Grossenaspe : Wetterdienst bremst den Windpark weiter aus

Diese Anlagen stehen im Bürger-Windpark Wiemersdorf, an dessen Gelände sich das Großenasper Windparkprojekt anschließen soll.
Diese Anlagen stehen im Bürger-Windpark Wiemersdorf, an dessen Gelände sich das Großenasper Windparkprojekt anschließen soll.

Der geplante Großenasper Windpark liegt weiter auf Eis. Die Auswirkungen des Urteils vom Oberlandesgericht für die Umlandgemeinden sind noch unklar.

shz.de von
23. Januar 2015, 06:30 Uhr

Grossenaspe | Mit dem bestehenden Einspruch des Deutschen Wetterdienst (DWD) liegt der geplante Bürgerwindpark in Großenaspe weiter auf Eis. Gegen die ablehnenden Bescheide des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) wurde zwar bereits im November Widerspruch eingelegt. Doch eine Reaktion darauf haben die Betreiber bisher nicht erhalten. Und ob die Entscheidung des Oberlandesgerichts in Schleswig sich auf die Windparkplanung im Umland von Neumünster auswirken wird, ist noch ungewiss.

In seinem neuesten Urteil hat das Gericht entschieden, dass die Regionalpläne für Windeignungsgebiete in Schleswig-Holstein unwirksam sind. Diese Entscheidung hat nach Einschätzung von Bürgermeister Udo Runow keinen Einfluss auf die Planungen in Bönebüttel. Dort gibt es bereits einen B-Plan, die Gemeinde hat das Heft in die Hand genommen, um die Planungshoheit zu behalten, und die Planungen laufen im Konsens mit den Bürgern. Zurzeit geht es um die Möglichkeit, westlich vom Waldstück Hölle auf einer 33 Hektar großen Fläche sechs Windkraftanlagen bauen zu können. Die Anlagen sollen eine Höhe von 100 Metern nicht überschreiten. Die Gemeinde will sich rechtlich auf sicherem Terrain bewegen, weswegen nun auch noch Natur- und Denkmalschutz berücksichtigt werden müssen.

Der Ehndorfer Jens Schöttler gab sich zurückhaltend. Er ist Geschäftsführer der Hamburger e3-GmbH (erneuerbare energien europa) und hat sich bereits in verschiedenen Umlandgemeinden, darunter auch in Ehndorf und Wasbek, für Windparks stark gemacht. „Der Regionalplan ist als Beschränkung weg. Das kann man nutzen, aber ob man zum Ziel kommt, ist eine andere Sache“, sagte Schöttler gestern.

Inwieweit der geplanter Windpark in Großenaspe von dem Urteil betroffen ist, konnte Dr. Hans-Günther Lüth, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Bürger-Windpark Großenaspe, noch nicht zu sagen. „Das wird unser Justiziar jetzt prüfen, denn das Urteil birgt komplizierte Zusammenhänge“, sagte er. Allerdings gehe er davon aus, dass es nun zu einer Antragsflut von Investoren kommen werde. „Auch wir haben schon überlegt, welche Projekte wir wieder aus der Schublade ziehen“, erklärte der Ingenieur, der bundesweit im Windkraftanlagengeschäft arbeitet.

Was das Großenasper Projekt angeht, ist der Einspruch des Wetterdienstes eine Hürde. „In der Widerspruchbegründung haben wir durch eigene Gutachten die Behauptungen des DWD widerlegt, die Windkraftanlagen würden die Funktion des Wetterradars in Boostedt stören. Den Nachweis einer Störung ist der Wetterdienst selbst bisher dagegen schuldig geblieben“, erklärte Dr. Hans-Günther Lüth.

„Der DWD setzt zur Tornardoerkennung eine Software ein, die Wirbelstrukturen in zehn Erfassungshöhen erkennt. Die Messungen reichen dabei mit mehreren Kilometern Höhe und Ausdehnung deutlich über die Windkraftanlagen hinaus“, erläuterte er. „Wir sind nun gespannt, ob die Genehmigungsbehörde bei ihrer Begründung bleibt, der Einspruch des DWD sei plausibel“, so Lüth weiter.

Nach Auskunft des LLUR habe es laut Lüth zudem eine Anweisung von Umweltminister Dr. Robert Habeck (Grüne) gegeben, die Genehmigung für den Großenasper Windpark zu versagen. Gleichzeitig habe Habeck dem Bürgermeister Torsten Klinger jedoch Mut gemacht, vor Gericht zu ziehen, denn er sähe hier gute Chancen, dass die Großenasper das Verfahren für sich entscheiden könnten. „Wenn der Minister sich also öffentlich immer als großer Unterstützer der Energiewende hinstellt, kommt uns das doch sehr geheuchelt vor“, empörte sich der Geschäftsführer. Wie es für den Großenasper Windpark nun weitergehe, bleibe abzuwarten. Man sei aber mittlerweile auch auf den Klageweg vorbereitet, erklärte Lüth.

Seine Zustimmung verweigert der Deutsche Wetterdienst nun übrigens auch dem Antrag des sogenannten Repowering (Ersetzen alter Anlagen durch neue Anlagenteile mit höherem Wirkungsgrad) im Wiemersdorfer Windpark. „Erstaunlich ist dabei, dass der Wetterdienst einer Voranfrage zum Repowering im Jahr 2011 zugestimmt hatte“, berichtete Günther Lüth, der ebenfalls als Geschäftsführer für die Wiemersdorfer Anlagen zuständig ist, abschließend.  



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