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Stadtentwicklung : „Wir müssen den Kunden mehr bieten“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Neuer Buchhandel und neues Fachgeschäft für Wanderschuhe auf dem Großflecken: Die Inhaber glauben an die Zukunft der südlichen Innenstadt

Neumünster | „Ganz schön mutig!“ – Den Satz hat Tina Krauskopf (48) in den vergangenen Tagen öfter gehört. Eine Geschäftseröffnung in Zeiten, in denen die Auswirkungen der Holsten-Galerie noch gar nicht absehbar sind, und dann auch noch in einer Branche, die sich großenteils ins Internet verabschiedet hat, ist das nicht riskant? – Aber die Buchhändlerin glaubt an ihre Chance. Unterstützt von zwei Kollegen, Jan-Willem Bülck und Christiane Schukies, hat sie gestern die neue Buchhandlung Krauskopf auf dem Großflecken 32 eröffnet. In den lichten Räumen direkt gegenüber vom großen Pavillon will die Geschäftsfrau künftig auch mit kleinen Lesungen oder einem regelmäßigen Literaturkreis für Leben sorgen. „Wir müssen den Kunden heute mehr bieten, dann klappt es es auch mit der Neubelebung des Großfleckens“, ist die Buchhändlerin überzeugt.

Für Neumünsteraner Lesefreunde ist Tina Krauskopf keine Unbekannte: Fast 14 Jahre hat die gebürtige Plönerin in der Buchhandlung Rathje am Großflecken 33 die Kunden betreut, leitete dann drei Jahre die Buchhandlung Nordlicht in Boostedt und war zuletzt Filialleiterin bei Lübbert an der Mühlenbrücke, bevor sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Als das Schuhgeschäft Tamaris seinen Standort am Großflecken räumte, griff sie zu: „Der Standort ist für uns ideal“, sagt Tina Krauskopf, die fest an eine Zukunft des Großfleckens glaubt und dabei vor allem auf eine noch stärkere Kundenansprache setzt. Um den Kunden etwas mehr bieten zu können, will sie auch mit den Nachbarn stärker kooperieren: Warum nicht mal einen Whisky-Abend mit Lesung? „Wir sollten versuchen, uns gegenseitig zu bestäuben“, sucht die Buchhändlerin den Schulterschluss mit anderen Geschäften am Großflecken.

Bei Bodo Möller läuft sie damit offene Türen ein: „Wir haben bereits über Ideen für einen Reisevortrag in der Buchhandlung gesprochen“, sagt Möller. Nur wenige Tage vor Tina Krauskopf hat er am Wochenende am Großflecken 54 ein neues Fachgeschäft für Wanderschuhe und Outdoor-Bedarf eröffnet. Der Outdoor-Profi und ehemalige Mitarbeiter von Sack & Pack hat das Schuhgeschäft seines einstigen Arbeitgebers übernommen und ist ebenfalls von einer guten Zukunft des Großfleckens als Geschäftsstandort überzeugt. Die Holsten-Galerie habe viele Geschäftsleute am südlichen Großflecken verunsichert, inzwischen gebe es aber deutliche Anzeichen dafür, dass das Center den Großflecken befruchte: „Wir sehen täglich die Kunden vom Parkplatz am Waschpohl zur Holsten-Galerie ziehen, da kommen sie auch bei uns vorbei.“ Natürlich habe die Holsten-Galerie auf dem Großflecken Löcher gerissen, „aber die füllen sich auch wieder“, ist Möller überzeugt.

Tatsächlich scheint der Umbruch auf dem Großflecken mit dem Abzug der Filialen, die in die Holsten-Galerie umgezogen sind, keineswegs beendet: Im ehemaligen Schnellrestaurant Nordsee ist seit kurzem die Boutique Hold zuhause, für Orsay kam die Bäckerei Brotrock, für das Schuhgeschäft Tamaris jetzt die neue Buchhandlung Krauskopf.

Allerdings ist die Anzahl der Lücken noch groß: So gibt es dem Vernehmen nach noch immer keine Nachmieter im Kuhberg-Karree, immerhin direkt gegenüber der neuen Holsten-Galerie. Mit Hugendubel und Jeans Fritz hatten hier gleich zwei Filialisten das Feld geräumt.

City-Manager Michael Keller, der die Entwicklung aufmerksam verfolgt, verweist zwar auf „positive Wechselbeziehungen zwischen Holsten-Galerie und Großflecken“, verschweigt aber auch nicht die Probleme: Das spätestens Mitte kommenden Jahres schließende Karstadt-Kaufhaus bleibe ein Unsicherheitsfaktor, auch in der Lütjenstraße bleibe die Lage wegen der Vielzahl der Leerstände angespannt, räumt Keller ein.

Ein weiterer Problemfall könnte demnächst mit dem Parkcenter hinzukommen: Einer der letzten verbliebenen Ankermieter, Woolworth, will den Standort aufgeben und voraussichtlich im Januar in die ehemaligen Geschäftsräume von H & M am Großflecken umziehen. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte gestern entsprechende Pläne.

 

STANDPUNKT

Keine Frage, die Holsten-Galerie hat den Handel in der Stadt  gehörig aufgemischt. Wer zieht rein, wer zieht weg  oder macht dicht, wenn das neue Center  kommt? Und vor allem: Kann der restliche Großflecken überhaupt überleben, wenn die Super-Einkaufsmeile  unter einem Dach an der Start geht? Das waren die bangen Fragen,  die sich die betroffenen Geschäftsleute und wohl auch manche Kunden in den Monaten und Wochen vor Eröffnung der neuen Galerie immer wieder gestellt haben.

Jetzt  stellt sich heraus: Bange machen gilt nicht, der Großflecken  braucht sich  hinter dem gewaltigen Einkaufstempel am Bahnhof keineswegs  verstecken. Weil sich in der Galerie die Kaufkraftmagneten tummeln, ist eine gesunde Mischung  an alternativen  Fachgeschäften im Umkreis noch lange nicht überflüssig. Und clevere Händler mit neuen Ideen haben das offenbar auch begriffen. Das  soll die bestehenden  Probleme  rund um die Neubelebung des Großfleckens (Karstadt, Pflasterung, Attraktivitätssteigerung) nicht kleinreden – aber es macht Mut.

 

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erstellt am 01.Dez.2015 | 18:16 Uhr

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