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Holsteinischer Courier

18. Oktober 2017 | 15:56 Uhr

Boostedt : Zahl der Flüchtlinge muss sinken

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neue Gruppen stellen Forderungen. Eine Demo ist geplant.

Boostedt | Die Erstaufnahmestelle in Boostedt zieht die Gründung verschiedenster Gruppierungen nach sich. Für die Flüchtlinge engagieren sich der Verein „Willkommen in Boostedt“ und der Arbeitskreis Flüchtlingspartnerschaft der Bartholomäus-Kirchengemeinde. Auf der anderen Seite beäugt die NPD die Szenerie im Dorf. Jetzt gibt es noch zwei Gruppen, die die Begrenzung der Flüchtlingsaufnahme in Boostedt fordern, sich jedoch von einander distanzieren: die Bürgerinitiative Boostedt und die Facebook-Gruppe „Boostedter Demo“.

Die Bürgerinitiative Boostedt, die Dietmar Kühl (47) und Jörg Möller (51) mit weiteren fünf Leuten ins Leben gerufen haben, hat sich bisher als einziges Ziel gesetzt, dass die Zahl der Flüchtlinge auf 1000 Personen festgeschrieben wird. „Damit kann die Gemeinde leben. Und wenn wir dieses Ziel erreichen, können auch die Hilfsorganisationen in Ruhe weiterarbeiten“, erklärte Dietmar Kühl gegenüber dem Courier.

Aus Kreisen der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr sei der Bürgerinitiative bekannt geworden, dass diese prüfen sollte, unter welchen Bedingungen auch 4000 und mehr Flüchtlinge untergebracht werden könnten. Was Boostedt zurzeit aufgebürdet werde, sei für die Gemeinde nicht mehr zu schaffen. „Wir erwarten deshalb von Bürgermeister Hartmut König, dass er sich beim Land endlich massiv für eine Begrenzung einsetzt. Denn bisher haben wir das Gefühl, dass er die Ängste und Befürchtungen der Bürger nicht ernst nimmt“, erklärte er weiter.

„Viele Boostedter waren richtiggehend dankbar dafür, dass wir vor die Sporthalle gezogen sind, weil sie der Meinung sind, dass endlich etwas passieren muss“, berichtete Kühls Lebenspartnerin Manuela Charnetzki (47). Sie selbst sei als Mutter einer 14-jährigen Tochter besorgt darüber, dass sich ihr Kind in Anbetracht der vielen jungen Männer, die im Ort herumliefen und auch schon anzügliche Bemerkungen gemacht hätten, unsicher fühle.

Laut Dietmar Kühl hat die Bürgerinitiative Boostedt mittlerweile 63 Mitglieder, von denen die meisten aus Boostedt kämen, aber auch einige aus Großenaspe. Die Gruppe verwehre sich gegen jedwedes rechtsgerichtetes Gedankengut. „Im Gegenteil, wir wollen verhindern, dass die Leute zu Pegida oder zu rechten Populisten laufen, weil sie nicht wissen, wohin mit ihrer Angst“, so Kühn.

Bürgermeister König habe angekündigt, mit der Initiative demnächst einen Gesprächstermin zu vereinbaren. „Dort werden wir unsere Forderung noch einmal deutlich machen. Außerdem ist ein Informationsschreiben in Vorbereitung.“

Dietmar Kühl gehört neuerdings dem Landesvorstand der Allianz für Fortschritt und Aufbau (Alfa) an, der neuen Abspaltung der AFD (Alternative für Deutschland). Sein parteipolitisches Engagement habe aber nichts mit seiner Aktivität in der Bürgerinitiative zu tun, sagte er.

Die Bürgerinitiative grenzt sich ganz klar von der Gruppe „Boostedter Demo“ ab, die nach der Einwohnerversammlung im Internetportal Facebook gegründet wurde.

Der Administrator (Verantwortlicher) der Facebook-Gruppe, Thorsten Gäbel, erklärte auf Anfrage, dass sich die Gruppe, deren Kern rund 30 Mitglieder angehören, ebenfalls nach der Einwohnerversammlung gegründet habe. Ziel der Gruppe sei es, öffentlich zu machen, dass das Thema Sicherheit der Bürger, aber auch die der Flüchtlinge sowie die Zustände für das Personal und die Bewohner der Erstaufnahmestelle bisher von der Gemeinde und der Landesregierung gedeckelt und verschwiegen würden.

Zurzeit zählt dieser sogenannte Internetblog rund 1250 Mitglieder. „Jeder Diskussionsbeitrag wird geprüft und beim kleinsten Anschein von Fremdenfeindlichkeit gelöscht. Wir haben nichts mit der NPD und ihren Sympathisanten zu tun“, sagte Gäbel.

Zu den nächsten Aktionen der Gruppe erklärte Thorsten Gäbel: „Wir werden in circa zwei Wochen zu einer Demonstration aufrufen, bei der wir den Verantwortlichen in aller Deutlichkeit zeigen wollen: ,Wir sind auch noch da’.“ Mehrere Redner (darunter auch die Gemeindevertreterin Marina Weber von der FWB) würden zudem auf einer Kundgebung die Positionen der Gruppe noch einmal deutlich machen. Erwartet würden hierzu bis zu 800 Teilnehmer.

 



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