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Holsteinischer Courier

21. November 2017 | 16:48 Uhr

Suchtberatung : Zahl der Spielsüchtigen steigt

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Suchtberatungsstelle legte Jahresbericht vor. 614 Ratsuchende wurden 2013 betreut. Alkohol bleibt die Volksdroge Nummer 1

von
erstellt am 04.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Neumünster | Suchtkrankheit Nummer 1 in Neumünster ist immer noch die legale Droge Alkohol. Mehr als die Hälfte der 614 Menschen, die im vergangenen Jahr bei der Suchtberatungsstelle Hilfe suchten, hatte vorrangig ein Alkokolproblem. Das berichtete die Leiterin des Trägers Therapiehilfe, Anja Lohse, am Mittwoch im Sozial- und Gesundheitsausschuss.

Auf den Plätzen folgen die Abhängigkeit von illegalen Drogen wie Opiaten (167 Betroffene) und Cannabis (97). Jeder fünfte Ratsuchende konsumiert mehrere Suchtstoffe gleichzeitig. Dabei spielt der Alkohol in der Regel eine maßgebliche Rolle. Auf Rang 4 folgt aber schon mit 51 Klienten der steigende Anteil der Spielsüchtigen. „Einen weiteren Anstieg dieser Gruppe schließen wir nicht aus“, sagte Anja Lohse. Mit etwa sieben Prozent ist die Gruppe der Spielsüchtigen in der Beratungsstelle nach Meinung der Experten sogar noch deutlich unterrepräseniert. „Gründe hierfür können die oft mangelhafte Krankheitseinsicht, aber auch Schamgefühle sein“, heißt es im Jahresbericht.

In der Statistik wird unter Spielsucht bisher nur das Glücksspiel an Automaten und in Casinos und Spielhallen erfasst. „Was Jugendliche im Internet anstellen, können wir noch nicht erfassen“, sagte Anja Lohse auf Courier-Nachfrage. Im Bereich der Prävention an den Schulen werde das sicher künftig mehr zum Thema werden.

Das Problem bei der pathologischen, also krankhaften Spielsucht: Es gibt eine sehr hohe Dunkelziffer. „Und es gibt sehr viele Spielhallen in Neumünster“, sagte Anja Lohse. Viele Spielhallen haben heute nicht mehr das Schmuddelimage von früher, sondern sehen eher wie schmucke Bistros aus, in denen man gerne seine Freizeit verbringt. Das könne gefährlich werden, betonte Anja Lohse. „Oft ist es so, dass die Betroffenen erst kommen, wenn die Schulden ihnen über den Kopf wachsen“, so Anja Lohse. Erst dann entstehe der nötige Leidensdruck, um die Beratungsstelle aufzusuchen.

Sucht, Schulden und Arbeitslosigkeit sind eine typische Kombination. Nur etwa 29 Prozent der betreuten Klienten verdienen ihren Lebensunterhalt durch Lohn, Gehalt oder eine selbstständige Tätigkeit. Fast die Hälfte war erwerbslos. Mit 37 Prozent aller Betreuungen stellten die Empfänger von Arbeitslosengeld II im vergangenen Jahr die mit Abstand größte Klientengruppe dar.

Auch kulturelle Unterschiede und die Herkunft prägen das Verständnis von Sucht und deren Behandlung. Die größte vertretene Gruppe mit ausländischen Wurzeln stammt aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion. „In den genannten Ländern ist Alkoholkonsum etwas Alltägliches beziehungsweise ein Ausdruck von Männlichkeit“, heißt es im Bericht. Bei den türkischen Mitbürgern sei die Schwelle, die Beratungsstelle aufzusuchen, besonders hoch. Die Therapiehilfe schließt deshalb nicht aus, dass es hier eine hohe Dunkelziffer von Glücksspiel- und Medikamentenabhängigen gibt.

 

 

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