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Holsteinischer Courier

24. Oktober 2017 | 06:52 Uhr

Sturmnacht : „Xaver“ brachte den Winter mit

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Sturmtief knickte in die Morgenstunden zahlreiche Bäume. Erster Einsatz des Winterdienstes / Schulkinder freuten sich über einen freien Tag

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Fast schien schon alles überstanden, aber dann holte Sturmtief „Xaver“ doch noch einmal tief Luft: In der Nacht zum Freitag nahm der Sturm in Neumünster noch einmal kräftig zu und brachte Feuerwehr und Polizei vor allem in den frühen Morgenstunden ordentlich auf Trab. Die Schäden hielten sich in Grenzen.

Berufs- und Freiwillige Feuerwehren waren vor allem an der Motorsäge gefragt, um umgestürzte Bäume von den Straßen zu räumen oder angeknickte Bäume zu fällen, bevor sie größere Schäden anrichten konnten. An der Einfelder Schanze knickte noch gestern morgen, kurz nach 8 Uhr, eine Tanne auf die Schienen und beschädigte dabei auch die Oberleitung. In der Domagkstraße brach ein zwölf Meter hoher Baum auf halber Höhe und drohte auf ein Wohnhaus zu stürzen. An der Wrangelstraße riss der Sturm den Teil einer Dachabdeckung von einem alten Fabrikgebäude. Auf dem Großflecken drohten Teile eines Baugerüsts, sich selbstständig zu machen, die Polizei sicherte die Baustelle. An der Klosterstraße schepperte ein Dixi-Klo über den Bürgersteig, an der Baeyerstraße sammelten die Helfer Teile eine Holzzauns von der Fahrbahn.

Einen Vorgeschmack auf den wieder auffrischenden Wind hatte es noch am Donnerstagabend gegeben. Gegen 19.30 Uhr krachte an der Altonaer Straße eine 20 Meter hohe Tanne mit lautem Getöse auf die Hauptstraße. Ein Lkw-Fahrer, der die Feuerwehr rief, konnte dem Baum gerade noch ausweichen. Die Straße war für 15 Minuten voll gesperrt.

Insgesamt verzeichnete allein die Feuerwehr bis gestern Mittag 17 sturmbedingte Einsätze. Trotzdem fiel die Bilanz der Helfer positiv aus: Im Vergleich zum gesamten Norden sei Neumünster „ziemlich glimpflich“ davongekommen, fasste Feuerwehr-Einsatzleiter Thomas Römer gestern Vormittag das Geschehen der vorangegangenen 24 Stunden zusammen: „Christian war schlimmer.“

Dem Technischen Betriebszentrum (TBZ) bescherte der Sturm gestern Morgen den ersten echten Wintereinsatz. 45 Mann waren ab 4 Uhr morgens vom Betriebshof an der Niebüller Straße ausgerückt, um Neumünsters Straßen und Bürgersteige vom Schneematsch zu befreien, den „Xaver“ auf seinem Rücken mit sich brachte. Da der erste Schneefall angesagt war, sei der Winterdienst gut angelaufen, sagte TBZ-Chef Ingo Kühl. Noch vor Einsetzen des Berufsverkehrs hatten die fünf großen Räumfahrzeuge das Hauptstraßennetz der Stadt abgefahren. Probleme bereiten Kühl allerdings die vielen Baustellen im Stadtgebeit. Da man dort – wie etwa auf der Friesenstraße – nicht überall mit den großen Maschinen durchkomme, bittet Kühl schon einmal vorab um Verständnis, wenn es hier beim Winterdienst zu leichten Verzögerungen kommt.

Die eindeutigen Gewinner des Sturmtiefs waren gestern die Schüler. Weil lange nicht absehbar war, wie stark sich „Xaver“ tatsächlich entwickelt, blieben alle Schulen geschlossen.

 

 

COURIER-KOMMENTAR

 

Okay, auch bei uns sind Bäume umgeknickt, Verkehrsschilder über die Straße gescheppert, haben sich Dachpappen von ihrem angestammten Platz verabschiedet. Aber der große Ausnahmezustand, auf den wir uns vorbereitet und auf den uns die Wetterpropheten eingeschworen haben, war’s dann ehrlich gesagt wohl doch nicht. Haben wir uns zu früh ins Bockshorn jagen lassen? Dürfen wir beim nächsten Mal die gut gemeinten Sicherheitsempfehlungen als „Panikmache“ in den Wind schlagen, wie auf Facebook bereits geschehen? Natürlich nicht. Fakt bleibt, dass schwere Unwetter künftig tendenziell zunehmen. Da ist bei jedem neuen Sturm Vorsorge besser als Nachsorge.

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