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Turbo-Internet : Wirtschaft sieht großen Ausbaubedarf

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Industrie- und Handelskammer stellte ihre Umfrage zur Breitband-Versorgung vor.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 07:41 Uhr

Neumünster | "Schnelle Glasfaserverbindungen sind für die Wirtschaft ein absolutes Muss und ein Standortfaktor", sagt Guido Schwartze. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur im Log-In hat gut Lachen - das Log-In ist wie die Holstenhallen seit knapp einem Jahr via Glasfaserkabel der Stadtwerke an das schnelle Datennetz mit Übertragungsraten bis zu 1000 Megabit pro Sekunden angeschlossen.

Von solchen Turbo-Datenleitungen können viele Unternehmen in Neumünster nur träumen. Das zeigt eine Breitband-Umfrage der Industrie- und Handelskammer. An ihr beteiligten sich 62 der 1072 im Handelsregister eingetragenen Firmen aus der Stadt. Sie ist damit - auch was die Branchenverteilung angeht - repräsentativ.

Das Ergebnis: Die Wirtschaft sieht noch großen Ausbaubedarf beim Datennetz. Die Übertragungsraten nehmen vom Zentrum zum Stadtrand hin deutlich ab und werden den Anforderungen nicht gerecht. An der Peripherie liegt die Geschwindigkeit in der Regel bei lediglich 6 Megabit. Viele Firmen wünschten sich Raten von 100 Megabit oder mehr.

"Leistungsfähige Breitbandverbindungen sind nicht die Autobahnen der Zukunft, sondern die Autobahnen der Gegenwart. Es ist für Schleswig-Holsteins Unternehmen wenig hilfreich, wenn diese immer noch mit Kies oder Kopfsteinpflaster statt Asphalt befestigt sind", sagt Dr. Martin Kruse, der bei der IHK Schleswig-Holstein für das Thema Breitband zuständig ist. Um die Gewerbegebiete sei es schlecht bestellt. Sie sollten vorrangig angebunden werden.

Welcher Anbieter wo seine Netze hat, ist ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis. Die IHK will sich aber auch gar nicht in die Diskussion einschalten, wer das Netz ausbaut. Hauptsache, es wird ausgebaut. Und das wollen auch die Stadtwerke, die bisher als Netzbetreiber nur im Umland auftraten. 2014 soll auch in Neumünster und zuerst in Tungendorf das Zeitalter des ultraschnellen Glasfasernetzes beginnen. Schon seit einigen Jahren verlegen die Stadtwerke bei Tiefbauarbeiten in der Stadt auch Leerrohre für ihre Glasfaserkabel. "Wir stricken noch an den Produkten, planen aber noch vor den Sommerferien, auch an Firmen vor allem im Industriegebiet Süd mit Angeboten heranzutreten", sagt SWN-Sprecher Nikolaus Schmidt.

Die Firma Voigt Logistik am Krokamp nutzt schon Hochgeschwindigkeitsleitungen. "Ohne Echtzeit-Korrespondenz mit großen Datenmengen geht es nicht", erläutert Jörg Gutschlag. Logistik bedeute heute nicht nur Transport und Lagerung, sondern auch elektronische Datenverarbeitung. Die Datenleitungen kosteten Voigt erhebliche Beträge. "Aber das ist es wert", so Gutschlag.

IHK-Experte Kruse rät den Firmen daher zu mehr Realismus. Leistung jenseits der Grundversorgung gibt es nicht zum Nulltarif, hohe Bandbreiten haben ihren Preis. Kruse: "Nicht wenige Unternehmen nehmen an, sie könnten einen Maserati zum Preis eines Fiat Panda erwerben."

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