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Boostedt : „Wir erklären die Vorteile einer freiwilligen Ausreise“

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zurzeit werden 20 abgelehnte Asylbewerber in Boostedt betreut.

Boostedt | Das Landesamt für Ausländerangelegenheiten hat seit dem Herbst in der Boostedter Flüchtlingserstaufnahmestelle die Landesunterkunft für Ausreisepflichtige (Luka) eingerichtet (der Courier berichtete). Zur Verfügung stehen 300 Plätze für rechtskräftig abgelehnte Asylbewerber. Doch zurzeit werden hier von rund 30 Mitarbeitern lediglich 20 Menschen betreut, die überwiegend aus den Balkanstaaten, unter anderem Serbien, Mazedonien, dem Kosovo und Albanien sowie aus Armenien stammen.

Dennoch sorgt die Luka im Dorf nach wie vor für negative Gerüchte. Denn wer keine Bleibeperspektive habe, dem sei doch sowieso alles egal. Und eine Zentralisierung der Ausreisepflichtigen gefährde den Frieden im Ort, ist immer wieder zu hören. Einen konkreten Anlass für diese Annahme gibt es allerdings nicht. Denn weder in der Aufnahmestelle noch in der Gemeinde kam es bisher zu Zwischenfällen, die diese Aussagen rechtfertigen würden.

„Die Ausreisepflichtigen, die uns von den Ausländerbehörden überstellt werden, sind den anderen Bewohnern gleichgestellt. Es gibt für sie keinerlei Einschränkungen. Wir gehen mit ihnen bis zum letzten Tag wertschätzend um. Denn es geht ja um die Freiwilligkeit der Rückkehr. Diese hat für das Land nach wie vor Priorität“, erklärt die stellvertretende Luka-Leiterin Karina Suchalla.

Grund für die Einrichtung der zentralen Beratungsstelle sei, dass die Ausländerbehörden immer noch stark überlastet seien. „Dort bleibt einfach keine Zeit für ein aktives Rückkehrmanagement. Doch genau dies benötigen die Menschen, da sie ihre rechtliche Situation oft falsch einschätzen oder über den ‚Buschfunk‘ schlecht informiert sind“, erläutert sie.

Das spezielle Beratungsangebot, das von Dolmetschern begleitet wird, ermögliche den Rückkehrern sich ihrer Lage bewusst zu werden. „Außerdem erklären wir die Vorteile einer freiwilligen Ausreise. So können zum Beispiel Reisekosten und die Organisation des Transfers übernommen werden. Ebenso helfen wir aber auch bei der Beschaffung benötigter Medikamente. Spezielle Förderprogramme ermöglichen den Betroffenen zudem, ihr Leben vor Ort wieder selbst in die Hand zu nehmen. Und viele sagen schon nach dem ersten Gespräch, dass sie nur noch nach Hause wollen“, berichtet Karina Suchalla.

Mit einem ablehnenden Bescheid durch das Bundesamt soll die Ausreise eigentlich innerhalb einer Woche erfolgen. Doch die Aufenthaltsdauer richte sich letztlich nach den persönlichen Umständen. „Dies können medizinische Gründe sein. Aber auch fehlende Papiere oder besondere familiäre Bindungen führen zu einem längeren Verbleiben“, erklärt Jörg Jänicke, stellvertretender Sachgebietsleiter der verfahrens- und aufenthaltsrechtlichen Betreuung in der Erstaufnahmestelle in Neumünster. „Asylbewerber, die wenig Aussicht auf ein Bleiberecht haben, werden jedoch zurzeit gar nicht mehr an die Kreise weitergeleitet. Sie bleiben bis zum Entscheid in der Unterkunft“, teilte er mit.
 

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