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Typisierungsaktion : Wo ist Michaels genetischer Zwilling?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der 26-jährige Michael Brandt aus Neumünster hat Blutkrebs und sucht einen Retter. Eine Hilfsaktion startet am 7. November

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2015 | 08:15 Uhr

Neumünster | Für die meisten Menschen ist es nur ein kleiner Test, für Michael Brand geht es um Leben und Tod.
Am Sonnabend, 7. November, geht die Suche nach einem möglichen Stammzellenspender für den an Leukämie erkrankten Neumünsteraner in die heiße Phase. Dann sind die Neumünsteraner, Menschen aus den Umlandgemeinden und andere Schleswig-Holsteiner aufgerufen, bei einer Registrierungsaktion der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) mitzumachen.

Michael Brandt fiebert der Aktion mit heißem Herzen entgegen. Ohne einen Stammzellenspender, das weiß er, ist seine Zeit begrenzt. Auch die aktuelle Chemotherapie kann den 26-Jährigen nicht retten, seine Zeit auf dieser Welt nur verlängern.

Vor eineinhalb Jahren brachte die Diagnose Blutkrebs das Leben des lebenslustigen Neumünsteraners aus dem Tritt: Dabei war der gelernte Bäcker, was seine Gesundheit angeht, auch zuvor schon einiges gewöhnt: Von Kindesbeinen an wird er von Neurodermitis geplagt: „Besonders in jungen Jahren war es manchmal die Hölle, wenn die Schübe kamen“, sagt Micha, wie er von seinen Schwestern und Freunden genannt wird. Später gingen die Allergieanfälle zwar zurück. Den Bäckerberuf musste dennoch wegen einer Mehlstaub-Allergie aufgeben. Zuletzt hatte er bei Edeka-Nord eine neue berufliche Heimat gefunden und eine eigene kleine Wohnung in einer ehemaligen Neumünsteraner Kaserne bezogen.

Vor anderthalb Jahren mehrten sich schwere Blutergüsse, für die es zunächst keine Erklärung gab. Nach einer Blutuntersuchung traf ihn dann die Hiobsbotschaft: Blutkrebs.

Aber Michael Brandt wollte sich den Lebenswillen nicht nehmen lassen, der 26-Jährige entschloss sich zur Chemotherapie, die tatsächlich zunächst Erfolg versprach. Der Neumünsteraner kehrte, scheinbar auf dem Wege der Genesung, in ein Leben außerhalb der Klinik zurück – mit einer neuen Lebenseinstellung: „Die Krankheit und die anschließende Hoffnung, den Kampf gegen den Blutkrebs gewonnen zu haben, haben mein Leben und meine Sicht der Welt verändert“, sagt er. Die Tage schienen wertvoller geworden zu sein. Ganz anders nahm der junge Neumünsteraner fortan die Zeit mit seinem kleinen Neffen wahr, den er gern aufwachsen sehen würde, wie er sagt.

Trotz der Angst vor der Krankheit, die wie ein Damoklesschwert sein Leben überschattet, nahm der 26-Jährige sein Schicksal wieder in die Hände, versuchte, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Sogar ein kleiner Sportflitzer stand nach einiger Zeit vor der Tür. Um sich „rechtzeitig“ einen Traum zu erfüllen, hatte der junge Neumünsteraner einen Gutteil seiner Ersparnisse investiert.

Michael Brandts Leben schien sich zu normalisieren – bis zum 17. September, als ein erneuter Test sogar noch schlechtere Blutwerte als ein Jahr zuvor offenbarte. Die Hoffnung auch der Eltern und zwei erwachsener Schwestern Michaels stützen sich jetzt darauf, dass sich ein Stammzellenspender für Michael findet.

Jeder 5. Patient findet keinen Spender, sagt Demet Kaygusuz von der DKMS. Und noch ist für Michael in der weltweiten Datenbank der DKMS kein geeigneter Spender dabei. „Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagt Kaygusuz. Für Michael bleibt es ein kleines Stück Hoffnung. Viele Helfer und Unterstützer haben sich bereits bereit erklärt zu helfen und mitzumachen, berichteten jetzt Michaels Schwestern Gesa Teegen und Hanna Brandt. Sie wünschen sich für ihren Bruder das große Los.

Alle 16 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs. Trotz der bislang fast 5,5 Millionen registrierten Stammzellenspender findet nicht jeder Patient seinen Spenderzwilling. Deswegen sei es so wichtig, dass sich möglichst viele Menschen registrieren lassen, appellieren die Experten. Informationen über die Arbeit der DKMS, eine Registrierung oder den Ablauf einer Stammzellenspende und mehr, gibt es im Internet unter: www.dkms.de. Die Typisierungsaktion  für Michael Brandt  (oder mögliche andere Betroffene ) findet am 7. November von 10 bis 15 Uhr in der Theodor-Litt-Schule an der Parkstraße statt. Jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren kann mitmachen. Den möglichen Spendern werden fünf Milliliter Blut abgenommen, damit ihre Gewebemerkmale bestimmt werden können. Spender, die sich bereits in der Vergangenheit bei einer Aktion registrieren ließen, müssen nicht erneut  teilnehmen. Die Daten stehen weiterhin für alle Patienten zur Verfügung. Da die DKMS sich ausschließlich aus Spenden finanziert und allein für die Aufnahme eines neuen Spenders Kosten von 40 Euro entstehen, bittet die Familie und die DKMS auch um finanzielle Unterstützung.

 



 

 

 

 



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