Wo die wilden Kerle lebten . . .

Die Wichern-Kirche am Uker Platz: Die Gemeinde ist in Faldera schon aus historischen Gründen fest verankert.
Die Wichern-Kirche am Uker Platz: Die Gemeinde ist in Faldera schon aus historischen Gründen fest verankert.

... gedeiht und wächst heute der Stadtteil Faldera

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31. Juli 2018, 12:41 Uhr

Einst muss es hier hart zugegangen sein. Im frühen Mittelalter war Faldera ein Ort zwischen dem sächsischen und dem slawischen Machtbereich. Grenzregion eben, mit allen Risiken, die dazugehören: Der Begriff Faldera stammt aus dem Slawischen und bedeutet etwa so viel wie „wilde Kerle, die mit Steinen werfen“.

Ganz so martialisch geht es hier heute nicht mehr zu: Faldera ist der westlichste und zu großen Teilen auch ein junger Stadtteil Neumünsters, weite Siedlungsteile wuchsen erst in den 30er- und 40er-Jahren heran, nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten die Flüchtlinge aus dem Osten für weiteren Aufschwung. Ältere Falderaner erinnern sich noch gut an die unzähligen „Nissenhütten“ rund um den „Exer“, im Sommer stickig-heiße und im Winter schwer zu beheizende Schlichtbaracken aus Wellblech und groben Ziegeln, in denen die Flüchtlinge notdürftig einquartiert wurden.

Die Not gebar allerdings auch Stärken: Nicht von ungefähr wuchsen und gediehen gerade in Faldera die Siedlergemeinschaften. Unzählige der frühen Siedlungshäuser wurden in Eigen- und Gemeinschaftsleistung hochgezogen und nicht selten nach Fertigstellung unter den Bauherren verlost, um niemanden zu übervorteilen.

In dieser Zeit begründete sich auch die starke Rolle der Kirche: Die „Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen in Deutschland“ engagierte sich entlang der Ehndorfer Straße mit dem Bau einer „Wichern-Siedlung“: Kleine, aber günstige Einfamilienhäuser vorzugsweise für kinderreiche Familien wuchsen – zum erheblichen Teil in Selbsthilfe erbaut – an Itzehoer, Husumer Glückstädter, Heider und Meldorfer Straße empor. (Listenpreis: 30 000 Mark = ca. 15 340 Euro!) Längst sind zahlreiche der einstmals schmalen Schlichthäuschen zu stattlichen und individuellen Einfamilienhäusern um- und ausgebaut. Die Verbundenheit zur Wicherngemeinde hat sich aber bis heute erhalten. Die Gemeinde mit ihrer Kirche am zentralen Uker Platz ist bis heute einen tragende Stütze der Jugend- und Sozialarbeit im Stadtteil.

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