Interview mit Theda Hatlapa und Isabelle Mahnert : Wildpark Eekholt: Umweltbildung seit 50 Jahren

Sie leben für den Wildpark Eekholt und lieben die Natur: Gründerin Theda Hatlapa (90) und ihre Enkelin Isabelle Mahnert (38), die seit 2007 Besitzerin der Umweltbildungseinrichtung ist.
Sie leben für den Wildpark Eekholt und lieben die Natur: Gründerin Theda Hatlapa (90) und ihre Enkelin Isabelle Mahnert (38), die seit 2007 Besitzerin der Umweltbildungseinrichtung ist.

Theda Hatlapa und Isabelle Mahnert sprechen über das Lebenswerk und die Coronakrise.

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08. April 2020, 19:37 Uhr

Vor 50 Jahren, am 5. Mai 1970, wurde der Wildpark Eekholt bei Großenaspe von Dr. Hans-Heinrich und Theda Hatlapa gegründet und ist seitdem eine Umweltbildungseinrichtung. Etwa 700 Tiere (rund 100 Tierarten) kann man erleben, 40 feste Mitarbeiter und mehr als 60 Aushilfen in der Saison sorgen für einen reibungslosen Ablauf. 282.881 Menschen besuchten den 67 Hektar großen Wildpark im vergangenen Jahr. In diesem Jahr wird mit einem dramatischen Besucherrückgang gerechnet, denn wegen der Corona-Pandemie ist Eekholt seit dem 16. März geschlossen, und auch die großen Osterveranstaltungen müssen ausfallen.

Über die Anfänge von Eekholt und die Auswirkungen der Krise sprach Courier-Redakteurin Susanne Otto mit Gründerin Theda Hatlapa (90) und ihrer Enkelin Isabelle Mahnert (38). Die Tierärztin ist seit 2007 Besitzerin des Wildparks und lebt mit Ehemann Walter (39) und den Kindern Franziska (7) und Henry (3) in der Nähe.

Frau Hatlapa, wie kamen Sie auf die Idee, den Wildpark vor 50 Jahren mit Ihrem Mann zu gründen? War der Park von Anfang an für Publikum geöffnet?
Theda Hatlapa: Neben seiner Tätigkeit in der Hatlapa Uetersener Maschinenfabrik interessierten sich mein Mann, Dr. h.c. Hans-Heinrich Hatlapa (✝ 2009, Anm. der Redaktion), und ich sehr für den Schutz und Erhalt unserer Natur. Der Vater meines Mannes hatte hier im Kreis Segeberg ein Jagdgebiet mit kleinem Wohnhaus und dadurch kannte und liebten wir beide dieses Fleckchen Erde an der schönen Osterau.

Mit der Wildtierforschung fing es an

Um diesen besonderen Ort zu erhalten und zu erweitern, nutzten wir jede Gelegenheit, wenn es dort ein Stückchen Land zu kaufen gab. Da mein Mann neben seinem Beruf auf dem Gebiet der Wildtierforschung tätig war, entstand hier ein Wildtierforschungsgebiet und als erstes ein Rotwild-Gehege zur Erforschung und Optimierung der Wildtierimmobilisation. Die Prototypen der Gewehre zur Immobilisation konnten wir dazu in der eigenen Firma entwickeln.

Dieses Projekt zog viele interessierte Leute an. Vor allem an den Wochenenden kamen immer mehr Leute, um dieses Rotwild anzuschauen und sich daran zu erfreuen.
Daraus entstand im Jahr 1970 unsere Idee, einen privaten Wildpark zu gründen und diesen als Wildpark Eekholt anzumelden. Es fing ganz klein an, aber das Interesse der Leute war so groß, dass kontinuierlich weitere heimische Wildtiere und Gehege dazu kamen. Daraus entstand auch die Entwicklung der Wildpark-Eekholt-Umweltpädagogik. Und damit ging es erst richtig los, und der Bekanntheitsgrad und Zustrom wuchs mit dem wachsenden Angebot der Umweltbildung.

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Der Ursprung war die Forschung auf dem Gebiet der Wildtierimmobilisation, daraus entwickelten sich die Wichtigkeit und der Ausbau der Umweltbildung, auf dem Gebiet der Wildpark Eekholt führend wurde. Berühmte Persönlichkeiten wie Loki Schmidt und Heinz Sielmann erkannten früh die Ziele von Eekholt und die Wichtigkeit dieser Bildungsstätte, die es zu fördern galt.

Was denke Sie, wenn Sie die Entwicklung bis heute betrachten?
Theda Hatlapa: Ich denke, wir waren unserer Zeit voraus. Viele Leute belächelten uns oder hielten uns für Spinner.
Mein Man gilt zu Recht als Pionier der Umweltbildung und wurde 1989 mit der Ehrendoktorwürde von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ausgezeichnet. Ein weiterer wichtiger Erfolg für unsere Natur war, dass wir gemeinsam mit Gleichgesinnten in den 60er-Jahren gerade noch die Begradigung der durch den Wildpark fließenden Osterau verhindern konnten. Erst viel später bekamen wir die Anerkennung und viele Auszeichnungen für unser Engagement.

Frau Hatlapa, was bedeutet es für Sie, dass Ihre Enkelin Isabelle Mahnert jetzt Besitzerin von Eekholt ist?

Theda Hatlapa: Dass der Betrieb in der Familie bleibt und durch die Ausbildung meiner Enkelin zur Veterinärin, ihr großes Herz für Tier und Mensch und ihre Ehrfurcht vor der Schöpfung in den richtigen Händen ist.

Frau Mahnert, was bedeutet es für Sie, die Aufgabe Ihrer Großeltern fortzuführen?
Isabelle Mahnert: Eine große Verantwortung und eine sinnstiftende Aufgabe. Aber ich bin nicht diejenige, die das alleine fortführt, das machen wir Eekholter zusammen. Es ist eine Aufgabe von vielen, und ich bin sehr dankbar, dass ich mich auf so viele Menschen und ihre Freude am Wirken für die gemeinsame Sache verlassen kann.

In der 50-jährigen Geschichte ist Eekholt wegen der Corona-Pandemie erstmals für mehrere Wochen und auch über Ostern geschlossen. Was bedeutet das für Sie persönlich und geschäftlich?

Isabelle Mahnert: „Das war erstmal ein Schock. Da wir gehofft haben, dass der weitläufige Wildpark, der für die Menschen ja auch ein Ort der Regeneration und Entspannung in der Natur bedeutet, geöffnet bleiben kann. Für uns bedeutet das eine noch nie da gewesene Herausforderung, da von heute auf morgen keine Einnahmen mehr bei fast gleichen Ausgaben anfallen.

Gerade zum Auftakt der Saison, so kurz vor unserem 50-jährigen Jubiläum und über Ostern ist das natürlich besonders hart. Oberste Priorität hat jetzt die weitere gute Versorgung unserer Wildparktiere und das Erhalten von Arbeitsplätzen.

Dafür sind wir aber auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Wir sind ein rein privater Betrieb, der viele gemeinnützige Aufgaben übernimmt, ohne dass wir dafür bisher staatliche institutionelle Unterstützung erhalten würden. Wir hoffen, dass unser langjähriges Engagement für Natur, Artenschutz und Bildung diesmal nicht nur mit Auszeichnungen, sondern auch mit finanzieller Unterstützung honoriert wird.

Ich bin berührt und voller Dankbarkeit für das aufmunternde Feedback von vielen Menschen, die uns in diesen Zeiten die Treue halten und mit der Übernahme von Tierpatenschaften, dem Kauf einer Jahreskarte, bemalen von „Eekholt-Steinen“ oder einer privaten Spende unterstützen.

Wie haben sich Abläufe in Eekholt durch die Corona-Pandemie geändert?
Isabelle Mahnert: Home-Office ist bei uns keine machbare Alternative. Ich bin unserem Geschäftsführer Wolf von Schenck, der mit Besonnenheit, viel Herzblut und stets positiver Ausrichtung den Wildpark auch jetzt durch diese Krise navigiert, und der tollen Unterstützung und dem Zusammenhalt aller Eekholter unglaublich dankbar. Gemeinsam werden wir es schaffen!

Zwie Teams in der Tierpflege

Um die Versorgung der Wildparktiere zu gewährleisten, haben wir zwei Teams in der Tierpflege gebildet. Eines, das vor Ort ist, und ein Reserveteam. Wir müssen auf Kurzarbeit umstellen und das bedeutet intern einiges an Um- und Neuorganisation. Im Wildpark selber ist es jetzt ruhiger, doch in der Verwaltung haben wir dadurch besondere Herausforderungen und alle Hände voll zu tun.

Leben Sie mit Ihrer Familie direkt im Wildpark? Wenn ja: Sind Sie dann 24 Stunden und 365 Tage im Jahr im Dienst?

Isabelle Mahnert: Mein Mann, meine Kinder und ich leben jetzt etwa 20 Minuten zu Fuß vom Wildpark entfernt auf einem landwirtschaftlichen Hof. Diesen wollen wir neu beleben und zu einem bereichernden Ort für die Menschen, die dort leben, für Boden, Tiere und Pflanzen um  uns herum (Permakultur, Wildniswissen, Leben im Einklang mit der Natur) und vielleicht später auch für ein größeres Umfeld gestalten. Und das gerne zusammen mit motivierten Menschen, denen das genauso am Herzen liegt. (Mit einem Schmunzeln) Wenn Sie meinen im Dienste für den Wildpark, für meine Kinder und einfach im Dienst zu einer schöneren Welt für alle beitragen zu wollen meinen – ja, dann bin ich wohl 365 Tage im Jahr im Dienst.

Welcher ist Ihr Lieblingsplatz in Eekholt?

Isabelle Mahnert: Es ist kein einzelner Platz. Ich liebe die Vielfalt im Wildpark und ganz besonders die Osterau und die vielen bezaubernden Plätze, wo man erlebt, wie sie sich so wunderbar durch alles hindurch schlängelt.
Theda Hatlapa: Besonders gerne bin ich in unserem Teil Moor und Heide und genießen die besondere Schönheit dieser Landschaft. Hier waren auch schon unsere Kinder so gerne und begeistert von der Moorbahn, von der man dort noch ein kleines Stück der Schienen und eine Lore findet. Auch unsere Nachfolgerin Isabelle und ihr Mann Walter haben in Moor und Heide bei schönstem Wetter und Storchenkonzert kirchlich geheiratet.

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