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Holsteinischer Courier

19. Oktober 2017 | 04:42 Uhr

Spitze Zunge : Wortgewitter vom Kabarett-Profi

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mathias Richling befeuerte sein begeistertes Publikum mit launigen Parodien und scharfsinnigen Gedanken im gewohnten Schnelldurchlauf

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2015 | 12:00 Uhr

Neumünster | Schnell, schneller, Richling. Der Mann redet wie ein Sturmgewehr. Merkels Rautengedruckse – peng! Putins ausdrucksloser Befehlston – bam! Öttingers Gefasel – ratatatatat! Nur: anders als die „G36“ trifft Mathias Richling garantiert ins Schwarze. Am Dienstagabend war der Kabarettist auf Einladung des Kulturbüros zu Gast im Theater in der Stadthalle, um vor 500 Gästen sein Programm „Deutschland to go“ zu präsentieren.

„Demokratie zum Schnellverzehr“ konkretisierte Richling den Programmtitel, um dann die modernen Auswüchse der alten Staatsform von verschiedenen Seiten zu beleuchten. „Wie viele Meinungen haben Sie?“, fragte er seine Publikum. „Haben wir nicht immer noch einen ungeheuren Respekt vor dem öffentlichen Wort? Vor der vereinfachten und allgemein gemachten, weil allgemein bekannt gemachten Meinung? Und ist unsere Meinung oft nicht nur eine wiedergekäute? Trotzdem werden wir pausenlos gefragt in tausenden von Umfragen demoskopischer Institute: ,Wen würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre?‘ Wen würden Sie wählen, wenn die Wahl am Dienstag wäre?“, fragte Richling ketzerisch und stellte damit die Scheinheiligkeit der freien Meinungbildung bloß.

Für den Kabarettisten ist der deutsche Bürger längst durchschaubar und seiner Würde beraubt geworden. „Der Kampf gegen Terror ist erfolgreich, weil der deutsche Staat das eliminiert hat, was Terroristen zerstören wollen: Freiheiten, Bürgerrechte, Liberalität, Datenschutz, Asylrecht und so weiter. Die Würde des Menschen ist seit langem antastbar.

Und abtastbar ist sie auch. Früher bedeutete Rechtsstaat: im Zweifel für den Angeklagten. Heute heißt es: im Zweifel alle anklagen“, beschrieb er das Vorgehen „deutscher Regierungen von links bis rechts“.

Vom Publikum fordern Richlings gigantischen Wortstrudel höchste Konzentration. Wer sich drauf einlässt, wird mit scharfsinnigen Gedanken, hintergründigem Humor und brillanten Wortspielen belohnt.

Und ab und zu gönnt der Stuttgarter Kabarettist seinen Gästen eine kognitive Verschnaufpause. Dann nämlich, wenn er mit ausgesprochener Perfektion und mit unglaublicher Geschwindigkeit in die Rolle eines bekannten Politikers schlüpft. Wolfgang Schäuble alias Mathias Richling lamentierte über die Schulden der Griechen, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder stritten, wem der Titel „Altbundeskanzler“ zusteht, und Angela Merkel stammelte, die „Merkel-Raute“ dabei stets gut sichtbar, Nichtigkeiten vor sich hin.

Die Zuschauer im Theater in der Stadthalle waren begeistert. Zwei Zugaben erklatschten sie sich von einem sichtbar glücklich und zufriedenen Mathias Richling.

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