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Grossenaspe : „Wir müssen etwas tun und nicht nur schimpfen“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mögliche Einlagerung von Bauschutt aus dem AKW-Rückbau stößt in Großenaspe auf großes Misstrauen.

Grossenaspe | Die Großenasper sind mehr als skeptisch gegenüber einer möglichen Einlagerung von 5000 Tonnen belasteten Bauschutts aus dem Atomkraftwerk (AKW)-Rückbau (der Courier berichtete) auf der Deponie der Großenasper Entsorgungsgesellschaft (GEG) Dies wurde auf der Sitzung der Gemeindevertretung am Mittwochabend deutlich, an der 60 Einwohner teilnahmen, um sich erste Informationen zu dieser Idee aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume zu holen.

Insgesamt fielen die Informationen jedoch spärlich aus. Bürgermeister Torsten Klinger (CDU) bestätigte noch einmal, dass es ein Gespräch zu diesem Thema mit Umweltminister Robert Habeck (Grüne) gegeben habe und Reimer Brüggen (Geschäftsführer der GEG), wiederholte, dass bisher noch keine offizielle Anfrage vorliege.

Allerdings ergänzte Brüggen auf Fragen aus dem Publikum, dass die Deponie nicht grundsätzlich verpflichtet sei, solchen Abfall anzunehmen. Außerdem führte er aus, dass es sich nach seinem Dafürhalten bei dem Bauschutt um Material handle, der schon jetzt auf der Deponie entsorgt werde. „Ich bin kein Experte für Strahlenschutz. Aber es geht nicht um gelbe Fässer oder gefährlichen Abfall. Ich möchte Sie bitten, das Thema unaufgeregt zu betrachten und sich zu informieren“, erklärte er.

Beruhigend wirkten diese Erläuterungen auf die Besucher allerdings nicht. „Wir haben ein Wasserwerk in nächster Nähe. Wer kann uns garantieren, dass wir nicht krank werden?“, wurde ebenso besorgt geäußert wie die Annahme, dass das Dorf für Neubürger an Attraktivität verliere. „Wir holen uns den Müll hierher, von dem wir wissen, dass er gefährlich ist. Dann zieht doch kein Mensch mehr nach Großenaspe“, mutmaßte Michael Stenzel aufgebracht. Und Traute Asbahr, die bereits über die Vereine und Institutionen im Ort eine Unterschriftensammlung gegen die Entsorgung gestartet hat, merkte man an, dass diese Art des Abfalls eine auch große emotionale Belastung in sich trägt: „Wir müssen etwas tun und nicht nur schimpfen. Denn wenn der Abfall so ungefährlich ist, warum fragt man uns dann überhaupt“, sagte sie und erntete damit allgemeinen Applaus.

Rolf Hoffmann, der als ehemaliger Strahlenschutzingenieur mit der Materie vertraut ist, gab der Gemeindevertretung zur Einwohnerversammlung, die nun am 18. Juli um 19 Uhr in Timms Gasthof stattfinden wird, dagegen einen Rat. „Man muss dieses Thema sehr differenziert betrachten. Deshalb sollte nicht nur das Ministerium seine Position kundtun dürfen, sondern unabhängige Fachleute müssten gehört werden. Denn wir können uns nicht auf die Aussagen derjenigen verlassen, die das Zeug loswerden wollen“, erklärte er.  


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