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Nach Kaiserschnitt-Geburt : Zehn Welpen kämpfen ums Überleben

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Hundemutter Cora starb Stunden nach der Geburt ihrer Welpen: In Wittorf füttert Familie Udinga zehn Hundebabys alle zwei Stunden.

shz.de von
erstellt am 08.Mai.2013 | 07:23 Uhr

Neumünster | Die Nacht zum Montag wird Familie Udinga aus Wittorf ihr Leben lang nicht vergessen. Die drei Jahre alte Berner Sennenhündin Cora war seit zwei Monaten tragend. Am Sonntag um 17.30 Uhr kam das erste Junge zur Welt, um 19.10 Uhr das zweite. Doch dann gab es Komplikationen: Der Notdienst-Tierarzt holte in seiner Praxis neun Hundebabys per Kaiserschnitt. Eines starb nach der Geburt. Zu Hause wachte Cora aus der Narkose auf, säugte ihre Babys für kurze Zeit. Doch dann wurde sie plötzlich schwach und schwächer. Sie starb um 2.30 Uhr. Jetzt kämpfen die zehn Welpen um ihr Leben, und die Familie steht nach dieser erschütternden Nacht Kopf.
Im Welpenkorb läuft die Heizdecke auf Dauerbetrieb, und gelegentlich wird auch die Infrarotlampe angeschaltet. Die sechs Männchen und vier Weibchen drängen sich in eine Ecke, kuscheln sich aneinander, fiepen und suchen den Körperkontakt. Mutter Cora gehörte gar nicht Jan Udinga (63) und seiner Frau Birgit (60), sondern ihrer Tochter Marina Bußkamp (41).

Ein Welpe steckte im Geburtskanal fest


Nach der Geburt des zweiten Welpen tat sich lange nichts. Als nach 21 Uhr immer noch kein weiterer da war, alarmierten die Udingas ihren Tierarzt. Der hatte aber keinen Notdienst und verwies an den diensthabenden Dr. Yehia Al-Rahouli. Der stellte fest: Ein Welpe steckte im Geburtskanal der Hündin fest. Der Arzt konnte helfen und holte die weiteren Babys sicher auf die Welt. Marina Bußkamp, ihr Mann Matthias (47), Jan und Birgit Udinga saßen bangend im Wartezimmer, bekamen ein Junges nach dem anderen in die Hand gedrückt - um die Welpen trockenzureiben und zu rubbeln, um die Lebensgeister zu wecken.
Alles sah zunächst gut aus: Cora wachte wie geplant aus der Narkose auf und durfte nach Hause. "Sie war wach, aber noch benommen", sagt Jan Udinga. Doch dann kam es anders.

Hundevater kommt mit Vaterrolle nicht klar


Die Familie steht völlig unter Schock. Niemand hat geschlafen, die Nerven liegen blank, alle sitzen um den großen Korb herum, haben die fiependen Welpen im Blick, füttern sie und reiben die Bäuchlein mit einem Lappen, um die Verdauung anzuregen. Desinfektionsmittel steht auf dem Tisch, in der Küche wird die spezielle Milch angewärmt. Denn alle zwei Stunden müssen die Welpen ein Fläschchen bekommen. Die meisten trinken gierig, nur einer liegt apathisch da. "Der Kleine trinkt nicht. Er ist vermutlich heute Abend nicht mehr am Leben", sagt Jannie Udinga (29), die Schwester der Hundebesitzerin, mit Tränen in den Augen. Auch die Chancen der kräftigeren Jungen stehen nicht zum Besten.
Hundevater Jack, ebenfalls ein reinrassiger Berner Sennenhund, lebt bei den Udingas, kommt aber mit seiner Vaterrolle nicht klar. Wenn man ihm ein Baby hinhält, schleckt er es zwar ab, aber um den Korb mit den Welpen macht er ängstlich einen Bogen. "Der weiß mit ihnen nichts anzufangen", sagt Birgit Udinga.

Hündinnen, die gerade geworfen haben, gesucht


Die Welpen sind bei ihr und ihrem Mann, denn schon lange war abgesprochen, dass Tochter Marina und ihr Mann ihren lange gebuchten Mallorca-Urlaub antreten und die Eltern sich um die Hunde kümmern würden. "Die beiden sind seit ein paar Stunden auf der Insel, aber das ist natürlich kein Urlaub. Sie rufen immer wieder an", sagt Birgit Udinga, die in Neumünster unter anderem als langjährige Betreiberin des Geschäfts "Alte Weberei" bei Famila an der Brachenfelder Straße bekannt ist.
Die Udingas brauchen Hilfe: "Wir suchen dringend Hündinnen, die gerade geworfen haben und als Ammen einen oder mehrere unserer Welpen mit aufziehen können. Sonst schaffen es unsere Kleinen nicht." Wer helfen möchte, wendet sich unter Tel. 04321-9018765 an Familie Udinga.
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