Lessingpark in Neumünster : Wildes Katzen-Camp wird aufgelöst

Anwohnerin Edda Hein hat im Katzen-Camp Futter hingestellt. Kater Paule lässt es sich bereits schmecken. Sein rundliches Aussehen lässt laut Dr. Stephanie Jette Uhde, Leiterin des Tierheims Neumünster, auf Diabetes schließen.
Anwohnerin Edda Hein hat im Katzen-Camp Futter hingestellt. Kater Paule lässt es sich bereits schmecken. Sein rundliches Aussehen lässt laut Dr. Stephanie Jette Uhde, Leiterin des Tierheims Neumünster, auf Diabetes schließen.

Der Tierschutzverein fängt die letzten Tiere am Wasserturm ein. Die Katzen sind eine Gefahr für Kinder und Schwangere.

shz.de von
19. Januar 2018, 07:45 Uhr

Neumünster | In der Stadt ist der Platz schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten bekannt. Wer seine Katze „loswerden“ will, bringt sie in den Lessingpark an die ehemalige Bahnstrecke nach Ascheberg. Auf dem verwilderten und zum Teil eingezäunten weitläufigen Gelände haben selbst ernannte Tierschützer kleine Hütten und Zelte für die Samtpfoten aufgebaut. Regelmäßig füttern sie die Tiere, die das Angebot gerne annehmen. Damit soll nun Schluss sein. Der Tierschutzverein hat bereits acht Katzen der Kolonie am Wasserturm eingefangen. Mindestens zwei laufen noch herum und sollen in den kommenden Tagen mit Lebendfallen gefasst werden.

„Von den Tieren geht eine nicht zu unterschätzende Gefahr aus, gerade für Kinder und Schwangere“, sagt Dr. Stephanie Jette Uhde, Leiterin des Tierheims Neumünster. Denn: In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich ein Spielplatz. Die Katzen, die voll mit Würmern und oft auch ansonsten gesundheitlich angeschlagen sind, können lebensbedrohliche Krankheiten wie Toxoplasmose übertragen. Problematisch ist vor allem die Erstinfektion von Schwangeren, da der Erreger auf das Ungeborene übergehen und schwere Fruchtschäden verursachen kann, sowie die Infektion bei Personen mit einem gestörten Immunsystem. „Auch Kinder können krank werden, wenn sie etwa mit dem Katzenkot im Sand in Kontakt kommen“, warnt die Tierärztin. Daher handelte der Tierschutzverein sofort, als Edda Hein von dem Problem bei einem Besuch der Tiertafel berichtete.

Die rüstige ältere Dame füttert seit Jahren die Katzen und kennt alle beim Namen. „Paule, Anobis und Flitzi sind noch da. Braunnase, Lilly, Lieschen und Püppi konnten wir schon einfangen“, erzählt sie. Früher habe ihr immer ein älterer Herr geholfen, doch der sei plötzlich verstorben. Nun stehe sie alleine da und könne die Aufgabe nicht mehr bewältigen. „Es fehlt mir auch das Geld für das viele Futter“, sagt sie.

Stephanie Jette Uhde will aufklären und mahnt: „Rein rechtlich gesehen wird derjenige, der eine Katze füttert, zum Eigentümer.“ Die Stadt könne daher theoretisch Edda Hein dazu verpflichten, für die Katzen aufzukommen. Das übernimmt nun aber der Verein, der schon einen vierstelligen Betrag für Therapien, Impfungen und Operationen der eingefangenen Katzen aufgebracht hat und sich über Spenden freut.

Einige Tiere sind bereits untergekommen, weitere will der Tierschutzverein ab der kommenden Woche über seine Homepage vermitteln.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen