Boostedt : „Wir möchten zeigen, dass es uns gut geht“

Begeisterung über den Besuch des Ministerpräsidenten: Torsten Albig (Zweiter von rechts) stand für Fotos und kurze Gespräche gern zur Verfügung. Unterstützt wurde er dabei von Sirwan Baban (rechts), der als Dolmetscher in der Boostedter Einrichtung arbeitet.
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Begeisterung über den Besuch des Ministerpräsidenten: Torsten Albig (Zweiter von rechts) stand für Fotos und kurze Gespräche gern zur Verfügung. Unterstützt wurde er dabei von Sirwan Baban (rechts), der als Dolmetscher in der Boostedter Einrichtung arbeitet.

Ministerpräsident Torsten Albig war gestern zu Besuch in der Boostedter Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge.

shz.de von
31. Juli 2015, 05:30 Uhr

Boostedt | Das sorgte unter den Bewohnern für Furore: Im Rahmen seiner Sommerreise besuchte Ministerpräsident Torsten Albig gestern die Flüchtlingserstaufnahmestelle in Boostedt. Dort wurde er bei seinem Rundgang nicht nur von der Leiterin Katja Ralfs vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten und Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU) begleitet. Auch viele Bewohner der Einrichtung zeigten großes Interesse am hohen Besuch. Viele zückten ihr Mobiltelefon, um sich mit ihm zu fotografieren.

„Wir freuen uns über diesen Besuch. Und wir möchten unseren Leuten zeigen, dass es uns hier gut geht“, erklärte dazu unter anderem Adnan Ebrahim (30), der aus Syrien flüchtete.

Besichtigt wurden von Torsten Albig die Polizeistation ebenso wie die Krankenstation und der „Kindergarten“. Mit großem Interesse informierte er sich hier sowohl bei den Mitarbeitern als auch im Gespräch mit den Flüchtlingen über die Stimmung in der Einrichtung. Diese wird von allen Seiten als gut und freundlich empfunden. In der vergangenen Woche hatte es hier sogar ein großes Fest zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan gegeben, das gemeinsam mit zahlreichen Ehrenamtlern aus dem Ort gefeiert wurde.

„Die Liegenschaft ist gut in Schuss. Die Unterbringung ist menschenwürdig. Und die Courage, mit der der Bürgermeister hier von Anfang an für die Einrichtung geworben hat, verdient Respekt. Denn dies ist keine leichte Aufgabe. Aber die Boostedter haben gezeigt, dass sie sich dieser Aufgabe stellen und ihr Bestes tun, um den Menschen zu helfen“, sagte Albig. „Ich wünsche mir, dass ihr hier Heimat findet und Wurzeln schlagt. Fremdheit macht Sorgen und Angst. Doch um diese zu überwinden, gilt es einander kennenzulernen. Und dass viele Bürger hier die Nähe suchen, ist ein gutes Zeichen“, erklärte Torsten Albig an die Asylbewerber gerichtet.

Dennoch ließ der Ministerpräsident keinen Zweifel daran, dass er für die Länder, auf denen auch finanziell die Hauptlast der zunehmen Flüchtlingsströme liegt, mehr Unterstützung erwartet. „Die Flüchtlinge kommen nach Deutschland. Und dabei haben sie nicht das erklärte Ziel nach Boostedt zu kommen. Die Flüchtlingspolitik ist eine Bundesaufgabe, von der wir erwarten, dass sich der Bund nun auch endlich zu dieser bekennt und entsprechend handelt“, forderte Albig.

Was dringend gebraucht werde, sei zum einen eine Antwort auf die bisher viel zu lange dauernde Verfahrensbearbeitung sowie auch auf eine tragfähige, zukunftsorientierte Integrationspolitik sowie eine Überarbeitung des Asylrechts. Dennoch werde es in Schleswig-Holstein auch in diesem Jahr einen Wintererlass geben, der die grundsätzliche Abschiebung von Asylbewerbern verbiete. „Aber hier werden wir nachjustieren, um diejenigen, die nur kommen, um Geld zu kassieren, schnell wieder in ihre Herkunftsländer wie zum Beispiel den Kosovo zurückzuschicken. Aber auch hierbei muss man mit Umsicht die Situation der Flüchtlinge unterscheiden“, sagte Albig, bevor er sich mit den Flüchtlingen an den Mittagstisch setzte.

„Ich bin stolz auf meine Gemeinde und auf die Menschen, die hier Großartiges leisten. Dennoch beobachte ich die zunehmend angespannte Situation, insbesondere in den Städten und Gemeinden, die ja letztlich für die Asylantragsteller verantwortlich sind, mit großer Sorge. Hier muss jetzt aus der Politik einfach mehr kommen“, erklärte Bürgermeister Hartmut König.

Die Flüchtlingserstaufnahmestelle in Boostedt beherbergt aktuell rund 480 Bewohner. Damit ist die, vom Land zugesicherte Höchstzahl praktisch erreicht.  


 

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