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Wrangelstraße: Großes Interesse an alten Fabrikgebäuden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nachdem bereits die Tage der Industriekultur vor drei Wochen Geschichtsinteressierte an die Wrangelstraße lockten (der Courier berichtete), standen die alten Fabrikgebäude gestern am Tag des Denkmals erneut im Fokus. Diesmal durften die geschichtsträchtigen Gebäude sogar betreten werden.

Zunächst war Denkmalpflegerin Christiane Willbrandt überwältigt vom immensen Zulauf. Sie hatte großzügig mit 30 Teilnehmern gerechnet und stand plötzlich 90 wissbegierigen Menschen gegenüber. Nach einer kurzen Begrüßung übernahm Jochen Coenen das Wort. Als Geschäftsführer der Coenen & Dr. Schöttle GmbH vermietet er Freiflächen in der ehemaligen Emil Köster Lederfabrik. Er ließ die Geschichte Revue passieren und erzählte, dass sich Neumünster bis 1925 zur größten Lederproduktionsstätte Preußens und zur zweitgrößten Deutschlands entwickelt hatte. Mitte der 20er-Jahre waren rund 4000 Menschen in der Lederindustrie beschäftigt. Und die 1892 gegründete Emil Köster AG an der Wrangelstraße, die 1920 an Adler & Oppenheimer ging, zählte zu den wichtigsten Lederfabriken in der Stadt. Heute werden Räume der ehemaligen Fabrik zwischen Fehmarn- und Rügenstraße überwiegend als Lagerflächen vermietet.

„In den 90ern fand hier eine gewisse Veredelung statt. Zum einen wird hier seitdem eine Diskothek betrieben, und ein großes Möbelhaus hat hier seinen Sitz“, erzählte Coenen. Das Möbelhaus ist mit einer wenig ansprechenden Plastikfassade verkleidet. „Darunter befindet sich die denkmalgeschützte Fassade“, merkte Willbrandt an, die keinen Hehl daraus macht, dass ihr die Plastikverkleidung ein Dorn im Auge ist.

Die Besucher durften die Elektrizitätszentrale und das Kesselhaus besichtigen. Das war damals das Herz der Fabrik von Emil Köster. Die Öfen wurden dort mit Kohle befeuert und Turbinen erzeugten den nötigen Strom. Der Zahn der Zeit hat deutlich an der Bausubstanz und den alten Apparaturen genagt. „Seit 15 Jahren haben wir die Zusage vom Landesdenkmalamt in Kiel, dass wir Subventionen bekommen sollen. Passiert ist noch nichts, und so langsam zerfällt hier alles“, sagte Coenen. „Wir versuchen es zu erhalten, können es aber unmöglich aus eigener Kraft sanieren“, unterstrich er.

Die Besucher waren beeindruckt von den uralten Räumen. Im Anschluss bekamen sie außerdem die Gelegenheit, sich auch Räume der alten Lederfabrik Hermann G. Schmid anzusehen. Auch Hermann G. Schmid (Gelände zwischen Rügenstraße und Holsatenring) gehörte damals zu den großen Mitspielern der hiesigen Lederindustrie. Als die Lederfabrik von Locht und Gier 1902 ihre Produktion eingestellt hatte, wurde sie von Hermann G. Schmid samt Grundstück, Gebäuden und ehemaligen Maschinen übernommen und zu einer der modernsten Lederfabrikationsstätten Deutschlands modernisiert.



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erstellt am 14.Sep.2013 | 17:01 Uhr

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