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Ärger mit Hausverwaltung : Wohnkomplex in Neumünster: Mieter fürchten gefährliche Mängel

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Komplex an der Dithmarscher Straße verwahrlost. Schäden werden von der Hausverwaltung offenbar kaum behoben.

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2015 | 06:45 Uhr

Neumünster | Wer hier wohnt, braucht zurzeit zweierlei: Er muss gut zu Fuß sein und immer eine Taschenlampe dabei haben. Denn in dem Komplex rund um das ehemalige Altenheim Haus Stormarn an der Dithmarscher Straße sind immer wieder Fahrstühle kaputt und Lampen defekt. Und die Liste der Mängel, die besonders für die vielen älteren Mieter zum Teil gefährlich sind, wird immer länger. Deshalb sind hier die Bewohner mit ihrer Geduld am Ende, denn die Hausverwaltung Altro Mondo aus Ronnenberg bei Hannover schaut offenbar tatenlos zu. Mehrere Anwohner berichten, dass ihnen bei Beschwerden mit Kündigung gedroht wurde.

Darum wollen viele Betroffene ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Mittlerweile kämpfen sie seit rund anderthalb Jahren gegen Windmühlen. Damals übernahm Altro Mondo die Verwaltung.

Elfriede Jensen* ist weit über 80 Jahre alt und wohnt im 3. Stock im Haus Neumünster. Seit Mitte Dezember ist der Fahrstuhl defekt. Seitdem schleppt die betagte Dame ihre Einkäufe die Treppe herauf. Ihre Nachbarin lebt mit zwei kleinen Kindern (1 und 4) im 7. Stock. „Sie ahnen gar nicht, wie oft ich hoch und runter laufen muss. Und immer muss ich die Kinder tragen“, klagt sie. Was für beide Anwohnerinnen „nur“ beschwerlich ist, wurde für einen Nachbarn aus dem 5. Stock zur Gefahr: Er erlitt einen Schlaganfall und musste von den Einsatzkräften herunter getragen werden. Wertvolle Zeit ging verloren.

Brisant ist, dass in einigen Bereichen der Flure, der Treppen und der Außenanlagen auch das Licht defekt ist. „Neulich war hier der Notarzt, der hat geflucht. Und wir gehen nur noch mit Taschenlampe aus der Wohnung“, erzählt ein Ehepaar aus dem Haus Lauenburg. Damit ist es auch gut beraten, denn zusätzlich zur Finsternis lauert draußen manche Stolperfalle. Gehwegplatten ragen weit empor. Mit einem Rollator ist die Stufe kaum zu schaffen. Rund um das ehemalige Altenheim liegen riesige Äste und Unrat. An mehreren Kellerlöchern fehlen die Abdeckungen. Hinter dem ersten Wohnblock steckt seit Monaten ein großer abgebrochener Ast in einem Baum fest. „Wenn der runter kommt, kann es gefährlich werden“, warnt ein Anwohner. Beschwerden beim Hausmeister liefen laut Anwohner ins Leere. „Der hat keine Zeit oder verweist auf Altro Mondo“, erzählen die Mieter. Bei der Hausverwaltung würden sie stets vertröstet oder mit Kündigungen bedroht, heißt es. Als zynisch empfinden die Mieter, dass ihnen gerade eine Betriebskostenabrechnung ins Haus flattert, die sie als undurchsichtig und ungerechtfertigt empfinden. So würden unter anderem Reinigungen für die Treppen aufgelistet, die über Monate nicht erbracht worden seien, heißt es.

Ähnliche Erfahrungen haben viele Mieter in dem Komplex Hansaring 158 bis 174 gemacht, der ebenfalls von Altro Mondo verwaltet wird. Sie wundern sich über seltsame Neben- und Heizkostenabrechnungen für 2013. So würde der Umlageschlüssel nicht stimmen. Gesamtkosten seien nicht erkennbar. Eine Mieterin soll für die Treppenhausreinigung zahlen, obwohl sie dort seit eh und je selbst putzt – sogar laut Vertrag. Auch ein Hausmeister-Service wird abgerechnet – nur gab es offenbar ab August des fraglichen Jahres gar keinen Hausmeister. Die Mieterin war bereits beim Anwalt. Der hält die Abrechnung für „nicht ansatzweise nachvollziehbar“. Zum Teil seien „Punkte abgerechnet, die schlichtweg nicht abrechnungsfähig sind“, so der Jurist.

Auch die Stadtverwaltung ist informiert. Dort hat man „die Abrechnungen im Auge und wird gegebenenfalls nachhaken“, erklärt Holger Pohlmann, Leiter des Fachdienstes Soziale Hilfen. Immerhin zahlt die Stadt an der Dithmarscher Straße für einige sozialschwache Mieter die entsprechenden Leistungen.

Viele Mieter sind sich einig: „Man kann vor den Zuständen hier nur warnen.“ Als Altro Mondo im Herbst 2013 die Fassaden streichen ließ, hatten viele noch Hoffnung geschöpft. „Doch das war alles nur Kosmetik. Mehr ist nicht passiert“, sagen sie und verweisen auf Risse im Mauerwerk und auf feuchte Wände. Diakonin Brigitte Kähler von der Vicelingemeinde, die die Senioren in dem Komplex seit Jahren betreut, macht sich Sorgen. „Gerade die Älteren haben kein Geld und keine Kraft, auszuziehen. Die sind ausgeliefert“, fürchtet sie. Die Hausverwaltung Altro Mondo war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

*Name von der Redaktion geändert

Historie Dithmarscher Straße:

Der Wohnkomplex an der Dithmarscher Straße besteht aus fünf Gebäuden. Im Zentrum befindet sich das  Haus Stormarn. Das ehemalige Altenheim steht seit Herbst 2009 leer. In der Nachbarschaft befinden sich die Häuser Neumünster, Lauenburg, Dithmarschen und Oldenburg. Hier leben viele ältere Menschen, da dort einst betreutes Wohnen geplant war. Das Hilfsangebot zerschlug sich  mit der Aufgabe des Altenheims.   2007 kaufte die Kölner  Vivacon AG das Paket   von der Wobau. Mittlerweile hat sie es weiterverkauft; der neue Besitzer ist bisher nicht öffentlich aufgetreten. Seit  Sommer 2013 hat er die Immobilienverwaltung Altro Mondo aus Niedersachsen  beauftragt.

Kommentar:

Ältere Mieter werden zu hilflosen Opfern

Eine Hausverwaltung, die sich um wenig kümmert aber fleißig Geld kassiert, ist für jeden Mieter eine Plage. Im Wohnkomplex an der Dithmarscher Straße  ist die Lage für viele Mieter besonders  schlimm. Sie zogen vor Jahren  schon dorthin, um die versprochene Sicherheit betreuten Wohnens  im Alter in Anspruch zu nehmen. Davon ist schon lange nichts mehr im Angebot. Stattdessen wächst  die Sorge  – und mit zunehmendem Alter bei  vielen  die  Hilflosigkeit gegenüber der Dreistigkeit. So werden sie zu wehrlosen  Opfern.

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