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Holsteinischer Courier

21. Oktober 2017 | 14:57 Uhr

Wittorf : „Wir wollen das Therapiezentrum“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neue Wendung im Streit um Praxis am Igelweg: Patienten werben für den Neubau. Anlieger stellen Klage vorerst zurück und setzen auf Gespräche

von
erstellt am 09.Okt.2013 | 09:00 Uhr

Im Streit um das geplante Therapiezentrum am Wittorfer Igelweg gibt es möglicherweise doch noch einen Kompromiss: „Die Klage ist zunächst aufgeschoben. Wir setzen auf Gespräche mit der Stadt“, sagte gestern Igelweg-Anlieger Carsten Rückemann. Der Nachbarschaft sei an einer „fairen Lösung“ gelegen und nicht an einer langwierigen Klage, sagte Rückemann. Ein von den Anliegern beauftragter Anwalt und die Stadt sollen jetzt über mögliche Nachbesserungen verhandeln.

Einige Anlieger fühlen sich von der Stadt übergangen, weil die auf einem ehemaligen Tennisplatz zwischen Jugendzentrum und den Sportanlagen von Blau-Weiß Wittorf den Bau eines Praxiszentrums erlauben will. Der Wittorfer Physiotherapeut und Heilpraktiker Rüdiger Hamborg will auf dem Gelände ein Therapiezentrum mit gut 300 Quadratmetern Nutzfläche errichten. Die Nachbarn befürchten zusätzlichen Verkehr vor ihrer Haustür und machen gegen die Bebauung mobil: Die Praxis passe nicht in ein reines Wohngebiet, meinen die Gegner und kündigten in der vergangenen Woche eine juristische Überprüfung an (der Courier berichtete).

Der Protest könnte für die Anlieger allerdings zum Bumerang werden, wenn der Investor seinen Entwurf jetzt um zusätzliche Wohneinheiten ergänzt, um ihn juristisch wasserdicht zu machen. Tatsächlich hatte der Bauausschuss im Februar dem Verkauf des städtischen Grundstücks unter der Prämisse zugestimmt, dass es eine anteilige Wohnbebauung gibt. Die war in den bisherigen Plänen aber offenbar nicht oder nicht hinreichend dargestellt.

Grundstückskäufer Rüdiger Hamborg, der derzeit am Fuchsweg eine eigene Praxis betreibt, wollte sich dazu gestern nicht äußern: „Wir sprechen mit der Bauverwaltung.“ Die Befürchtung, der Praxisbau könne zu unzumutbaren zusätzlichen Verkehrsbelastungen am Igelweg führen, wies er zurück: „50 Prozent der Patienten kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad.“

Unverhoffte Rückendeckung bekam der Physiotherapeut gestern aus der weiteren Nachbarschaft. „Wir wollen das Therapiezentrum“, meldeten sich gestern Felicitas (73) und Josef Helmers (74) aus dem Ochsenweg zu Wort. Seit Jahren hoffe man im ganzen Stadtteil vergeblich auf eine neue Arztpraxis; da gelte es doch zumindest die bestehende medizinische Versorgung zu stützen, statt sie mit dünnen Gründen zu torpedieren, meint Felicitas Helmer. Den Protest der Anlieger hält sie für „Jammern auf hohem Niveau.“

Die 73-Jährige leidet seit ihrer Jugend an einem irreparablen Wirbelsäulenschaden. Um ihre Schmerzen im Griff zu behalten und sich überhaupt noch bewegen zu können, ist sie drei- bis viermal in der Woche in Behandlung – derzeit in der Praxis Hamborg am Fuchsweg. Gerade ältere Menschen seien dankbar für medizinische Hilfe in der Nähe, sagt Felicitas Helmers: „Und in unserem Viertel leben viele ältere Menschen. Das sollten die Jüngeren bedenken.“

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