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Erfolgsgeschichte : Wie aus Flüchtlingen Neumünsteraner wurden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

„Wenn ich genug Geld gespart habe, suche ich meine verschwundene Familie“, sagt Sinan (17). Der Iraner lebt seit kurzem in Neumünster.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2014 | 06:30 Uhr

Neumünster | Sinan (17) kam vor zwei Jahren aus Aserbaidschan an die Schwale, stammt aber eigentlich aus dem Iran. „Zuerst wollte ich nach England, weil da viele Landsleute leben. Aber ich wurde aufgegriffen“, erzählt er in ausgezeichnetem Deutsch. Nur ein leichter Akzent verrät, dass es nicht seine Muttersprache ist. Als er unfreiwillig in Neumünster strandete, verstand er erst einmal kein Wort. Doch Sinan ist ehrgeizig. Schnell lernte er die fremde Sprache und ging zur Walther-Lehmkuhl-Schule. Im Sommer hatte er schließlich seinen Hauptschulabschluss in der Tasche. England war vergessen.

Doch Sinan wollte mehr. Längst hatte er sich auf dem Ausbildungsmarkt umgeschaut. „Ich habe im Internet bei der Arbeitsagentur geschaut und einen freien Platz als Bodenleger gefunden. Sinan bewarb sich, wurde eingeladen und machte in seinen Osterferien sofort ein Praktikum. Danach hatte er den Ausbildungsvertrag in der Tasche. Seit Anfang August ist er jetzt in der Ausbildung bei der Firma Knutzen – und begeistert. „Heute haben wir Parkett verlegt. Die Mitarbeiter und die Kunden sind total nett“, berichtet er. Er möchte die Lehre auf jeden Fall beenden. Und dann? Vielleicht den Meister machen. Oder zur Schule gehen, studieren und Ingenieur werden. „Mal sehen, wie das Leben so spielt“, sagt er. Sinan würde gern in Deutschland bleiben. Hier gibt es nicht ständig Konflikte, hier kann ich in Ruhe leben. Ich bin glücklicher als früher“, meint er dankbar. Über seine Vergangenheit mag er nicht reden. Auch nicht über die Flucht oder Heimweh. Und dann sagt er doch leise: „Da gibt es jemanden aus meiner Familie, den werde ich nie vergessen.“

Ziauddin (17) ist erst seit einem Jahr in der Stadt. Er stammt aus Afghanistan, wuchs aber im Iran auf. Dort wurde er in den Fluchtwirren von seinen Eltern getrennt. Seitdem hat er nie wieder etwas von ihnen gehört. Zurzeit wohnt er in der Innenstadt in einer Wohngemeinschaft. Dort fühlt er sich wohl, kocht gern für seine Freunde, spielt mit ihnen Fußball und macht Musik. „Ich spiele ein wenig Keyboard und singe“, verrät er. Zu Weihnachten gab er seinen Mitbewohnern ein kleines Konzert. „Das waren afghanische Lieder. Ich konnte ja noch nicht so viel deutsch“, sagt Ziauddin. An der Walther-Lehmkuhl-Schule paukt er eifrig deutsch. „Es war immer mein Traum, zur Schule zu gehen. Der hat sich erfüllt“, sagt er. Außerdem macht er ein berufsvorbereitendes Jahr. Später möchte er eine Ausbildung absolvieren – zum Glaser oder Fensterbauer. Deshalb sieht er sich nach einem Praktikum um. „Irgendwann nach der Lehre werde ich arbeiten und Geld verdienen“, sagt Ziauddin. „Das Geld spare ich. Und dann suche ich meine Eltern.“

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