„Berliner Compagnie“ in Neumünster : Wie Kriege entstehen

Kritische Blicke aufs neue Konzept: Chefredakteur Steven Ditte (Jean-Theo Jost, Mitte), setzt seine Kollegen Horst Dieter Wenk (Rondo Beat, von links), Eva-Maria Hohlbein (Elke Schuster), Walter Löffelholz (H.G. Fries) und Tatjana Prymatschenko (Natascha Menzel) über die Neuausrichtung der Zeitung in Kenntnis.
Kritische Blicke aufs neue Konzept: Chefredakteur Steven Ditte (Jean-Theo Jost, Mitte), setzt seine Kollegen Horst Dieter Wenk (Rondo Beat, von links), Eva-Maria Hohlbein (Elke Schuster), Walter Löffelholz (H.G. Fries) und Tatjana Prymatschenko (Natascha Menzel) über die Neuausrichtung der Zeitung in Kenntnis.

Die „Berliner Compagnie“ beleuchtete bei ihrer Aufführung in der Kant-Schule den Ukraine-Konflikt, Putin, die Politik der USA und die Rolle der Medien. Das Publikum war begeistert.

shz.de von
04. November 2017, 10:00 Uhr

„Nichts ist heute wichtiger als das hartnäckige Bemühen, die andere Seite zu verstehen“, finden die Mitglieder der „Berliner Compagnie“. Am Donnerstag legte das Theaterensemble mit seinem Stück „Das Bild vom Feind. Wie Kriege entstehen“ ein beeindruckendes Zeugnis dieser Haltung vor knapp 300 Besuchern in der Aula der Immanuel-Kant-Schule ab.

Die Akteure waren auf Einladung des Friedensforums Neumünster, der Schule und der Ökumenischen Arbeitsstelle des Kirchenkreises Altholstein zu Gast in Neumünster. Eine Vormittagsveranstaltung war 220 Oberstufenschülern vorbehalten, zur öffentlichen Aufführung am Abend kamen 65 interessierte Besucher.

Seit ihrer Gründung vor 36 Jahren hat sich die Berliner Compagnie laut Satzung „dem Erhalt des Friedens, der Völkerverständigung sowie sozialer Gerechtigkeit, insbesondere im Hinblick auf die Dritte Welt“ verschrieben. Mittlerweile sind 27 Theaterproduktionen zur Entwicklungs-, Friedens- und Menschenrechtsproblematik entstanden. Erderwärmung, die Ausbeutung Afrikas oder die Macht der Lobbyisten – sämtliche Stücke basieren auf Fakten.

„Das Bild vom Feind. Wie Kriege entstehen“ zeichnet den seit vier Jahren schwelenden Ukraine-Konflikt nach, lässt die Konfliktparteien zu Wort kommen, deckt die geopolitischen Interessen Russlands und der USA auf und entlarvt den Gleichklang der Medien. Das klingt komplex und war es auch. Mit einer großartigen Inszenierung (Elke Schuster), tollen Schauspielern und vielen guten Ideen brachte das Ensemble Licht ins Dunkel des eskalierenden Konfliktes.

Ort des Geschehens ist die Redaktion einer linksgerichteten Zeitung in Deutschland. Die Auflage schwindet, der Verleger kündigt eine Neuausrichtung seines Blattes an. Der von ihm eingesetzte Chefredakteur Steven Ditte (Jean-Theo Jost) soll bei den Redakteuren Eva-Maria Hohlbein (Elke Schuster), Horst Dieter Wenk (Rondo Beat) und Walter Löffelholz (H.G. Fries) den neuen politischen Kurs durchsetzen. Erste Aufgabe: eine Sonderbeilage über die Krise in der Ukraine. Zu seiner Unterstützung hat Ditte eine ukrainische Maidan-Aktivistin als Volontärin mitgebracht. Tatjana Prymatschenko (Natascha Menzel) stellt mit ihren Erzählungen manch eine festgefahrene Meinung ihrer Kollegen in Frage. Was in der Ukraine geschehen ist, der Aufstand gegen Präsident Janukowitsch, die „Annexion“ der Krim durch Russland, der Bürgerkrieg in Donbass – das alles wird nicht nur von den Ukrainern, sondern auch in der Redaktion sehr unterschiedlich beurteilt. Was die einen als berechtigte Revolution sehen, ist für die anderen ein illegitimer Putsch.

Mit nur drei weißen Bierbänken und fünf Kunststofftabletts als Requisiten, einer schwarzen Bühne und schwarz-weißen Kostümen gelang es den fünf Darstellern, eine komplex verfahrene Situation eindringlich darzustellen und dazu noch die Rolle der Medien zu beleuchten. „Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht einen Journalisten aus“, beschreibt Chefredakteur Ditte seine Zunft. „Theater muss Vergnügen bereiten, sonst endet es in Bedrückung“, hieß es von Seiten des Ensembles. Die Zuschauer waren begeistert.




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