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Gericht : Woher kamen die schlimmen Brandwunden?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Streit um ein Handy endete vor Gericht. Noch sind viele Fragen offen.

von
erstellt am 18.Jan.2014 | 10:00 Uhr

Die Anklageschrift liest sich wie ein Gewaltrausch. Was dem Mann (26) gestern vor dem Schöffengericht vorgeworfen wurde, war auch für erfahrene Juristen nicht alltäglich: Am 10. März 2013 soll der Neumünsteraner mit einem Bekannten (18), den er kurz zuvor in einer Kneipe kennengelernt hatte, in Streit geraten sein. Grund war das Handy des Angeklagten. Das war nämlich verschwunden, nachdem sich der neue Bekannte während eines Zugs durch die Innenstadt die Jacke des Älteren ausgeliehen hatte.

Zuerst suchten die Männer das Gerät, nahmen Drogen, und tranken Alkohol. Als das Telefon nicht auftauchte, geriet der jüngere Mann in Verdacht. Doch der wiederum beschuldigte zwei Frauen, die am Abend mit in der Kneipe gesessen hatten, des Diebstahls.

Soweit ähnelten sich die Versionen der Kontrahenten gestern vor Gericht. Was dann geschah, ist strittig. Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte bei der Handysuche an der Kieler Straße zunächst eine Flasche nach dem vermeintlichen Dieb geworfen haben. Zwar verfehlte er ihn, beschädigte aber eine Scheibe. In der Wohnung eines Bekannten, wo der 18-Jährige versuchte, die von ihm ins Spiel gebrachten Täterinnen per Facebook zu erreichen, soll der 26-Jährige ihn mit einer Eisenstange traktiert haben. Später ließ sich das streitende Duo in die Wohnung des Angeklagten an der Christianstraße fahren. Dort soll der Jüngere erst auf dem Balkon gesperrt worden sein. Anschließend habe der Ältere seinem Opfer die Handrücken mit einem Bunsenbrenner verletzt. Der Mann erlitt Verbrennungen zweiten Grades, bevor er mit dem Brenner und einer Axt auf Auge und den Kopf geschlagen wurde. Nach dem Versprechen, das Handy holen zu wollen, habe der Verletzte gehen dürfen. Er flüchtete zu einem Bekannten, der rief die Polizei.

Dieser Darstellung widersprach der Angeklagte vehement. Stattdessen schilderte er, wie sich sein Bekannter quasi im Drogenrausch plötzlich selbst die Haut versengte. Zwei Freunde, die damals eine Zeit lang die Handysuche unterstützt hatten, hatten beide keine Übergriffe beobachtet. Um die brutalen Vorwürfe, auf die bei einer Verurteilung eine erhebliche Strafe steht, bis ins Detail klären zu können, vertagte sich das Gericht auf Februar. So soll unter anderem geklärt werden, ob der vermeintliche Handydieb bereits am Tag vor dem strittigen Vorfall Verletzungen erlitt. Da wurde er nämlich offenbar Opfer brutaler Räuber – sie nahmen sein Handy mit.

 

 

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