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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 23:59 Uhr

Gericht : Zeugin sollte die Hunde verstecken

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Prozess gegen Züchterpaar aus Padenstedt trat gestern eine ehemalige Mieterin auf. Die Verteidigung sieht keine Anhaltpunkte für eine Verurteilung

Neumünster | Im Betrugsprozess gegen das Hundezüchterpaar aus Padenstedt bleibt die Wahrheitsfindung überaus knifflig. Vor dem Schöffengericht an der Boostedter Straße wurden gestern weitere Zeugen vernommen, die aus Sicht der Staatsanwaltschaft die Angeklagten weiter belasten, aus Sicht der Verteidigung für das Verfahren eher ohne Relevanz sind. Die Stimmung im Gerichtssaal bleibt gereizt.

Dem seit Februar vor Gericht stehenden Hofbesitzern (44 und 60 Jahre) wird vorgeworfen, in 35 Fällen Hundeliebhaber betrogen zu haben, indem sie ihnen junge Labradorwelpen verkauften, die unter einer unheilbaren Erbkrankheit leiden. Die chronische Hüft- beziehungsweise Ellenbogendysplasie (ED und HD) behindert die Tiere lebenslang in ihren Bewegungsabläufen.

Die schwierige Frage, die das Gericht zu klären hat: Ab wann wussten die Züchter von der Krankheit ihrer Tiere, und haben sie deren Qualen billigend in Kauf genommen, um sich zu bereichern?

Nach ersten Zeugen, Sachverständigen und Verbandsvertretern richtete sich die Aufmerksamkeit am 7. Verhandlungstag auf eine 23-jährige Frau, die als Mieterin vorübergehend auf dem Züchterhof gewohnt und sich dort in einen jungen Mischlingswelpen „verguckt“ hatte. Das Züchterpaar überließ seiner Mieterin den jungen Hund. Erst im Nachhinein habe sie erfahren, dass der Welpe kurz zuvor von einem Vorbesitzer als krank zurückgegeben worden war, sagte die Zeugin.

Die Frau beschrieb die Aufzucht des Welpen als einziges Trauerspiel. Der Hund habe von Anfang an geröchelt, sei schnell abgemagert und habe gelahmt. Darauf angesprochen, habe ihr Vermieter nur beschwichtigt: „Ein leichter Herzfehler, der sich verwächst.“ Tatsächlich habe ihre Tierärztin dem Hund einen massiven Herzfehler bescheinigt, der eine lebenslange Pflege bedinge. Weil es dem Hund immer schlechter gegangen sei, habe sie das Tier schließlich einschläfern lassen, sagte die junge Frau. Allerdings: Wegen der hohen Tierarztkosten hatte ihr Vermieter auf den Kaufpreis für den Hund verzichtet.

Die schlechten Erfahrungen hinderten die Frau offenbar nicht daran, mit ihrem Vermieter einen krummen Deal zu vereinbaren: Per Vertrag seien ihr mehrere Hunde überschrieben worden, nur zum Schein sollte sie Geld überweisen, das ihr Vermieter ihr bar zurückzahlen wollte, erklärte die Frau auf Nachfrage der Staatsanwältin. Ganz offen habe ihr Vermieter über den Hintergrund gesprochen: Er wollte keine Beschlagnahmungen riskieren, falls die Behörden anrücken, erklärte die Zeugin.

Die Verteidigung versuchte die Glaubwürdigkeit der Zeugin zu erschüttern. Genüsslich zitierte ein Anwalt aus einem Internet-Forum: Darin hatte die Frau nach den Vorbesitzern ihres kranken Mischlingswelpen gesucht und ihren Vermieter dabei auch diffamiert. „Von wem wissen Sie eigentlich, dass Hundekäufer bewusst getäuscht werden?“, brachte der Verteidiger die Zeugin in Verlegenheit. Ein Kollege setzte noch eins drauf und forderte die Staatsanwaltschaft auf, Ermittlungen wegen über Nachrede einzuleiten.

Die vorsitzende Richterin sah dazu allerdings keinen Ansatz: Die Zeugin habe im Forum keineswegs behauptet, mit einem kranken Hund getäuscht worden zu sein, sondern lediglich nach Hundebesitzern gefragt, die sich ihrerseits getäuscht gefühlt hätten, belehrte sie den Verteidiger. Der blieb allerdings bei seiner Gesamteinschätzung: Der Prozess habe bislang keine Anhaltspunkte geliefert, die eine Verurteilung wegen Betrugs rechtfertigten.

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