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Holsteinischer Courier

18. Oktober 2017 | 09:54 Uhr

Grossflecken : Wirtschaft warnt vor dem Umbau

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Unternehmensverband lobt den OB in Sachen Eichhofpark

von
erstellt am 13.Mai.2017 | 08:15 Uhr

Neumünster | Mit großer Sorge betrachtet der Unternehmensverband Mittelholstein (UVM), dass die Ratsversammlung bei der geplanten Neugestaltung des Großflecken s die „große Lösung“ einer kompletten Neugestaltung des Platzes favorisiert – gegen die Empfehlung von OB und Verwaltung. Der Großflecken werde damit zur Großbaustelle. Das sei mit „noch nicht abschätzbaren Kosten für die Stadt und erheblichen Einschränkungen für die anliegenden Geschäfte verbunden“, warnte UVM-Vize Ulf Michel gestern bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage seines Verbandes.

Michel stellte die Frage, wie dieses Großprojekt mit derzeit veranschlagten Kosten von mindestens 10 Millionen Euro zur Ausgabendisziplin und Haushaltskonsolidierung passe? Auch sei völlig offen, wie hoch der Anliegerbeitrag der Grundeigentümer sei. Michel sieht die „Attraktivität des Innenstadtbereichs während der Bauzeit deutlich sinken“ und mahnte, den gesteckten Zeitplan und das Budget einzuhalten. Sein Vorschlag: Die Stadt solle Fachfirmen durch einen vorgeschalteten Teilnehmerwettbewerb und eine beschränkte Ausschreibung aussuchen. Michel: „Die Sanierung macht den Großflecken vielleicht schöner und vermutlich besser begehbar. Aber er wäre nicht der erste Platz, der für viel Geld saniert wird und dann in Schönheit stirbt.“ Dabei dachte er wohl an den Kleinflecken.

Lob von Michel und vom UVM-Vorsitzenden Jens van der Walle gab es hingegen in Sachen Gewerbepark Eichhof. Der Abbruch der Verkaufsgespräche mit dem Projektentwickler Log4Real sei richtig gewesen, als sich herausstellte, dass dessen Versprechen nicht der Realität entsprachen. Durch das „umsichtige und konsequente Handeln von Oberbürgermeister Tauras und die gute Zusammenarbeit von Verwaltung und Selbstverwaltung“ habe ein möglicher Schaden abgewendet werden können. Aufgrund der vielen Interessenten habe die Stadt ein Luxusproblem am Eichhof.

Neumünsters Wirtschaft kann auch sonst offenbar nicht klagen; die Konjunktur brummt. Die Betriebe sehen ihre Lage und die Aussichten nahezu durchweg positiv. Ob nun Auftragslage, Umsatzerwartung oder die Bereitschaft, neue Mitarbeiter einstellen zu wollen – der Verbandsvorsitzende Jens van der Walle entnahm der Umfrage fast nur positive Signale: „Branchenübergreifend sehen die Neumünsteraner Unternehmen die Entwicklung der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes in jüngster Zeit als positiv an“, sagte van der Walle.

Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, auch wenn Neumünster mit einer Quote von 9,5 Prozent Schlusslicht in Schleswig-Holstein bleibt. Gleichzeitig betonte van der Walle das weiterhin „hohe Niveau bei der Nachfrage nach Arbeitskräften“. Die Unternehmen stellten auch wieder mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung und zeigten so ihren Bedarf am Fachkräftenachwuchs. Van der Walle: „Der Mittelstand ist nicht nur Job-, sondern auch Ausbildungsmotor.“

Der Ausbildungsmarkt mit seinen vielen offenen Stellen kann aber auch als Indikator für ein Grundproblem verstanden werden, meint der Vorsitzende: „Es fehlen geeignete Auszubildende, es fehlen die Fachkräfte von morgen.“ Die Unternehmen seien daher künftig noch stärker darauf angewiesen, die Fähigkeiten älterer Arbeitnehmer zu nutzen und sie so lange wie möglich in Beschäftigung zu halten. Auch die zugewanderten Flüchtlinge würden an dieser demografischen Tatsache nichts ändern.  

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