Bahnhofstrasse : Wirrwarr um das alte Pissoir

Seit September 2012 ist das denkmalgeschützte Pissoir aus Sicherheitsgründen gesperrt. Ein Zettel informiert die Passanten darüber.
Seit September 2012 ist das denkmalgeschützte Pissoir aus Sicherheitsgründen gesperrt. Ein Zettel informiert die Passanten darüber.

Die Stadt will es sanieren, aber es gehört (noch) der Bahn / Anlage ist wegen fehlender Verkehrssicherheit gesperrt

shz.de von
29. November 2013, 05:30 Uhr

Das Sanierungsgutachten steht, ein geeigneter Schlosser ist längst schon gefunden, und eigentlich sollte das historische Pissoir an der Bahnhofstraße bereits Anfang des Jahres restauriert werden. Doch dann schaute Denkmalschützerin Christiane Wilbrandt von der Stadt noch mal genau in die Bücher des Liegenschaftsamtes – und erlebte eine Überraschung: „Wir unterhalten und pflegen das Gebäude schon seit über zehn Jahren. Ich dachte, es ist Eigentum der Stadt. Aber es gehört der Deutschen Bahn“, sagt sie. Und so begann eine Posse, deren Ende noch offen ist.

Eigentlich möchte die Stadt nach Aussage von Christiane Wilbrandt die seit 2007 denkmalgeschützte ehemalige Männerbedürfnisanstalt nämlich kaufen. Erste Gespräche mit der Bahn habe es auch schon gegeben, sagt Wilbrandt und nennt einen konkreten Ansprechpartner. „Der Kontakt zur richtigen Stelle bei einem so großen Unternehmen wie der Bahn war nicht einfach, aber jetzt war wenigstens schon mal jemand da.“

Auf Nachfrage des Couriers bestritt eine Bahn-Sprecherin gestern allerdings ausdrücklich einen Kontakt mit der Verwaltung in dieser Angelegenheit. „Uns liegt nichts vor. Das Pissoir steht zwar eigentlich nicht zum Verkauf, aber wenn die Stadt Neumünster Interesse daran hat, kann sie gerne an uns schreiben. Wir sind dann zu einem Gespräch bereit“, sagte sie.

Für den städtischen Kanalmeister Rüdiger Brandt ist vor allem die Verkehrssicherheit wichtig – und die ist seit September 2012 nicht mehr gegeben. „Die Füße sind durchgerostet, vor allem aber ist der Ablauf ins Kanalsystem defekt und muss dringend saniert werden“, sagt er. Deshalb ließ er das Pissoir zunächst mit Flatterband sperren. Doch mancher Mann nutzte die Stätte trotzdem weiter. Nun blockiert ein Bauzaun den Zugang, ein angehefteter Zettel informiert Passanten darüber, dass die Sperrung womöglich länger dauert.

Infokasten: Die Rotunde

Das Pissoir ist vermutlich 1898 zusammen mit vielen weiteren im Stadtgebiet aufgestellt worden. Die „Rotunde“ entstand in der Gründerzeit überall dort, wo mit  Menschenansammlungen zu rechnen war. Hier war ihr Bau mit dem Neubau der katholischen St. Maria-St.Vicelin-Kirche verknüpft. Dieses Kleinod ist eine frühe Stahlkonstruktion, die schmiedeeisern verziert ist.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen