Neumünster : „Wir fasten, um feiern zu können“

Ida ( von links), Lasse, Safina, Felix, Cordina und Fiete haben abgestimmt und aufgeschrieben, worauf ihre Gruppen verzichten wollen. Eine Gruppe geht nicht auf die Hochebene zum Spielen.
Ida ( von links), Lasse, Safina, Felix, Cordina und Fiete haben abgestimmt und aufgeschrieben, worauf ihre Gruppen verzichten wollen. Eine Gruppe geht nicht auf die Hochebene zum Spielen.

Kirchen-Kitas in der Stadt verzichten auf Spielzeuge, bestimmte Spielbereiche oder Süßes.

meyer_gunda the real-.jpg von
20. Februar 2018, 09:00 Uhr

Seit Aschermittwoch läuft die Fastenzeit. Aber Kindergarten und Fasten – geht das? „Ja, und das schon seit vielen Jahren“, sagt Dietrich Mohr von der Kindertagesstätte Ruthenberger Rasselbande. Wie einige Kirchen-Kitas in der Stadt lernen auch die Ruthenberger Kinder schon in ganz jungem Alter, was Verzicht bedeutet.

„Natürlich verzichten die Kinder nicht auf Lebensmittel, sondern sie einigen sich in ihrer Gruppe darauf, von was sie sich wie lange verabschieden wollen“, erklärt Mohr.

„Wir gehen nicht in die Hochebene“ erzählt Safina. Dort spiele ihre Gruppe besonders gern. Das Spiel mit Puppen muss also warten. „Wir haben die Zeit genutzt und die Puppen alle gewaschen“, erklärt Mohr den praktischen Nebeneffekt. Idas und Lasses Gruppe hingegen hat sich entschieden, in der Fastenzeit keine Spielzeugautos zu nutzen. „Das ist schon schwer“, sagt der Junge, vor allem, wenn die anderen Gruppen damit weiterhin spielen. „Schlimm ist der Verzicht aber nicht.“

Auf einem Zettel wurde mit Symbolen festgehalten, auf was und wie lange gefastet wird. Aber wissen die Kinder auch, warum sie bis Ostern verzichten? „Damit wir dann feiern können“, sagt Safina. „So in etwa, wir werden in der Zeit ganz viele Geschichten über Jesus und den biblischen Hintergrund zu der Zeit bis Ostern erzählen, und zum Abschluss gibt es ein Fest zum Fastenbrechen“, präzisiert Mohr. In den Familien werde eher weniger gefastet, aber die Erzieher machen zum Teil auch mit. „Ich verzichte auf Fleisch“, erklärt Mohr.

Auch in der katholischen Kita St. Elisabeth werden die Kinder an die Fastenzeit herangeführt. „Aschermittwoch waren wir im Gottesdienst, und für Palmsonntag bereiten wir zum Beispiel Palmenstöcke vor“, erklärt Kita-Leiterin Kirsten Göpner.

Jede Gruppe entscheide sich zudem, welches Opfer sie bringen möchte. Das reiche von Süßigkeiten bis zu Spielzeug. „Wir haben zum Beispiel im Vorjahr jede Woche die Spielzeuge reduziert, das hatte einen total kreativen Effekt: Die Kinder haben sich aus Gebrauchsgegenständen etwas zum Spielen gebaut“, sagt Kirsten Göpner. Auch in der katholischen Kita hat die Fastenzeit Tradition: „Seit der Gründung vor 112 Jahren ist das Opferbringen in der Zeit vor Ostern jedes Jahr Thema“, so die Kita-Leiterin.

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