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Bürgeranhörung : Wo der Verkehrslärm besonders quält

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Stadt will dem Dauerkrach mit einem Generalplan zu Leibe rücken. Nur zwölf Anlieger kamen zur ersten Anhörung

von
erstellt am 04.Feb.2016 | 08:30 Uhr

Neumünster | Verkehrslärm macht krank. Aber wie kann man die Belastung für Anlieger erträglicher machen? Das sollte am Dienstagabend das große Thema auf der ersten Bürgeranhörung zum Lärmaktionsplan der Stadt sein, allerdings schrammte die Veranstaltung nur knapp am Flop vorbei: Ganze zwölf (!) Bürger fanden den Weg in die Gemeinschaftsschule Brachenfeld, um mit Fachleuten über die Lärmbelästigung durch Autoverkehr oder Schiene zu diskutieren. Die von der Verwaltung erhofften Anregungen der Betroffenen gab es nur vereinzelt.

Bereits 2008 unternahm die Stadt einen ersten Anlauf, eine Lärmkarte für die Stadt zu erstellen, erst jetzt wird das Thema aber ernsthaft angegangen. Das Hamburger Fachbüro Lärmkontor hat die Belastungen für die Bewohner der Stadt berechnet. Beleuchtet wurden dabei allerdings nur Straßen mit einem Verkehrsaufkommen über 3 Millionen Fahrzeugen per annum, bzw. 8220 Fahrzeugen pro Tag, Kreis- und Stadtstraßen blieben außen vor. Danach sind – wenig überraschend – neben den Bereichen beidseitig der Autobahn vor allem die Haupteinfallstraßen in die Stadt (Wasbeker, Altonaer, Segeberger, Kieler und Rendsburger Straße) betroffen. Auch an der Plöner Straße machten die Experten eine tiefe Lärmabstrahlung aus.

Unter dem Strich gelten nach dem Kataster etwa 7260 Personen (in 2560 Wohnungen) als durch Autoverkehr lärmbelastet, das sind etwa 9 Prozent aller Neumünsteraner. Der Lärmpegel liegt hier im Schnitt über 55 Dezibel (dB), was in etwa dem Geräusch eines normalen Gespräch entspricht (siehe Tabelle). Etwa 1040 Einwohner gelten als hoch belastet, sie müssen tagsüber Schallbelastungen über 70 db (Rasenmähergeräusch) oder nachts 60 db hinnehmen. Belastungsspitzen gibt es insbesondere da, wo die Bebauung hoch und dicht ist und besonders nah an die Verkehrsadern heranrückt: Das ist etwa an der Feldstraße, auf dem südlichen Hansaring, oder auf Abschnitten der Tungendorfer und der Wasbeker Straße der Fall.

Die Krux: Auf passiven Lärmschutz dürfen bislang lediglich Anlieger an der Bundesstraße (Wasbeker Straße, Plöner Straße, nördlicher Ring) hoffen. Förderprogramme für den Einbau von Schallschutzfenstern gibt es vom Bund, aber noch nicht vom Land. Die Programme wurden bislang nur sporadisch genutzt: An der Wasbeker Straße wurden seit 2010 nur 45 Gebäude saniert, von 137, die Anspruch auf die Förderung hätten, an der Plöner Straße sind es bislang 5 von 44 Häusern.

In der Diskussion forderten Anlieger vor allem mehr Tempo-30-Bereiche und verschärfte Verkehrskontrollen auf dem Ring, um den Verkehrslärm zu reduzieren. Carsten Kurz vom Hamburger Lärmkontor verwies unter anderem auf vielversprechende Versuche mit neu entwickelten „Flüsterasphalten“, die die Rollgeräusche reduzieren sollen.

Bereits am kommenden Montag, 8.  Februar, soll es eine zweite Bürgeranhörung zum Lärmaktionsplan der Stadt in der Gemeinschaftsschule geben. Beginn 19 Uhr.

 

Geräusche in Dezibel

10 Dezibel: Atmen, raschelndes Blatt

20 Dezibel: Ticken einer Armbanduhr

30 Dezibel: Flüstern

40 Dezibel: leise Musik

50 Dezibel: Regen, Kühlschrankbrummen

55 Dezibel: Gespräch in 1 Meter Entfernung

60 Dezibel:  Gruppengespräch

70 Dezibel: Fernseher, Rasenmäher

80 Dezibel: laute Telefonklingel

90 Dezibel: Lastwagen

100 Dezibel: Ghettoblaster

110 Dezibel: Disko, Symphoniekonzert,

120 Dezibel: Kettensäge, Presslufthammer, Gewitterdonner

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