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Diakonie kritisiert Wohnungsbaugesellschaften : Zahl der Obdachlosen auf Höchststand

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Einrichtung an der Gasstraße hat bereits die Zahl der Betten aufgestockt.

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erstellt am 19.Dez.2016 | 07:45 Uhr

Neumünster | Die Diakonie Altholstein spricht von einem „traurigen Rekord“ in der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot (ZBS). Bis Ende November hatte die Übernachtungsstelle an der Gasstraße bereits 185 Obdachlose aufgenommen – 32 davon allein im November. „Wenn kein Wunder geschieht, erreichen wir in diesem Jahr einen neuen Höchststand“, befürchtet ZBS-Leiterin Melanie Popp.

Seit fünf Jahren steigt die Zahl der Menschen, die sich in der Unterkunft melden, weil sie keine andere Übernachtungsmöglichkeit haben. Die Einrichtung hat in diesem Jahr bereits die Zahl der Betten aufgestockt. Neun Frauen und 17 Männer können nun gleichzeitig untergebracht werden, und nicht selten sind alle Betten belegt.

Auch in der Beratung ist ein deutlicher Anstieg zu merken: 1232 Fälle von Mietschulden, Kündigungen, Räumungsklagen oder unzumutbaren Wohnverhältnissen bearbeitete das Team in den ersten elf Monaten. Im gesamten Jahr 2015 waren es 1009. „Hinter jedem ‚Fall‘ stecken mehrere Menschen“, betont Melanie Popp. „Allein 240 Kinder sind mitbetroffen, dazu noch Partner und andere Angehörige.“

Und die Wohnungssuche für die Klientel der ZBS werde immer schwieriger. In der vergangenen Woche habe der letzte große Wohnungsanbieter in Neumünster angekündigt, keine Mieter mit negativer Schufa-Auskunft mehr zu akzeptieren. „Damit liegt das gesellschaftliche Risiko, sozial schwache Menschen in Wohnraum unterzubringen, allein bei privaten Vermietern. Das kann nicht sein!“, sagt Heinrich Deicke, Geschäftsführer der Diakonie Altholstein.

„Fast alle unsere Klienten in der Zenralen Beratungsstelle haben solche Negativeinträge bei der Schufa. Frauen oft ohne eigene Schuld, da sie für die Schulden des Partners mitgebürgt haben“, erläutert die Diakoniesprecherin Christine Noack. Die Diakonie habe gute Kontakte zu etlichen Privatvermietern und biete Hilfe an, wenn es mal Schwierigkeiten gebe. Christine Noack nennt jedoch ein Problem: „Oft passt die Mietpreisobergrenze des Jobcenters nicht zum Marktangebot auf dem Wohnungsmarkt.“ Die Wohnungsnot sei nochmals schlimmer geworden. „Wir wünschen uns da eine konzertierte Aktion mit der Wohnungswirtschaft, um zu einer Lösung zu kommen“, sagt sie.

Bei der Baugenossenschaft Holstein mag Vorstand Carsten Henning die Vorwürfe so nicht stehen lassen. Ein negativer Schufa-Eintrag sei allein noch kein K.o.-Kriterium. „Wir schauen uns jeden Bewerber einzeln an, verlassen uns auf mehrere Kriterien und das persönliche Gespräch“, sagt Henning.

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