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Aktionstag gegen den Schmerz : Wertvolle Tipps gegen das Dauerleid

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im FEK konnten Besucher sich zum Thema „Chronischer Schmerz“ informieren.

Neumünster | Von chronischen Schmerzen kann Ilse Bertram (Name von der Redaktion geändert) ein Lied singen. Die 66-Jährige leidet an Polyarthritis und Arthrose: „Seit ich vor drei Jahren wegen einer Krebserkrankung eine Chemotherapie machen musste, habe ich andauernd Schmerzen. Aber ständig Medikamente zu nehmen, kann doch keine Lösung sein.“ Mit diesem Problem befand sich die Rentnerin gestern Nachmittag im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in guter Gesellschaft. Zahlreiche Besucher informierten sich dort anlässlich des bundesweiten Aktionstags gegen den Schmerz.

Vor Ort war auch der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Schmerzlos, Hartmut Wahl. „Wir wollen auf das Thema chronischer Schmerz aufmerksam machen, informieren und die Betroffenen dazu bewegen, einer Selbsthilfegruppe beizutreten“, sagt der 74-Jährige. Wie wichtig der gegenseitige Austausch mit Gleichgesinnten ist, weiß Hartmut Wahl aus eigener Erfahrung. Er leidet seit vielen Jahren unter chronischen Schulterschmerzen. „In einer Selbsthilfegruppe können sich die Betroffenen gegenseitig unterstützen, trösten und sich auch mal richtig ausjammern. Denn viele Schmerzpatienten werden von ihren Mitmenschen nicht verstanden. Das zerreißt manchmal sogar Partnerschaften oder ganze Familien“, erklärt er.

Die Zahl der Betroffenen ist hoch, weiß Hartmut Wahl: „Rund vier Millionen Menschen leiden in Deutschland unter chronischen Schmerzen. Ein gutes Mittel dagegen ist in jedem Fall Bewegung“, sagt der Experte. Das bestätigt auch Fitness-Ökonomin Catharina Harder, die im Therapiezentrum des FEK arbeitet. In regelmäßigen Abständen schnappte sie sich gestern Nachmittag Besuchergruppen und zeigte ihnen unter anderem den Gymnastikraum und das Bewegungsbecken, in dem die Patienten in 34 Grad warmem Wasser leichte Dehnübungen absolvieren. „Das Problem ist, dass Schmerzpatienten Bewegungen vermeiden“, erklärt die 30-Jährige. Doch das verschlimmere die Situation nur noch weiter: „Wenn nichts gemacht wird, tut irgendwann jede Bewegung weh.“

In solch einem Fall kommen auch die beiden Ergotherapeutinnen Ulrike Wulff und Lina Müller ins Spiel. Sie zeigten den Besuchern gestern unter anderem die Spiegeltherapie. Dabei setzt sich der Betroffene so vor einen Spiegel, dass die schmerzende Hand verdeckt ist und die gesunde im Spiegelbild sichtbar ist. Anschließend setzt man den gesunden Körperteil Berührungsreizen aus. Das Gehirn interpretiert nach einiger Zeit diese Reize so, als ob sie vom kranken beziehungsweise amputierten Körperteil kämen. „Im Prinzip wird das Gehirn dabei ausgetrickst“, erklärt Lina Müller.

Abgerundet wurde das Programm durch den Schmerztherapeuten Dr. Klaus Wittmaack, der im Anschluss an die Informationsgespräche und Führungen im Foyer die Fragen der Besucher beantwortete.

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erstellt am 08.Jun.2016 | 09:30 Uhr

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