiert auch Josephine Brauer lieber: „Ich nehme immer gerne jemanden mit, das macht mehr Spaß“, sagt die Jugendliche, die schon erste Erfolge sieht. Ohne Ernährungsumstellung gehe es aber nicht: „Ich habe auch meine Ernährung angepasst. Abends gibt es jetzt Salat“, sagt Josephine Brauer. Das Geheimrezept, um seinem inneren Schweinehund langfristig beizukommen? „Ein klares Ziel definieren, aber realistisch bleiben“, sagt Heiko Eichhorn. Man dürfe nicht erwarten, innerhalb von vier Wochen Unmengen an Gewicht zu verlieren. Dass das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil generell gestiegen ist, stellt Thorsten Kehl, Programmbereichsleiter Gesundheit und Kultur der Volkshochschule, fest: „Wir merken, dass vor allem ältere Menschen immer mehr auf ihren Körper achten“, so Kehl. Die Anmelde-Phase für das kommende Semester brumme. „Wir bieten eine große Bandbreite an Themen für Gesundheit und Bewegung an.“ Ob die Anmeldungen aber mit den guten Vorsätzen zusammenhängen, könne man nicht belegen.

Um während der Arbeit etwas für die Gesundheit zu tun, hat sich das Team vom Kinderschutzbund Neumünster ein kleines Team-Duell überlegt: „Wir vier von der Geschäftsleitung treten gegen unsere 35 Mitarbeiter an. Alle tragen einen Schrittzähler, der von einer Krankenkasse gestellt wird, und wenn am Ende des Monats unsere Mitarbeiter gewonnen haben, gibt es für das Team einen Ausflug“, erzählt Geschäftsführer Till Pfaff. Das habe den Effekt, dass er sich abends ab und an noch einmal auf sein heimisches Sportgerät schwinge. „Im Schnitt schaffe ich 13 000 Schritte.“ Aber seine Mitarbeiterinnen haben weit die Nase vorn: „Bei der Arbeit mit Kindern bewegt man sich automatisch viel.“

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