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Wohnungsmarkt : Wohnungsverkauf stürzt Mieter in Sorge

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Vonovia“ veräußert rund 1500 Wohnungen an Deutsche-Bank-Tochter. Mieterbund warnt vor Zustimmung zur Übertragung der Mietkaution

Neumünster | Ein Millionendeal auf dem Wohnungsmarkt sorgt jetzt auch unter Neumünsters Mietern für helle Aufregung: Weitgehend unbemerkt hat sich das Wohnungsunternehmen „Vonovia“ (ehemals Deutsche Annington) zum Ende des Jahres in der Stadt von einen größeren Wohnungsbestand getrennt. Nach Informationen unserer Zeitung soll es sich um über 1500 Wohnungen – überwiegend aus schlichtem oder sanierungsbedürftigem Bestand handeln. Zahlreiche Mieter – die erst jetzt über den Verkauf informiert wurden – fühlen sich verunsichert. Der Mieterbund warnt vor voreiligen Zustimmungen zur Übertragung von Mietkautionen.

„Wir werden völlig überrumpelt, warum erfahren wir erst jetzt von dem Verkauf, und wer ist der neue Eigentümer eigentlich?“, erbost sich ein Mieter aus der Buddestraße, der seinen Namen, (wie viele andere Betroffene) lieber nicht nennen will. Erst vor ein paar Tagen bekam er Post von seinem Ex-Vermieter „Vonovia“, in dem das Unternehmen den vollzogenen Verkauf an die Firma „Polarlicht 1 UG & Co. KG“ verkündet. Dahinter steht offenbar eine neu gegründete Tochter-Firma der Deutschen Bank – die für die Mieter allerdings nicht erreichbar ist. Mit der Mieterbetreuung und Verwaltung ihrer Wohnungen hat Polarlicht ein drittes Unternehmen, die „Noctua advisors GmbH“, beauftragt. Die hat zwar eine Adresse in Neumünster, Am Teich 18. Auf der knappen Homepage werden Anrufer aber auf eine Frankfurter Nummer verwiesen. „Bislang habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können, wer mein neuer Vermieter ist“, zürnt der enttäuschte Mieter.

Das aber ist für die Mieter nicht ohne Bedeutung. Denn in einem weiteren Schreiben werden die Mieter aufgefordert, der Übertragung ihrer Mietkaution auf den neuen Eigentümer zuzustimmen. Das könnte die „Vonovia“ allerdings auch ohne Zustimmung tun. Warum also die Unterschrift? Heidrun Clausen vom Mieterverein in Kiel kennt inzwischen zahlreiche ähnliche Fälle aus Flensburg und Eckernförde, wo „Vonovia“ ähnlich im großen Stil verkauft hat, und warnte gestern betroffene Mieter ausdrücklich davor, zu unterschreiben. Der Grund: Geht der Käufer der Wohnungen insolvent und die als Mietkaution überwiesene Summe verloren, kann sich der Mieter an den Verkäufer der Wohnung – in diesem Fall die „Vonovia“ – wenden. So regelt es das Gesetz. Heidrun Clausen vermutet hinter dem Schreiben den Versuch der „Vonovia“, sich von den Mietern aus der Mithaftung entlassen zu lassen. Sie empfiehlt, die Unterschrift zu verweigern – oder sich vom neuen Vermieter ausdrücklich versichern zu lassen, dass die Kaution vom Vermietervermögen getrennt verzinslich angelegt wird – also bei der Insolvenz geschützt ist.

„Wir kennen den Vermieter nicht“, begründet die Miet-Expertin ihre Empfehlung und untermauert den Wunsch der Mieterverbände, eine Gesetzeslücke zu schließen: Wohnungsvermieter sollten nur dann verkaufen dürfen, wenn die Leistungsfähigkeit des Käufers nachgewiesen ist. Skeptisch bleiben Mieterbund und viele Mieter auch, weil „Vonovia“ ohnehin keinen allzu guten Ruf genießt. Vor allem die in dem Unternehmen aufgegangene „Deutsche Annington“ hatte in der Vergangenheit immer wieder durch ihre Zurückhaltung bei bestandserhaltenden Investitionen für Schlagzeilen gesorgt. Bei den Mietervereinen häuften sich Klagen, die Firma sei für anstehende Reparaturen oder Sanierungen kaum erreichbar.

Wie schwer es für Mieter ist, auch bei dem neuen Vermieter einen Ansprechpartner zu finden, zeigt das Beispiel eines anderen Anwohners aus der Buddestraße, der ebenfalls nicht genannt werden möchte. Er hatte der neuen Firma einen Wasserrohrbruch in einem leerstehenden Nachbarhaus an der Wichernstraße melden wollen. Der Wasserdruck hatte dort ein Fenster aufgedrückt. Das aus dem ersten Stock fließende Wasser war in den Frosttagen der letzten Woche zu einem meterlangen Eisblock an der Hauswand erstarrt. Auf einen Rückruf wartete der Anlieger bis gestern vergeblich.

Weder „Vonovia“ noch „Noctua advisors“ waren gestern für eine Stellungnahme zu erreichen.

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