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Bönebüttel : Windkraft an der „Hölle“ wirft Fragen auf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zuwegung, Umweltgutachten, Fledermäuse: Bönebütteler müssen auf die Anhörung warten.

Bönebüttel | Wenn die Gemeinde Bönebüttel die Planungshoheit für die vom Land in der Gemeinde ausgewiesene Eignungsfläche für Windenergie behalten will, muss die Planung fortgesetzt werden. Montag stellte Norbert Jeß vom Bornhöveder Planungsbüro Czierlinski den Bebauungsplan für das Gebiet noch einmal in der Gemeinde vor. Allerdings gab es Kritik von den Politikern, was das Umweltgutachten angeht.

Die Gemeinde hat das Büro mit der Bauleitplanung beauftragt. Danach sollen westlich vom Waldstück „Hölle“ auf einer 33 Hektar großen Fläche sechs Windkraftanlagen gebaut werden. Die Anlagen sollen eine Höhe von 100 Metern nicht überschreiten. Das ergibt sich aus der dort festgelegten maximalen Bauhöhe von 129 Metern über Normalhöhennull (NHN), sprich dem Meeresspiegelniveau. Bei einer Höhenlage von rund 30 Metern über NHN blieben knapp 100 Meter Bauhöhe für die Anlagen. Zu den Wohngebäuden soll ein Abstand von 900 Metern eingehalten werden.

„Vermeidbar war die Planung nicht“, erklärte Bönebüttels Bürgermeister Udo Runow (SPD). Seit 2008 beschäftigt sich die Gemeinde mit dem Thema. Ohne die Planung durch die Gemeinde hätte diese die Planungshoheit verloren und keinen Einfluss auf das Vorhaben mehr gehabt. „Unsere große Sorge war besonders das Repowern (Tausch der alten Anlage gegen eine leistungsfähigere). Dabei hätten irgendwann deutlich größer Anlagen entstehen können“, erklärte Runow. Allerdings waren trotz Zustimmung der Bönebütteler Gemeindevertretung zur aktuellen Änderung des Flächennutzungsplans nicht alle Bürger und Gemeindevertreter mit der vorgestellten Planung einverstanden.

Wie Gemeindevertreterin Birgit Wriedt (UWG) bemängelte, sei ein vom Planer Prokon in Auftrag gegebenes Umweltgutachten lückenhaft, unvollständig und in Teilen nicht nachvollziehbar. So seien allein die Weißstorchbeobachtungen sachlich falsch.

Anlieger hatten bereits Vorverträge mit Prokon geschlossen. Wie der Bürgermeister mitteilte, soll bei Prokon laut Insolvenzverwalter alles weiterlaufen.

Außerdem, so eine Anregung des Bönebütteler Jägers Klaus Banck, sollte darüber nachgedacht werden, ob für das Bauvorhaben erforderliche Ausgleichsflächen nicht anstelle von Flächen in einem anonymen Ökokonto als Naturschutzflächen in der Gemeinde entstehen könnten. „Außerdem ist die für den Bau und den Betrieb der geplanten Anlagen erforderliche Zuwegung noch nicht endgültig geklärt“, meinte Planer Norbert Jeß. Auch eine komplette Streichung des Projekts sei noch möglich. So gebe es noch keine verbindliche Aussage aus dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und ländliche Räume zu den Mindestabständen des Waldstücks „Hölle“. Zwar gebe es einen Mindestabstand von 200 Metern. Der könne aber auch allein durch das Vorkommen der im Umfeld jagenden Fledermausarten auf 500 Meter ausgeweitet werden. Dann wäre der Standort gestorben, da die Abstände der Anlagen nicht mehr ausreichen. Eine verbindliche Aussage gebe es hierzu allerdings erst mit der öffentlichen Auslegung und Anhörung.

Außerdem war die Bebauung im Bereich des ehemaligen Gasthofes Husberger Hof Thema. Wie Udo Runow auf Anfrage erstaunter Bürger mitteilte, hat die Gemeinde dort ihren Planungseinfluss aufgeben müssen. Die seinerzeit auferlegte Veränderungssperre sei rechtlich nicht haltbar gewesen. „Die Kommunalaufsicht hat dort für die jetzt erfolgte Bebauung grünes Licht gegeben“, erklärte Runow. Dadurch sind höhere und größere Gebäude entstanden, als es ursprünglich von der Gemeinde gewünscht war.



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erstellt am 08.Okt.2014 | 16:45 Uhr

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