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Top-Immobilie : Wobau will die Feuerwache schon wieder verkaufen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Nur ein Jahr nach dem Kauf schaltete die städtische Tochter Anzeigen und überraschte damit auch Oberbürgermeister und Verwaltung.

shz.de von
erstellt am 29.Sep.2015 | 07:45 Uhr

Neumünster | Rund ein Jahr nach dem Kauf der alten Feuer- und Rettungswache an der Wittorfer Straße will die Wobau den historischen Immobilienkomplex offenbar schon wieder loswerden. Mit der Überschrift „Grundstück in Citylage von Neumünster zu verkaufen“ und einer Luftaufnahme des Areals schaltete das städtische Unternehmen am Wochenende unter anderem im Immobilienmarkt des Holsteinischen Couriers eine große Anzeige. Auf Nachfrage wollte sich bei der Wobau gestern niemand äußern. Geschäftsführer Uwe Honsberg ist im Urlaub.

Laut Anzeige ist das Gelände 8714 Quadratmeter groß, davon könnten rund 6700 Quadratmeter als „Wohn- und Nutzfläche“ verwendet werden. Der Verkauf erfolge „gegen Höchstgebot“. Noch vor einem halben Jahr hatte die Wobau ambitionierte Pläne vorgestellt. Es sollten innenstadtnahe, attraktive Wohnungen entstehen, 6,5 Millionen Euro in einen Mix aus Miet- und hochwertigen Eigentumswohnungen fließen. Geplant war, das Quartier bis 2019 zu entwickeln. Auch ihre Geschäftsstelle wollte die Wobau von der Beethovenstraße an die Schützenstraße verlegen. Angedacht war ein bewachtes Wohnquartier mit einem Sicherheits- und Servicebediensteten (der Courier berichtete).

Doch immer wieder gab es offenbar Probleme mit dem Denkmalschutz in den 1928/29 erbauten Gebäuden. „Wir wären gerne schneller, aber es dauert alles sehr, sehr lange“, hatte Uwe Honsberg noch im August zum Courier gesagt und angekündigt, einen Anwalt zu beauftragen. Das Landes-Denkmalschutzamt wurde aktiv. Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras schaltete sich ein und versuchte zu vermitteln. Gleichzeitig gab der Verwaltungschef bekannt, dass die Wobau noch immer keinen vollständigen Bauantrag gestellt habe (der Courier berichtete).

Im Rathaus   war gestern das Erstaunen über die Verkaufsanzeige groß. „Wir haben von den Verkaufsabsichten auch aus der Zeitung erfahren und versuchen nun, weitere Informationen von der Wobau zu bekommen“, teilte Thorben Pries, Büroleiter des Oberbürgermeisters, kurz und knapp mit.

Noch gar nicht klar ist nach Courier-Informationen, ob die Wobau das Gelände einfach so verkaufen kann. Mehrmals hatte Tauras bei öffentlichen Besuchen betont, die alte Wache sei ein „städtebauliches Juwel“ und von besonderer Bedeutung für die Stadtentwicklung. Deshalb hatte er auch begrüßt, dass die Wobau damals für 800  000 Euro den Zuschlag bekam.

Kommentar: Das Schweigen wird nicht von langer Dauer sein

Der Jubel war groß, als die Wobau die alte Feuerwache kaufte. Ambitionierte Pläne wurden vorgestellt. Es sollte ein modernes, schickes Quartier entstehen, ein städtebauliches Schmuckstück.

Was nun passiert ist, lässt sich vorerst nur erahnen. Der Denkmalschutz war zuletzt das große und vermutlich zu teure Problem. Ganz offensichtlich ist eine Einigung gescheitert. Doch darf die Wobau das Gelände an der Wittorfer Straße nun einfach wieder verscherbeln? Hat die Stadt ein Vorkaufsrecht oder gar die Verpflichtung, die Wache zurückzukaufen? Was steht in den Verträgen?  Es gibt zu diesem Thema noch viele Fragen, die auch die Kommunalpolitiker interessieren werden. Das Schweigen der Wobau kann nicht von langer Dauer sein.

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