Bundestagswahl : Wirbel um Plakate mit Martin Luther

Denkmal des Reformators Martin Luther  mit der von ihm ins Deutsche übersetzten Bibel in der Hand. Sein Thesenanschlag in Wittenberg wird auf das Jahr 1517 datiert.
Denkmal des Reformators Martin Luther mit der von ihm ins Deutsche übersetzten Bibel in der Hand. Sein Thesenanschlag in Wittenberg wird auf das Jahr 1517 datiert.

Propst Stefan Block zeigt sich erbost über NPD-Wahlwerbung. Grüne und FDP mahnen von der Kirche mehr Souveränität an.

shz.de von
28. August 2017, 08:00 Uhr

Neumünster | Die Plakatwerbung der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) zur Bundestagswahl am 24. September mit dem Konterfei von Martin Luther verärgert die Kirche. Propst Stefan Block zeigte sich am Wochenende „sehr befremdet“ von den Plakaten mit dem Spruch „Ich würde NPD wählen“.

„Martin Luther und seine reformatorische Botschaft werden hier auf absurde Weise instrumentalisiert und verdreht – dazu von einer Partei, die, wie das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat, verfassungsfeindlich gesinnt und mit dem Nationalsozialismus wesensverwandt ist“, teilte Block mit. Martin Luther hätte eben nicht die NPD gewählt, sondern habe an die zentralen biblischen Inhalte erinnert, sagte der Propst. Er ergänzte: „Insofern sind für mich auch andere Plakate der NPD völlig unerträglich, wie zum Beispiel wenn dort ein Flüchtlingsboot mit dem Satz verbunden wird, man wolle die Luft rauslassen. Solche Botschaften sind geeignet, eine Stimmung von Hass, Feindseligkeit und Gewalttätigkeit zu schüren. Das steht in krassem Gegensatz zur Botschaft Jesu und empört nicht nur mich, sondern auch viele Neumünsteraner, die mich in den letzten Tagen angesprochen haben.“

Die Kirche sehe ihre Aufgabe nun vor allem darin, hier klar und unüberhörbar zu widersprechen. „Nicht nur der Instrumentalisierung Luthers durch die NPD, sondern ebenso ihren anderen inhumanen Parolen. Und wir wissen: Damit sind wir nicht allein, auch hier in Neumünster nicht“, sagte der Propst. Er regte an, in einem breiten gesellschaftlichen Bündnis solchen Parolen klar und vernehmlich entgegenzutreten. „Denn diese sind nicht nur unchristlich, sondern stehen nach meiner Meinung teilweise auch im Gegensatz zur im Grundgesetz festgeschriebenen Unantastbarkeit der Würde jedes Menschen und gefährden unser friedliches Zusammenleben“, so Block.

Auch die Ratsfraktionen reagierten verärgert. „Die Plakate der NPD entlarven deren menschenverachtende Einstellung. Die missbräuchliche Darstellung Luthers im Reformationsjahr ist perfide. Hier werden wieder bewusst Grenzen überschritten“, monierte die SPD-Kreisvorsitzende Kirsten Eickhoff-Weber. Der BFB-Fraktionsvorsitzende Jörn Seib verlangte, die Stadt müsse prüfen, ob der Tatbestand der Volksverhetzung bestehe. Ähnlich äußerte sich der CDU-Kreisvorsitzende Wolf Rüdiger Fehrs. Er betonte jedoch zugleich: „Wahlplakate dürfen nicht zerstört werden. Das wäre Sachbeschädigung.“ Trotz ihrer Empörung mahnten Grünen-Fraktionschef Thomas Krampfer und der FDP-Kreisvorsitzende Reinhard Ruge zur Gelassenheit. „Das muss die Kirche aushalten“, so Krampfer. Ruge ergänzte: „Gegen Geschmacklosigkeit kann man nicht juristisch angehen. Hier ist Souveränität angesagt.“ Propst Block widerspricht: „Hier geht es nicht um irgendeine Werbung, sondern darum, dass Grundpositionen Luthers, der Reformation und der christlichen Ethik verfälscht und verdreht werden, um sie für eine inhumane Geisteshaltung zu missbrauchen.“ Das sei nicht akzeptabel.

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