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Poetry Slam : Wortakrobaten beherrschten ihr Handwerk

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

150 Gäste erlebten beim Poetry Slam im Statt-Theater ein breites Spektrum an Sprachkünstlern mit leidenschaftlichen Stilen

Neumünster | Dichtung ist immer noch „in“, und zwar bei Jung und Alt. Das bewies wieder einmal der Poetry Slam, den das Statt-Theater am Freitagabend veranstaltete. Er begeisterte rund 150 Gäste mehrerer Generationen. Sechs junge Poeten stellten sich in dem modernen Dichterwettstreit mit ihren selbstverfassten Texten der Gunst der Jury.

Innerhalb von sechs Minuten konnten die Autoren beweisen, dass Alltagssprache durchaus Kunstcharakter haben kann. Von lyrisch-gereimt bis zu prosaisch freien Rhythmen war formell alles dabei. Inhaltlich präsentierten die Sprachkünstler ein breites Spektrum. Da wurden zarte Liebesgedichte vorgetragen, Kritik an Singlebörsen erhoben, oder es wurde der Frage nachgegangen, ob Individualität eigentlich noch wünschenswert ist.

Slam-Profi Michel Kühn moderierte den Abend und stellte für die sieben Publikumsjuroren amüsant die Regeln klar: „Wenn ein Text so toll ist, dass ihr eure Kinder nach Textpassagen taufen wollt, verdient er die Höchstnote von zehn Punkten.“

Der Lokalmatador Jesko Vorbeck trieb den Textbullen gewohnt lakonisch durch den Saal und sicherte sich eine Menge Lacher. „Ihre Lunge sieht wahrscheinlich aus wie ein Möwenküken nach einem Öltankerunfall“, mutmaßte sein lyrisches Ich über eine Kettenraucherin. Eine besondere Komik schuf Jesko Vorbeck, indem er die Drastik des Inhalts mit nahezu leidenschaftsloser Vortragsweise kontrastierte.

Der Wortakrobat Danny Grimpe (22) kam extra aus Hamburg, um seinen mit Selbstironie und Sarkasmus getragenen Text zu präsentieren. „Sympathie ist im Duden ja auch nur ein Wort zwischen Syphilis und Scheiße“, hieß es da etwa. Warum machte Danny mit? „Ich habe Spaß am Schreiben, mag meine Lacher und den Applaus“, erklärte der Archäologiestudent den Reiz der öffentlichen Auftritte. Er schreibt Texte, seit er schreiben kann und trägt immer einen Notizblock bei sich. Ihn inspirieren authentische Momente des Alltags. Die Ideenfindung ist aber nur ein Teil seines Arbeitsprozesses: „Sie nimmt 30 Prozent ein, der Rest ist Editieren.“

Die Besucherin Cinja Glüsing (19) aus Nortorf erlebte im Statt-Theater ihren ersten Poetry-Slam und war gleich begeistert: „Absolut cool! Die Texte und Vorträge sind so verschieden.“ Ihre Großmutter Ruth Glüsing hat schon einige Poetry Slams besucht und fand: „Es ist nicht wichtig, ob der Text kritisch oder witzig ist, er muss stimmig sein und gut vorgetragen werden.“

Zu den Regeln eines Poetry-Slams gehört es, dass am Ende der Publikumsapplaus den Sieger kürt. In einem Stechen gewann Armin Sengbusch alias „Schriftstehler“ vor Jesko Vorbeck.

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