Heiligabend im Krankenhaus : „Wir wollen für die Menschen da sein“

Elisabeth Pott (von links), Sabine Buck und Peter Hansen bauen die Krippe in der Jona-Kapelle im FEK auf.
Elisabeth Pott (von links), Sabine Buck und Peter Hansen bauen die Krippe in der Jona-Kapelle im FEK auf.

Am Heiligabend kommen viele Patienten in der Jona-Kapelle im Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster zusammen.

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23. Dezember 2017, 17:12 Uhr

Neumünster | Still sitzt die junge Frau auf ihrem Stuhl. Ein paar Tränen kullern über ihre Wangen. Denn während Diakon Peter Hansen am kleinen Altar von der Geburt Jesu erzählt, steht auch ihr in wenigen Stunden eine Geburt bevor. Doch ihr Kind ist bereits tot. Das war Heiligabend vor einem Jahr. Es ist ein besonderer, ein anderer Gottesdienst mit besonderen Gästen, der auch morgen wieder in der Jona-Kapelle stattfindet. Die Jona-Kapelle selbst ist auch an einem besonderen Ort – Haus C, 2. Etage, mitten im Friedrich-Ebert-Krankenhaus.

Wer dort Weihnachten feiert, will eigentlich gar nicht an diesem Ort sein. „Das FEK versucht alles, damit alle Patienten, denen es irgendwie möglich ist, zumindest für ein paar Stunden bei ihren Familien und Angehörigen feiern können“, sagt die evangelische Pastorin Sabine Buck. Sie hält in diesem Jahr den Gottesdienst um 15 Uhr. Es geht auch angesichts der weltpolitischen Lage um die Sehnsucht nach Leben, Lieben und Licht.

Die Zeichnung der Madonna von Stalingrad des deutschen Lazarettarztes Kurt Reuber (1906–1944), die zu Weihnachten 1942 entstand, steht diesmal im Fokus. Klein, aber fein wird die Feier im ehemaligen OP-Saal sein, der gerade saniert wurde und nun auch durch das Kreuz und die große Krippe, einer Leihgabe aus der profamierten Heilig-Kreuz-Kirche in Tungendorf, an einen Kirchenraum erinnert.

Im Rollstuhl, zum Teil sogar im Bett liegend kommen die Patienten von allen Stationen. Der ehrenamtliche Betreuungsdienst und Helfer aus der katholischen Gemeinde sorgen dafür, dass jeder, der möchte, an der ökumenischen Feier teilnehmen kann. Meist sind auch Verwandte dabei.

Besinnlich, friedlich ist die Zeremonie, mit Geigen- oder Orgelmusik. „Ein fröhliches Krippenspiel findet man hier ganz bewusst nicht“, sagt Diakon Hansen, der seit 1990 am FEK arbeitet. Die Atmosphäre sei eine andere. Die Menschen beschäftigten sich mit Leben und Tod, hoffen, gesund zu werden. „Viele erleben die Ohnmacht und Hilflosigkeit. Sie fühlen sich stärker in Gottes Hand“, ergänzt Elisabeth Pott, die seit 13 Jahren als katholische Krankenhaus-Seelsorgerin tätig ist.

Gerade die Menschen, die kurz vor Weihnachten ins Krankenhaus kommen, weil sie sonst keinen Platz haben, aber auch die Sterbenskranken beschäftigen sie. „Ich habe mit alten Menschen aus der Geriatrie gesungen, die sich so gefreut haben.“

„Die Menschen sind dünnhäutiger und damit auch offener für menschliche Begegnungen“, weiß auch Sabine Buck aus ihrer fünfjährigen Tätigkeit am FEK. Viele, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten nicht in der Kirche waren, würden hier gerade an den Adventssonntagen und an Heiligabend viel Kraft und Freude aus dem Gottesdienst ziehen. „Wir hören oft: Das war ja eine schöne Feier!“ Einige würden dann auch wieder in die Kirche eintreten. „Doch das ist nicht unser Anliegen. Wir leisten hier keine Missionsarbeit“, stellt die Pastorin fest.

Das Seelsorger-Team sei für alle Menschen im Krankenhaus zuständig, egal welcher Konfession. Die Hauptarbeit ist im Alltag ohnehin auf den Stationen in den Krankenzimmern. Ob beim Singen im OP-Saal oder den tröstenden Worten auf der Kinderstation. „Es geht darum, für die Menschen da zu sein“, sagt das Trio. Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Der Gottesdienst an Heiligabend ist für alle Interessierten offen.

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