Windkraft sorgt weiter für Wirbel

Der Timmasper Windpark soll auf Wunsch der Mehrheit der Anwohner nicht vergrößert werden.  Die Timmasper fürchten jetzt aber die Auswirkungen der Anlagen, die in der Nachbargemeinde Schülp geplant sind. Foto: Böge
Der Timmasper Windpark soll auf Wunsch der Mehrheit der Anwohner nicht vergrößert werden. Die Timmasper fürchten jetzt aber die Auswirkungen der Anlagen, die in der Nachbargemeinde Schülp geplant sind. Foto: Böge

Viele Timmapser sind verärgert: Nach ihrem Einspruch gegen größere Rotoren in der Gemeinde werden jetzt Anlagen im nahen Schülp gebaut

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14. Januar 2013, 07:54 Uhr

Timmaspe | Das Nein der Timmasper hat nichts genützt: Die großen Windkraftanlagen, die sie auf dem eigenen Grund und Boden ablehnen, werden ihnen nun von der Nachbargemeinde vor die Nase gesetzt.

Seit mehr als zehn Jahren produzieren bereits zehn Windkraftanlagen mit einer Rotorspitzenhöhe von rund 100 Metern in der Gemeinde Timmaspe Strom. Für weitere und vor allem größere Kraftanlagen war die Mehrheit der Timmasper nicht zu haben. Bei einem Bürgerentscheid im Oktober 2011 sprachen sich 80 Prozent der damals genau 888 Wahlberechtigten gegen eine Erweiterung des Windparks um vier neue Anlagen mit einer Spitzenhöhe von rund 150 Metern aus. Die Anlagen seien zu laut, der Schattenwurf noch länger und die wegen der Höhe angebrachten weißen und roten Blitzlichter würden bei Tag und Nacht stören, hieß es. Außerdem fürchteten viele einen Wertverlust ihrer Immobilien. Doch was die Timmasper nicht wollten, wird nun bald vor ihrer Haustür stehen.

Denn die Nachbargemeinde Schülp hat ein Eignungsgebiet genau für die Generation von Windräder ausgewiesen, für die die Mehrheit der abstimmungsberechtigten Timmasper nicht zu haben war. Und das auch noch in geringerer Entfernung als die abgelehnten Kraftanlagen. Denn die erste neue Timmasper Anlage wäre in einer Entfernung von rund 2,5 Kilometer zur vorhandenen Bebauung in freier Natur hinter dem bestehenden Windpark aufgestellt worden. Jetzt bekommen die Timmasper eine der vier auf Schülper Land geplanten Anlagen an der Nahtstelle in Richtung Gnutz direkt vor die Nase gesetzt - in einer Entfernung von etwa 450 Metern.

"Damit haben wir genau das, was damals die Mehrheit bei uns im Dorf vehement ablehnte. Noch schwerwiegender ist aber der finanzielle Verlust für unsere Gemeinde. Durch die verpasste Erweiterung verzichten wir über den Zeitraum von 20 Jahren auf eine Gewinnbeteiligung von rund einer Million Euro. Das wäre ein Geldsegen für soziale Einrichtungen in der Gemeinde wie zum Beispiel Schule, Kindergarten oder Freibad, der allen Timmaspern zu Gute gekommen wäre", sagen jetzt einige der einst überstimmten Befürworter der Windparkerweiterung. Für sie geht es in Timmaspe auch nicht um die Sache. "Wer hier offen für die Windkraft einsteht, wird persönlich angefeindet und an den Pranger gestellt. Dabei ist die mit neun Cent pro Kilowattstunde geförderte Windkraft die mit Abstand billigste Energieerzeugung für die Bürger", meinen die Befürworter, die ihre Namen jedoch lieber nicht in der Zeitung sehen wollen.

Während das Reizthema Windkraft die Gemüter in Timmaspe erhitzte, lief nach Aussage des Schülper Bürgermeisters Volker Ratjen in seiner Gemeinde "alles geräuschlos und ruhig" über die Bühne. Dort gründete sich eine örtliche Betreibergesellschaft, um die Wertschöpfung aus der Energiegewinnung im Dorf zu halten. Nach dem derzeitigen Planungsstand sind drei Anlagen mit einer Rotorspitzenhöhe von 126 Metern im Gespräch. Die vierte Anlage soll eine Spitzenhöhe von 146 Metern haben.

Den Aufstellungsbeschluss haben die Ortspolitiker bereits abgesegnet, nachdem sich bei zwei nachbarschaftlichen Anhörungsverfahren aus den Umlandgemeinden keine Widersprüche ergaben. Voraussichtlich wir im Juni oder Juli der Bauantrag für die neuen Windkraftanlagen gestellt.

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