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Holsteinischer Courier

20. September 2017 | 22:18 Uhr

,,Wir machen eigentlich Nachbarschaftshilfe“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Klasse BFGE 14b der Elly-Heuss-Knapp-Schule besuchte die Tafel und erhielt wertvolle Einblicke

von
erstellt am 22.Jun.2015 | 13:54 Uhr

„Beeindruckt hat mich die Offenheit der Kinder, die einen mit lachenden Gesichtern und strahlenden Augen empfangen haben.“ Das war das Fazit eines Schülers nach dem Besuch bei der Tafel. In Rahmen des Projektes „Zeitung in der Schule“ (Zisch) hatte die Klasse BFGE 14b der Elly-Heuss-Knapp-Schule die Einrichtung besucht:

Ein verschlossenes Gitter und niemand zu sehen. Als wir um 15 Uhr die Tafel besuchten, waren schon alle Arbeiten erledigt, da von 9 bis 14 Uhr die Lebensmittel und Konserven von allen Supermärkten in Neumünster abgeholt werden. Es wird abgeholt, was übrig bleibt: Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden dürfen, weil sie nicht mehr frisch sind oder auch das Verfallsdatum erreicht haben. Diese würden sonst in den Müllcontainern landen, wo es dann bedürftige Menschen wieder „herausfischen“ würden. Beim sogenannten „Containern“ besteht aber die Gefahr, dass die Menschen erkranken. Um die Kühlkette einzuhalten, holt die Tafel Lebensmittel mit dem durch zahlreiche Spenden finanzierten Kühlwagen ab.

Eine der aufwendigsten Aufgaben kommt allerdings erst nach dem Abholen der Ware: das Sortieren. Die Waren werden entweder direkt in die Regale einsortiert, kommen in das Lager oder werden gleich eingefroren, um nichts wegwerfen zu müssen. „Es gibt auch Tage, da sitzen hinten Frauen und schnippeln Gemüse zum Einfrieren“, sagt Tafel-Leiterin Christina Arpe. Die Ehrenamtlichen sortieren jeden Vormittag, festangestellte Mitarbeiter sucht man vergebens, und Hilfe wird immer gerne angenommen.

Alle Lebensmittel werden wie in einem „Tante Emma- Laden“ angeboten. „Warum?“ Christina Arpe lächelt: „Wir wollen die Menschen in die Pflicht nehmen. Sie brauchen nicht nur Lebensmittel, sondern auch eine Aufgabe!“ Was übrigbleibt, geht an den Tierpark oder an andere Tafeln. „Eigentlich sind wir eine Lebensmittelrettungsgesellschaft“, sagt sie.

„Wozu brauchen Sie noch Spenden, wenn Sie alles geschenkt bekommen?“, fragt jemand. Spendengelder werden, zum Beispiel in Versicherungen, Sprit, Nebenkosten und vor allem in die Kühlwagen investiert. Wenn noch Geld übrig ist, werden Ausflüge mit der Kindertafel geplant.

Wir sind erstaunt, was hier alles gemacht wird. „Beratet ihr auch bei Problemen?“, „Ja, aber nur, wenn wir um Rat gefragt werden, wir unterliegen auch der Schweigepflicht“, antwortet Christina Arpe. Manchmal fragen die Kinder, ob sie auch das Jugendamt kontaktieren würden, die Tafelmitarbeiter antworten dann meistens. „Ja, wenn wir sehen, dass es dir nicht gut geht.“

Unser Fazit: Die Tafel bietet Hilfe in vielen Lebenslagen. Christina Arpe sagt: ,,Wir machen eigentlich nichts anderes als Nachbarschaftshilfe“.

 

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