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Wohnungswirtschaft in Bewegung : Wobau will Gagfah-Wohnungen kaufen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Kock-Siedlung plant den Abriss von 140 Einheiten in Faldera. Kontroverse um Mittel aus dem Programm Stadtumbau West.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2015 | 05:30 Uhr

Neumünster | Die Wohnungswirtschaft ist weiter in Bewegung. Nach dem Kauf der alten Feuerwache an der Wittorfer Straße hat die Wobau nun ein Auge auf 120 Wohnungen der Gemeinnützigen Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten (Gagfah) an der Beethovenstraße geworfen. Die Kock-Siedlung will in den kommenden fünf Jahren 140 Wohnungen an der Helmuth-Kock-Straße in Faldera abreißen.

„Wir investieren weiter in ansprechenden Wohnraum und wollen dort zukaufen, wo wir Synergieeffekte erwarten“, erklärt Wobau-Geschäftsführer Uwe Honsberg. Der Wobau-Chef hatte die angestrebte Übernahme der dreigeschossigen Mehrfamilienhäuser am Mittwoch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel bei dessen Besuch in der Böcklersiedlung vorgestellt. Die Verhandlungen stünden aber noch ganz am Anfang. „In dem Umfeld haben wir auch eigene Objekte. Es geht nicht, dass wir unsere Wohnungen sanieren, unsere Mieter dann aber auf leere oder heruntergekommene Blöcke in der Nachbarschaft blicken“, begründet Honsberg den Kaufwillen der Gagfah-Häuser. Für ihn steht fest: „Die Nachfrage nach Wohnraum steigt weiter an.“

Das sieht auch Sven Hielscher, Geschäftsführer der Kock-Siedlung, so. Deshalb sollen viele der 750 Wohnungen des Unternehmens zwischen Wasbeker Straße, Hansaring und Roonstraße weiter saniert werden. Allerdings gebe es in manchen Blöcken zu viel Leerstand, räumt er ein: „An der Helmuth-Kock-Straße bauen wir daher zurück. Die Flächen werden mit Rasen abgesät, könnten bei Bedarf aber reaktiviert werden.“ Wie Honsberg bedauert auch Hielscher, dass für den Abriss von nicht mehr notwendigen Wohnungen keine Fördergelder fließen.

Dem widerspricht Bernd Heilmann von der Stadtplanung. Im Programm Stadtumbau West stünden 4,5 Millionen Euro für den Sanierungsbereich zur Verfügung – auch für den Rückbau. Die Wohnungsbaugesellschaften hätten bisher aber nur Mittel für nicht förderfähige Vorhaben gestellt. „Letztlich überprüft das Landes-Innenministerium, ob die Richtlinien des Programms eingehalten werden. Ist das nicht der Fall, erfolgt eine Ablehnung“, sagt Heilmann. Er bestätigt, dass die Stadt bereits sogenannte „Zwangsentfremdungszinsen“ zahlen musste, weil sie die Fördermittel nicht rechtzeitig ausgegeben hat. Über die Höhe machte er keine Angaben. Nun soll ein Großteil des Geldes in den Neubau des Projekthauses und des Familienzentrums an der Werderstraße fließen. Heilmann: „Das könnte ein städtebaulicher Leuchtturm werden.“

Frank Natusch, Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft Holstein, ärgert das: „Wir haben mehrmals Mittel aus dem Programm angefordert. Das wurde immer abgelehnt. Statt in die Wohnungswirtschaft hat die Stadt lieber in die Infrastruktur investiert.“ Tatsächlich wurde über den Topf etwa die Skateranlage hinter dem Log-In oder der Umbau des Falderaparks bezahlt.

Einig sind sich alle Parteien aber, dass die Mittel aus dem zweiten Städtebauprogramm „Soziale Stadt“ in der Böcklersiedlung gut verwendet wurden. Das Programm läuft nun mit dem Umbau der Breslauer Straße aus. Weitere 1,4 Millionen Euro stehen aber für das Vicelinviertel bereit. Damit soll vor allem der Umbau der Ribsteinhalle an der Anscharstraße für die „Aktion Jugendzentrum“ bezahlt werden.

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