Zoff in Neumünster : Wie viele Gelbe Säcke braucht der Mensch?

Volle Gelbe Säcke liegen stapelweise vor einem Mehrfamilienhaus. /Symbolfoto

Volle Gelbe Säcke liegen stapelweise vor einem Mehrfamilienhaus. /Symbolfoto

In Neumünster ist man sich nicht ganz eins: Das Bündnis für Bürger fordert jetzt einen größeren Vorrat gelber Säcke.

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21. Februar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Die Müllentsorgung über die gelben Säcke sorgt für Diskussionen in Neumünster. Weil einzelne Ausgabestellen zwischenzeitlich keinen Nachschub hatten, stellte Esther Hartmann (Bündnis für Bürger) nun eine Kleine Anfrage. Antwort der Verwaltung: „Das Technische Betriebszentrum (TBZ) als Auftragnehmer der Dualen Systeme hält gelbe Säcke in ausreichender Menge vor.“

Palettenweise stapeln sich im TBZ die gelben Säcke. Mitarbeiter Peter Franz holt sich aus einem Karton Nachschub für sein Müllfahrzeug.
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Palettenweise stapeln sich im TBZ die gelben Säcke. Mitarbeiter Peter Franz holt sich aus einem Karton Nachschub für sein Müllfahrzeug.

Über zwei Millionen Stück wurden 2017 ausgegeben. Gut 44.000 Euro zahlte die Stadt dafür. Umgerechnet ist das gut ein Euro pro Haushalt in Neumünster. Dies entspreche einem Verbrauch von etwa 1,8 Säcken alle 14 Tage je Haushalt, rechnet die Stadt vor und ergänzt: „Erfahrungsgemäß kommen Verbraucher – ausgenommen größere Familien – mit einem Sack alle 14 Tage aus.“ Das sieht Esther Hartmann ganz anders: „Zwei Säcke braucht man mindestens“, sagt sie. Zudem reichen ihr die 21 Ausgabestellen im Stadtgebiet nicht aus: „Eigentlich müsste es überall dort, wo Ware in Plastikverpackungen verkauft wird, auch gelbe Säcke geben.“

„Unrealistisch“, nennt TBZ-Chef Ingo Kühl das. Der Aufwand der Verteilung werde dann viel zu groß. Neumünster sei schon gut ausgestattet. „Kiel zum Beispiel ist dreimal so groß, es gibt insgesamt aber nur drei Ausgabestellen“, sagt er. Auf Engpässe hat die Stadt dennoch reagiert. Große Märkte, die von Besuchern aus dem Umland stark frequentiert werden und bei denen ein großer Bedarf an gelben Säcken festzustellen war, wurden aus der Liste der Ausgabestellen gestrichen. Betroffen davon ist nach Courier-Informationen unter anderem der Familia-Markt am Haart.

Zusatzkosten für mehr gelbe Säcke müssten aus der Stadtkasse bezahlt werden, betont Ingo Kühl, denn: „Wir arbeiten gerade kostendeckend.“ Die Politik habe 1993 die Entscheidung getroffen, dass das TBZ die gelben Säcke abholt. Das passiert seitdem auch. Die letzte Ausschreibung bis Ende 2019 hat das TBZ zum zweiten Mal direkt gewonnen, zuvor arbeiteten die Mitarbeiter als Subunternehmer.

Kühl verweist auch darauf, dass viele Bürger gelbe Säcke zweckentfremdeten. „Das geht von Leuten, die ihre Pfandflaschen darin zum Automaten tragen, bis hin zu ganzen Häuserwänden, die wir damit schon abgedeckt vorgefunden haben.“

Esther Hartmann stört auch, dass die gelben Säcke „sehr schnell einreißen und der Müll sich auf der Straße verteilt“. Das sei Absicht, sagt Ingo Kühl. Die Maximalstärke sei begrenzt, da die Säcke später in Sortieranlagen maschinell aufgerissen werden. „Das wird uns vom Dualen System vorgegeben.“ Gelbe Tonnen seien keine Alternative, da sie teurer werden und das TBZ hierfür keine Müllautos habe. „Dann würden wir die Ausschreibung nicht mehr gewinnen und Arbeitsplätze verlieren.“ Außerdem, so Kühl, steige erfahrungsgemäß die Fehlwurf-Quote. Die Prüfung sei zwar noch nicht abgeschlossen, er tendiere aber auch nach 2019 weiter zu Säcken und werde das in eine Vorlage für den Rat schreiben. Dieser muss letztlich entscheiden.

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