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Internationaler Frauentag : „Wir möchten, dass türkische und deutsche Familien gemeinsam den Tag feiern“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Alevitische Kulturverein lud zum zweiten Mal zu einer Kennlern-Veranstaltung ein.

Neumünster | Seit 99 Jahren findet der Internationale Frauentag am 8. März statt, bei dem sich alles rund um die Gleichstellung und die Rolle der Frau in der Gesellschaft dreht. Am Sonnabend hat der Alevitische Kulturverein den Auftakt zu einer auf zwei Wochen angelegten Veranstaltungsreihe gegeben.

Der überwiegend aus türkischstämmigen Frauen und Männern bestehende Verein beteiligt sich zum zweiten Mal am Weltfrauentag. Rund 50 interessierte Frauen, aber auch Kinder und Männer fanden sich in der Altonaer Straße 12 ein, um sich in lockerer Atmosphäre bei Essen, Tee und Kaffee auszutauschen. „Wir möchten, dass türkische und deutsche Familien gemeinsam den Tag feiern“, erklärte Güler Öztürk. Sie gehört dem Frauenvorstand des Vereins an, der die Veranstaltung organisiert hat. „Ich möchte die Kultur kennen lernen, weil man im Grunde wenig voneinander weiß“, erklärte eine ältere deutsche Besucherin. „Denn gerade die Älteren scheinen gerne unter sich zu bleiben und unterhalten sich in ihrer Heimatsprache. Dabei wäre es doch eine Bereicherung, wenn sie versuchen würden, sich mit uns zu unterhalten,“ meinte sie.

Dazu konnte Züleyka Akkaya von der Alevitischen Gemeinde etwa sagen: „Die Älteren möchten einfach weiterleben, wie sie es gewohnt sind. Sie trauen sich bisweilen nicht zu, eine neue Sprache zu lernen.“ Züleyka Akkaya ist Mitte 50 und lebt seit ihrer Kindheit in Neumünster. In tadellosem Deutsch erzählte sie, dass sie viele gute deutsche und türkische Freunde in Neumünster hat. Schwierigkeiten habe sie nicht, abgesehen von einem schlimmen Überfall, den sie kurz nach ihrer Ankunft in Neumünster in den 70er-Jahren gemeinsam mit ihrem Bruder erlebt hatte. Damals waren die beiden Kinder. Der Überfall wurde von Deutschen verübt, aber auch unter Muslimen gebe es Vorbehalte gegenüber Aleviten, erklärte sie: „In der Türkei werden Aleviten teilweise noch immer unterdrückt.“ Eine von mehreren alevitischen Strömungen ist modern und offen gegenüber der Gesellschaft und vertritt die Trennung von Kirche und Staat. Meral Sevindik vom Vorstand in Neumünster erklärte, dass Aleviten an Allah glauben, aber weder Besuche in einer Moschee noch Koranauslegungen eine Rolle spielen. Züleyka Akkaya ergänzte, dass Schwein gegessen werden dürfe und Lebensmittel nicht „halal“ sein müssten, also erlaubt im Sinne des Koran. Auch gäbe es keine Hierarchie zwischen Frauen und Männern.

Maike Enge von der Frauen-Union der CDU unterhielt sich angeregt und meinte: „Ich bin gerne hier, man kann in netter Atmosphäre gute Gespräche führen.“ Auf dem Programm standen musikalische Vorführungen auf traditionellen Instrumenten sowie ein Video-Vortrag über die Stellung der Frau im Alevitentum.

Meral Sevindik schätzt die Anzahl alevitischer Familien in Neumünster auf 300, etwa 116 Familien sind Mitglieder im Kulturverein.

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