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Altkleidercontainer : Wohlfahrtsverbände sprechen von Skandal

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Diakonie, DRK, Awo, Caritas und der Paritätische fordern: Stadt soll Vertrag mit einem gewerblichen Altkleidersammler kündigen

Neumünster | Der Vertrag, den die Stadt mit dem gewerblichen Altkleiderverwerter Resales geschlossen hat (der Courier berichtete), stößt bei den fünf großen Wohlfahrtsverbänden in der Stadt auf harsche Kritik. Die Diakonie Altholstein, Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt (Awo), Caritas und der Paritätische fordern die Stadt auf, den Vertrag wieder zu kündigen.

„Getäuscht werden mit dieser Vereinbarung vor allem die spendenden Bürger, die glauben, mit ihrer Kleiderspende etwas Gutes zu tun“, sagte der Diakonie-Geschäftsführer Heinrich Deicke in einer Stellungnahme als Vorsitzender der Kreisarbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände (KAG). Die Aktion der Stadt führe jedoch dazu, dass ein kommerzieller Anbieter die gut erhaltene Kleidung einsammele, in Entwicklungsländer exportiere, wo sie später auf den Märkten angeboten werde und damit häufig in den Ländern wichtige Arbeitsplätze vernichte. „Das ist ein Skandal“, so die Vertreter der KAG.

Die Wohlfahrtsverbände sprechen von einer großen Nachfrage in ihren Kleiderkammern und Sozialkaufhäusern. Mit der gut erhaltenen Kleidung könne vielen Menschen vor Ort geholfen werden. „Der Bedarf an Kleidung wächst stetig – insbesondere angesichts der steigenden Zahl an Flüchtlingen“, sagte DRK-Vorstand Sven Lorenz. „Und gerade in dieser Situation vergibt die Stadt die Exklusivrechte zum Aufstellen von Sammelcontainern an ein profitorientiertes Unternehmen“, kritisiert Deicke. Die AWO, die Caritas, das DRK, der Paritätische und die Diakonie Altholstein sammeln in ihren Einrichtungen gebrauchte Kleidung und geben diese in Neumünster direkt an die Personen, die vor Ort den Bedarf haben. Soweit Erlöse oder Spenden dadurch erzielt werden, fließen diese in die soziale Arbeit der Verbände vor Ort oder dienen dazu, die Qualifizierungs- und Beschäftigungsangebote für Langzeitarbeitslose zu finanzieren, teilte die KAG mit.

In der Ratsversammlung am Dienstag der vergangenen Woche hatte der SPD-Fraktionschef Uwe Döring dieStadt für den schlecht gemachten Vertrag getadelt. Verbände wie das DRK dürften keine Container mehr aufstellen, da das kommerzielle Unternehmen an „seinen“ Standorten keine Mitbewerber dulde, so Döring damals. Dieser Aussage widersprach jetzt das Unternehmen. Im Vertrag sei festgehalten, dass „der Konkurrenzausschluss nicht für bereits aufgestellte Container karitativer Sammlungen Geltung findet“.

Stadtrat Oliver Dörflinger hatte im Rat Rechtsfehler eingeräumt, die in Gesprächen mit der Firma bereinigt werden sollen. Döring hatte dagegen gefordert, dass der Vertrag nachverhandelt oder besser gleich ganz gekündigt werden solle.

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erstellt am 14.Nov.2014 | 13:17 Uhr

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