Wie die Glocken haben auch Menschen ihren Rhythmus

boehm-alexander-z

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28. Juli 2014, 14:20 Uhr

Einmal in der Woche ist in der Christuskirche Bordesholm das „große Krabbeln“ angesagt. Immer Donnerstagvormittags treffen sich Eltern und Kinder zur Krabbelgruppe, um gemeinsam zu singen, zu krabbeln, zu schnacken und bei einem Becher Kaffee Gemeinschaft zu erleben. Am Ende jeder Krabbelgruppe singen wir das bei allen Beteiligten beliebte Liedchen: „Große Uhren machen Tick-Tack“. Und an einer Stelle heißt es dann: „Und die Kirchturmuhr macht Bim-bam – Bim-bam – Bim-bam“. Dabei lassen sich die Kinder wie Kirchturmglocken von ihren Eltern hin und her schwingen. Das ist für alle Beteiligten ein ziemlicher Spaß! Und je nach Größe und Alter der Kinder fällt es leichter oder schwerer, die „Glocken“ in Schwingung zu bringen.

Was spielerisch in der Krabbelgruppe nachgeahmt wird, gilt auch für echte Glocken. Bevor sie ins Klingen kommen, müssen sie in Bewegung gebracht werden. Dabei beginnt die Glocke erst richtig zu läuten, wenn sie ihren Rhythmus gefunden hat. Mit uns Menschen scheint sich das genauso zu verhalten. Jede und jeder hat seinen eigenen Lebensrhythmus. Wer den findet, ist mit sich selber im Einklang.

Wie oft werden wir in unserem Rhythmus gestört oder stören andere Menschen! Da kommt mir was in die Quere – und schon geht die Hetzerei los. Oder ich treibe meine Kinder an, sie sollen gefälligst schneller machen, obwohl ich weiß, dass dieses Gedrängel gar nichts bringt.

Wenn ich dann auch noch mit demselben Maßstab messe, so tue, als wären sie alle gleich schnell, groß, stark oder klug, verliere ich den Blick für ihre Unterschiedlichkeit. Dabei haben sie aber ein Recht darauf, in ihrer unterschiedlichen Art und ihrer Einzigartigkeit gesehen zu werden.

Auf unserem Kirchturm hängen eben nicht nur vier gleiche Glocken mit derselben Größe, demselben Takt und Ton. Erst wenn sich jede nach ihrem Maß bewegt und anschlagen kann, ergeben sie ein Geläut, das harmonisch klingt. So ist es bei den echten Glocken auf unserem Turm, bei den Eltern und Kindern in der Krabbelgruppe und bei den Menschen im Allgemeinen: Wenn jede und jeder den eigenen Rhythmus findet und danach leben darf, entsteht eine gute Gemeinschaft – eine Gemeinschaft versöhnter Vielfalt im Angesicht Gottes. Die Bibel nennt das Frieden, Schalom.




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