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Suche in Neumünster : Wo ist das Handy des vermissten Georg Linnemann?

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Winter 2014 verschwand Georg Linnemann spurlos. Freunde haben jetzt eine aufwändige Suche im Stadtwald gestartet

von
erstellt am 17.Mai.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Seit fast zweieinhalb Jahren ist Georg Linnemann spurlos verschwunden. Am 15. Dezember 2014 wurde der Neumünsteraner das letzte Mal lebend gesehen. Die Mordkommission in Kiel ist überzeugt davon, dass der damals 28 Jahre alte Student umgebracht wurde. Seit Monaten scheint keine Bewegung mehr in dem Fall zu sein. Laut Polizei gibt es „keinen neuen Sachstand“. Doch Georg Linnemanns Lebensgefährtin (35) gibt die Hoffnung nicht auf, doch noch Licht ins Dunkel zu bringen. Sie möchte Klarheit über das Schicksal ihres Freundes, der auch der Vater ihrer jüngsten Tochter (22 Monate) ist. Darum hat sie gemeinsam mit Freunden und Bekannten eine aufwändige Suchaktion gestartet: Seit Anfang des Monats versucht die Gruppe mit technischem Gerät auf eigene Faust, im Stadtwald das Handy von Georg Linnemann zu finden.

Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, doch die Lebensgefährtin des Vermissten hat Argumente für die ungewöhnliche Aktion. Als ihr Freund im Dezember 2014 verschwand, hatte er sein Mobiltelefon bei sich. Gegen 16 Uhr schickte er ihr damit noch eine liebevolle Nachricht. Als er wenige Stunden später nicht wie verabredet nach einer kurzen Erledigung zum gemeinsamen gemütlichen Abend erschien und auch nicht mehr zu erreichen war, ahnte die junge Frau bald, dass etwas nicht stimmte. „Georg war eigentlich immer per Handy zu erreichen“, sagt sie.

In ihrer Not recherchierte die Neumünsteranerin damals im Internet und fand mehrere Seiten, über die Mobiltelefone geortet werden können. „Über einige Tage wurde mir regelmäßig ein Bereich im Stadtwald angezeigt“, berichtet die Frau. Deshalb möchte sie dort auch nach der langen Zeit noch nach dem Handy suchen.

Alle anderen von ihr abgearbeiteten Ansätze, Informationen über Georgs Verschwinden zu finden, brachten bisher keine Spur. Auch die intensive Recherche über Facebook war erfolglos.

Doch jetzt hat sich ein technisch versierter Bekannter bereit erklärt, bei der aufwändigen Aktion im Stadtwald zu helfen. Metalldetektoren wurden besorgt, ein Suchtrupp wurde zusammengestellt. Nach Rücksprache mit dem Liegenschaftsamt und der Polizei durfte die Gruppe im unwegsamen Gelände in der Nähe des Friedenshains loslegen.

Zwei Tage lang durchforsteten die Freundin und ihre Helfer jeweils über Stunden das Areal. „Wir haben immer eine Fläche mit Flatterband abgesteckt und dann Stück für Stück abgearbeitet“, berichtet die Freundin. Immer wieder piepten die Geräte, immer wieder keimte Hoffnung. Möglichst vorsichtig, um den Waldboden zu schonen, wurde gegraben; immer wieder förderte die Gruppe Metallschrott zu Tage – Schrauben, Stangen, Nägel oder auch Bombensplitter kamen ans Tageslicht. Georg Linnemanns schwarzes Samsung-Handy, das möglicherweise in einer schwarzen Lederhülle steckte, blieb jedoch bisher verschwunden. Noch will die Lebensgefährtin die Suche nicht einstellen. Mit besseren Geräten soll das Gelände bald noch einmal unter die Lupe genommen werden.

Natürlich ist nicht ausgeschlossen, dass das Handy einst von jemandem gefunden und aus Unkenntnis mitgenommen wurde. „Es wäre wichtig, dass derjenige es dann abgibt“, bittet Georg Linnemanns Freundin. Denn laut Mordkommission wurde das Gerät bisher nicht aufgefunden. Auch das Fundbüro bestätigte auf Nachfrage, dass zwischen dem 15. Dezember 2014 und Ende April 2015 kein entsprechendes Gerät abgegeben wurde.

Nach dem Verschwinden des Studenten wurde bisher lediglich am 20. Dezember 2014 sein dunkelblauer Golf IV mit dem Kennzeichen NMS-ZX 88 in Hamburg-Osdorf gefunden. Weil es damals noch keine Hinweise auf ein Verbrechen gab, blieb die offizielle Suche aber vorerst aus. Im Rahmen anderer Ermittlungen erhärtete sich laut Polizei jedoch im Frühjahr 2015 ein Tatverdacht gegen zwei Männer aus Neumünster und Kappeln – beides Bekannte von Georg Linnemann. Mehrfach suchten die Ermittler in Neumünster und Umgebung vergeblich nach der Leiche des Vermissten. Die Polizei geht davon aus, dass er ermordet, verbrannt und vergraben wurde.

Das verdächtige Duo saß damals wegen Diebstahls in Untersuchungshaft. Möglicherweise war auch Georg Linnemann in Straftaten verstrickt. Laut Polizei besteht der Verdacht, dass er zu einer Bande gehörte, die Lagerhallen und Garagen aufbrach und Aufsitzrasenmäher und Motorräder stahl. Wollte der Student, der wusste, das er bald Vater werden würde und sich sehr auf das Kind freute, aus möglicherweise krummen Geschäften aussteigen? Wurde ihm das zum Verhängnis? Seine Freundin möchte die Wahrheit wissen. „Ich brauche Klarheit über Georgs Schicksal. Das wäre auch so wichtig für die Kinder. Ich werde weiter suchen, egal wie lange“, sagt sie.  

Wer etwas über den Verbleib von Georg Linnemanns Handy weiß, es vielleicht gefunden hat, wird gebeten, es bei einer Polizei-Dienststelle abzugeben oder die Kripo in Kiel unter 0431-1 60 33 33 anzurufen.

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