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Obdachlosenunterkunft : Zahl der Frauen ohne Wohnung auf Rekordhoch

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Zahl der Übernachtungen in der Obdachlosenunterkunft an der Gasstraße ist 2015 um 52 Prozent angestiegen.

Neumünster | Es ist ein trauriger Rekord, den die Mitarbeiter der Zentralen Beratungsstelle für Menschen in Wohnungsnot (ZBS) der Diakonie gestern vermeldeten: 44 wohnungslose Frauen kamen im vergangenen Jahr in der Übernachtungsstelle an der Gasstraße unter; 2014 waren es nur 29. Der bisherige Höchststand von 40 Frauen stammt aus dem Jahr 2011. Auch bei den allgemeinen Übernachtungszahlen und den Beratungen stiegen die Zahlen 2015 deutlich an.

21 Schlafplätze stehen in der Übernachtungsstelle zur Verfügung, davon 14 für Männer und 7 für Frauen. Doch die waren im vergangenen Jahr mitunter durchgehend belegt. „An manchen Tagen mussten wir sogar Extra-Betten aufstellen“, sagt Melanie Popp, Fachbereichsleiterin der Wohnungslosenhilfe.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 197 wohnungslose Männer und Frauen in der Übernachtungsstelle unter, 2014 waren es drei weniger. Geändert hat sich jedoch die Dauer der Aufenthalte: Die Zahl der Übernachtungen stieg von 3062 auf 4668 Nächte, das macht ein Plus von 52 Prozent. Der bisherige Spitzenwert lag 2012 bei 3427 Übernachtungen. „Viele Nutzer haben zum wiederholten Mal ihre Wohnung verloren, leiden unter psychischen Erkrankungen oder sind drogenabhängig“, erläutert Melanie Popp.

In der Beratungsstelle der ZBS versuchen die Mitarbeiter durch Prävention zu verhindern, dass Menschen überhaupt in eine Situation kommen, in der sie ihre Wohnung verlieren. Aber auch diese Zahlen steigen weiter. 1009 Menschen wurden im vergangenen Jahr beraten, im Vorjahr waren es 955.

Doch was ist der Grund dafür, dass die Zahlen so stark in die Höhe schießen? Melanie Popp: „Für den Anstieg bei den wohnungslosen Frauen haben wir keine Erklärung. Generell ist es allerdings so, dass sich seit vielen Jahren das Gerücht hält, dass der Wohnungsmarkt in der Stadt entspannt ist. Doch dem ist nicht so. Wir haben nicht mehr die große Vermieterauswahl, die wir mal hatten. Wenn ich ein gutes Einkommen und eine positive Schufa-Auskunft habe, dann habe ich natürlich keine Probleme. Doch für unsere Klientel ist die Situation sehr schwierig.“

Aus diesen Gründen müssen die Mitarbeiter der ZBS immer häufiger auf private Vermieter hoffen – doch auch das wird schwieriger. Melanie Popp erwartet zudem, dass sich die Situation zukünftig noch weiter zuspitzen wird. Die Stadt rechnet ab Oktober mit bis zu 350 Flüchtlingen, die bis Jahresende in Neumünster untergebracht und integriert werden müssen (der Courier berichtete). „Die Stadt hat dann die Aufgabe, darauf zu achten, dass das Ungleichgewicht nicht Überhand nimmt. Wir warnen seit Jahren davor, dass nicht genügend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Man merkt langsam, dass sich etwas bewegt, es ist allerdings bedauerlich, dass das erst jetzt durch den Druck der Flüchtlingssituation entsteht. Aber besser spät als nie“, sagt Melanie Popp.

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erstellt am 27.Feb.2016 | 08:00 Uhr

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