Unternehmensverband : Wirtschaft ist zufrieden wie selten

Beim Bierabend werden auch Ruheständler wieder sehr aktiv: Ex-Stadtwerkechef Gerd Sigel (von rechts) unterhielt sich in angeregter Runde mit seinem Nachfolger Matthias Trunk, Logistikunternehmer Henning Voigt und Sparkassenvorstand Martin Deertz.
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Beim Bierabend werden auch Ruheständler wieder sehr aktiv: Ex-Stadtwerkechef Gerd Sigel (von rechts) unterhielt sich in angeregter Runde mit seinem Nachfolger Matthias Trunk, Logistikunternehmer Henning Voigt und Sparkassenvorstand Martin Deertz.

Beim Kommunalpolitischen Bierabend gab es wenig Kritik. Nur das neue Gewerbegebiet geht nicht "wie geschnitten Brot" weg

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18. Juli 2015, 07:45 Uhr

Neumünster | Beim Kommunalpolitischen Bierabend des Unternehmensverbands Mittelholstein (UVM) wird normalerweise Tacheles geredet. Jens van der Walle und sein Vize Ulf Michel als oberste Lobbyisten der Wirtschaft nehmen sich die Kommunalpolitiker und die Verwaltung zur Brust – der Oberbürgermeister nimmt den Fehdehandschuh auf und verteidigt seine Truppe. Davon war am Donnerstagabend bei der 41. Auflage des Klassikers in der Schanze am See wenig zu spüren.

Der UVM-Vorsitzende Jens van der Walle gratulierte Oberbürgermeister Dr. Olaf Tauras zur Wiederwahl und nannte die Haushaltskonsolidierung quasi Tauras’ persönliche „starke Leistung“.

Die Wirtschaft könne optimistisch in die Zukunft schauen. Die Früchte des Aufschwungs, etwa die DOC-Erweiterung oder die anstehende Eröffnung der Holsten-Galerie, seien als Erfolge greifbar. Kritik gab es allenfalls an Fehlentwicklungen in Bund und Land. Van der Walle nannte hier den „Arbeitsplätze vernichtenden gesetzlichen Mindestlohn“ und Schleswig-Holsteins Spitzensatz bei der Grunderwerbsteuer.

„Neumünster geht es gut“, betonte auch der UVM-Vize, Bauunternehmer Ulf Michel. Die Konsolidierung des städtischen Haushalts habe innerhalb von fünf Jahren zur Absenkung des Schuldenstands um 12 auf 163 Millionen Euro geführt. Die Arbeitslosenzahlen seien so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Neumünster werde ganz neu wahrgenommen. „Mitten in der Hamburger Innenstadt, wo früher allenfalls der Name Kiel schwach bekannt war, findet jetzt Werbung für das DOC in Neumünster statt – und die Hamburger machen sich nachweislich auf den Weg“, sagte Michel.

Etwas Wasser goss er dann aber doch in den Wein. Neumünsters Arbeitslosenquote von 10 Prozent sei immer noch die höchste im Land. Die Schließung von Karstadt berge neben einer „großen Chancen für eine zukunftsweisende Weiterentwicklung des Großfleckens das Risiko einer Fehlentwicklung“, so Michel.

Und bei der Vermarktung des neuen Gewerbeparks Eichhof laufe es schleppender als erhofft. Seit dem Spatenstich für die Firma Henry Kruse sei noch wenig Zählbares herausgekommen. Michel: „Geschnitten Brot läuft anders!“ Betrüblich nannte Michel auch, dass die Stadt die am einfachsten zu vermarktende Fläche für eine Tank- und Raststätte noch immer nicht vergeben hat.

Darauf ging Tauras in seiner Rede nicht ein, wohl aber auf das Stichwort Karstadt. Er zeigte sich „guter Hoffnung, dass diese für Neumünsters Innenstadt so wichtige Fläche schnell einer guten Nachnutzung zugeführt werden kann“. Er habe bereits diverse Gespräche mit dem Vertreter der Immobilieneigentümer sowie potenziellen Investoren geführt, sagte Tauras. Der OB zeigte sich gewiss, dass die gesamte Innenstadt von der Strahlkraft der Holsten-Galerie profitieren werde: „Wir werden es schaffen, an andere Städte verlorene Käuferschichten wieder an Neumünster zu binden.“

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