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Unternehmensverband : Wirtschaft sieht Stadt im Aufschwung

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Frühjahrs-Konkjunkturumfrage zeigt: Neumünsters Firmen geht es blendend. Zuwanderung soll demografischen Wandel abmildern

Neumünster | Die Unternehmen der Stadt bestätigen die „optimistischen Erwartungen aus dem vergangenen Jahr und bleiben auch im Frühjahr 2015 auf Wachstumskurs“ – dieses Fazit zog der Vorsitzende des Unternehmensverbands Mittelholstein (UVM) Jens van der Walle gestern bei der Vorstellung der Frühjahrs-Konjunkturumfrage. 111 Mitgliedsunternehmen mit fast 9300 Beschäftigten beteiligten sich daran.

Allein die unter den Russlandsanktionen leidende Metallbranche sieht dunklere Wolken am Konjunkturhimmel aufziehen. Den anderen Wirtschaftszweigen geht es zum Teil blendend. „Der Mindestlohn macht uns allerdings große Sorgen, vor allem wegen der Bürokratisierung durch umfangreiche Dokumentationspflichten“, sagte van der Walle. Das werde noch Jobs kosten, vor allem Minijobs. „Im Taxigewerbe ist es schon soweit, aber auch andere Branchen wird es treffen“, so der UVM-Chef.

Lob fand van der Walle für „den Aufschwung, den Neumünster derzeit erlebt“. Erfolgreiche Neuansiedlungen wie das Milchtrocknungswerk oder die bald fertige Holsten-Galerie „geben der Stadt ein neues Selbstbewusstsein“, so van der Walle. Der Arbeitsmarkt zeige sich trotz der immer noch hohen Sockelarbeitslosigkeit zusehends dynamisch.

Der UVM-Chef hofft, dass sich zwei große Herausforderungen für Neumünster wechselseitig befruchten können: der Zustrom von Flüchtlingen und der wachsende Fachkräftemangel in der Wirtschaft. Die Unternehmen hätten jetzt schon Probleme, alle Arbeitsplätze zu besetzen. Van der Walle sieht in den Flüchtlingen eine große Chance, wenn die Voraussetzungen, etwa bei den Sprachkenntnissen, geschaffen seien. Der Unternehmensverband sieht sich als Mittler. „Es kommen viele hoch intelligente und sehr motivierte Menschen zu uns“, sagte van der Walle.

Skeptisch äußerte sich der stellvertretende UVM-Vorsitzende Ulf Michel zur gleichzeitigen Mitwirkung Neumünsters in der Kiel-Region einerseits sowie in der Metropolregion Hamburg und der A7-Städtepartnerschaft Nordgate auf der anderen Seite. Die Scharnierfunktion Neumünsters zwischen beiden Regionen bleibe eher schwammig. Es sehe eher so aus, „als würden sich aus der Mitwirkung bei den verschiedenen Zusammenschlüssen einander widersprechende Handlungsverpflichtungen der Stadt ergeben“, sagte Michel.

Eine weitere kritische Anmerkung Michels galt den „Beschluss gewordenen Träumen der Ratsversammlung“, Ambitionen als Hochschulstandort anzumelden. Michel erinnerte daran, dass gerade einen Monat zuvor nach nur drei Jahren das Aus für die Northern Business School verkündet worden war. Auch das Kapitel der Nordischen Universität währte nur von 1985 bis 1989. Diese Erfahrungen seien nicht sehr ermutigend. Ulf Michel: „Ein neuer Anlauf wäre nur zu rechtfertigen, wenn die Finanzierung im Rahmen des Bund-Länder-Hochschulpakts erfolgt und für Neumünster ein Nullsummen-Spiel bleibt.“

Standpunkt: Chance, nicht Last

In Schleswig-Holstein fehlen bis 2030 etwa 100000 Fachkräfte. Und in diesem Jahr wird  das Land etwa 20 000 Flüchtlinge aufnehmen. Jens van der Walle vom Unternehmensverband Mittelholstein zieht die Verbindungslinie. Die Wirtschaft begreift die Menschen, die vor Bürgerkrieg und Verfolgung aus ihren Heimatländern fliehen, nicht als Last, sondern als Chance im demografischen Wandel. Viele der Zuwanderer sind gut ausgebildet und hoch motiviert. Es sind die Jungen und Aktiven, die zu uns kommen. Nicht nur die Wirtschaft, ganz Deutschland braucht sie.

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erstellt am 29.Apr.2015 | 07:00 Uhr

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