zur Navigation springen

Walther-Lehmkuhl-Schule : Zeichenunterricht statt Zuckerwatte

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Elf junge Leute aus Schaustellerfamilien absolvieren derzeit eine spezielle Fortbildung.

Neumünster | Auf dem Stundenplan stehen Steuerrecht, Erste Hilfe, Lebensmittelhygiene, Schweißen oder Airbrushtechnik, das Zeichnen und Gestalten mit Farbspray. Mathe, Deutsch und Erdkunde sucht man hingegen vergeblich. Aber es ist auch kein „normaler“ Berufsschulunterricht, den derzeit elf junge Leute aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen unter dem Dach der Walther-Lehmkuhl-Schule (WLS) besuchen. Die Schausteller-Kinder machen mit beim dreiwöchigen „BeKoSch-Kursus“, der jährlich angeboten wird.

Das Kürzel steht für „Berufliche Kompetenzen für Schausteller“. Seit mehr als 15 Jahren vermitteln Pädagogen wie Kai Jost, Bereichslehrer für reisende Schüler, Marlies Kozielski-Nuske und Ingo Stahlbock von der WLS sowie zahlreiche externe Referenten von Behörden und Einrichtungen den Teilnehmern quasi im Schnelldurchlauf wichtige Berufskompetenzen. Denn: Ein Ausbildungsberuf ist Schausteller nicht. „Noch immer wächst man in den Beruf rein. Schaustellerei wird vererbt und ist eine Familiensache“, sagt Andreas Horlbeck, Fachbereichsleiter Bildung im Deutschen Schaustellerbund. Er hat die „BeKoSch-Kurse“ mit ins Leben gerufen. Ein Projekt, das es bundesweit außer in Neumünster nur noch in Herne, Nidda (Hessen) und Bielefeld gibt.

Die Teilnehmer haben oft keinen Abschluss oder den Hauptschulabschluss, seltener Realschule oder gar Abitur. „Sie gehen ja auch schon ab 12 oder 13 Jahre im elterlichen Betrieb in die Lehre und besitzen oft mit 16 oder 17 ein eigenes Geschäft“, erklärt Andreas Horlbeck.

So wie Antonia Stey. Die 17-Jährige aus Schmalfeld (Kreis Segeberg) hat einen Poffertjes-Stand, ist zum ersten Mal bei „BeKoSch“ dabei. „Ich finde Englisch und Airbrush am coolsten“, sagt die junge Frau.

Rico Franke (17) nimmt bereits zum zweiten Mal teil. „Das ist eine super Sache hier. Wir lernen das, was wir wirklich brauchen“, sagt der Brezelbäcker aus Braunschweig. Und Stephan Schaar (19), Kinderkarussell- und Schießbudenbetreiber aus Wischhafen, ergänzt: „Das sind gute Kurse, kompakt und für uns wichtig. Mir hat das Schweißen viel Spaß gemacht.“ Emely Schwerin (17) aus Trappenkamp beschreibt, warum die Schaustellerei für sie der schönste Beruf ist: „Ich habe schon Praktika in anderen Bereichen, zum Beispiel im Autohaus, gemacht. Aber das ist alles nichts. Ich brauche den Rummel und die Bewegung“, sagt die Imbissbetreiberin.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 17.Feb.2017 | 08:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen